Full text: Hessenland (5.1891)

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oder Breitingen a. d. Werra (wie thüringische 
Autoren angeben). 
Die königlichen Heere marschirten in den Sachsen 
kriegen wohl auf der alten, schon 736 erwähnten 
Heerstraße zwischen Mainz und Thüringen. Diese 
alte wetterauer Heerstraße passierte den oben er 
wähnten Ort Kappel-Grebenau. Sie nahm folgende 
Richtung: Kappel-Grebenau, Burg Wartenberg (jetzt 
wüst), über die Schlitz, Landenhausen, Stockhausen, 
Schlechtenwegen, Steinfurt, Krainfeld, Volkartshain, 
Oberseemen, unterhalb Ortenberg über die Nidder 
(An der Nidder-Brücke zwischen Selters und Conrads 
dorf stand der erste Posten der Geleilsreiter nach 
Frankfurt, Archiv f. Hess. Gesch. Bd. VIII, S. 458); 
von da wohl: Altenstadt, Heldenbergen, Vilbel, 
Kastel. — 
Laubach, 5. April 1891. Dr. A. A. 
Die Verteidiger von Friedewald. In dem 
Gedicht: „Hessische Jägerparade" (1762) in letzter 
Nummer des „Hessenland" werden 60 hessische 
Jäger als Verteidiger von Friedewald gegen 8000 
Franzosen gefeiert. Dies ist geschichtlich unrichtig. 
Jene tapferen Krieger waren Hannoveraner. 
Augenscheinlich liegt eine Verwechselung vor mit der 
tapferen Verteidigung der Schlösser Ulrich stein 
oder Frankenberg durch hessische Truppen, welche 
Kriegsereignisse in die nämlichen Tage (Aug. 1762) 
fallen. Vcrgl. „Hessenland" 1887, S. 349. 
Laubach, 5. April 1891. 
Dr. A. A. 
Aus Aeimath und Fremde. 
Am 28. März starb zu Frankfurt a. M. der 
gemüthvolle Dichter F r i e d r i ch S t o l z e, der Heraus 
geber der „Latern", die ja auch bei uns in Hessen, 
wenigstens im Hanauischen und im Fuldaischen s. Z. 
eine große Verbreitung gefunden hatte. Welcher Be 
liebtheit sich dieser durch die trefflichsten Charakter 
eigenschaften ausgezeichnete echt deutsche Mann in 
seiner Vaterstadt Frankfurt und weit darüber hinaus 
erfreute, das hat sich so recht an der großartigen 
Theilnahme gezeigt, die sich bei seiner Erkrankung, 
bei seinem Hinscheiden und bei seinem Begräbnisse 
kundgab. Der Mitbegründer unserer Zeitschrift und 
hochgeschätzte Mitarbeiter D. Saul hat dem edlen 
Verblichenen in der „Frankfurter Zeitung" einen 
warmen Nachruf gewidmet und in der „Frankfurter 
Latern" ein formvollendetes und tief empfundenes 
Gedicht veröffentlicht, das hier zum Abdrucke zu 
bringen, wir uns nicht versagen können. 
Friedrich Sloltze f. 
Just da die Finken wieder schlagen, 
Wie Du einst sangst so hochgemuth, 
Hat man zum Friedhof Dich getragen. 
Dich, der in unsern Herzen ruht. 
Der junge Lenz. mit dessen Preise 
Dein frohes Lied uns oft erfreut. 
Er ist es, der zur letzten Reise 
Den Weg mit Blüthen Dir bestreut. 
Der Deine Stirne schmückt, die bleiche, 
Mit einem Lorbeer, voll und rein. 
Nun, da Dein Mund, der liederreiche, 
Sich schloß, um ewig stumm zu sein. 
Es ist der Tod ein rauher Dränger; 
Er rief, da bist Du uns entfloh'n: 
Die Freiheit weint um ihren Sänger, 
Die Vaterstadt um ihren Sohn. 
Schlaf' wohl! Von Deiner Gruft gekommen, 
Noch harren wir in frischem Gram: 
Und doch! Du bist uns nicht genommen, 
Als in den Arm der Tod Dich nahm. 
Es bleibt uns, was Du uns gegeben 
In Deinem Wesen, Deinem Wort; 
Du lebst ein zweites theu'res Leben 
In unserm Angedenken fort. 
Am 5. April starb zu Kassel im Alter von 63 
Jahren der Oberst z. D. Christian Bödicker, 
ein in den weitesten Kreisen bekannter, verdienter 
Offizier, der sich wegen seiner vortrefflichen Charakter 
eigenschaften und seiner persönlichen Liebenswürdig 
keit allgemeiner Hochschätzung und Beliebtheit erfreute. 
Geboren war derselbe im Jahre 1828 zu Kassel als 
jüngster Sohn des kurhessischen Generallieutenants 
Ludwig Bödicker. Nachdem er die Kadettenschule zu 
Kassel absolvirt hatte, wurde er am 25. Juli 1846 
zum Sekondelieutenant im kurhessischen Jägerbataillon 
ernannt, in welchem er bis zum Hauptmann avancirte. 
Nach der Einverleibung Kurhessens in Preußen wurde 
er zunächst Hauptmann im 1. schlesischen Jäger 
bataillon Nr. 5 zu Görlitz. Im deutsch-französischen 
Kriege zeichnete er sich bei Weißenburg, Wörth und 
bei Sedan, sowie bei der fünfmonatlichen Belagerung 
von Paris, während welcher er in dem Orte Bille 
d'Array im Kantonnement auf Vorposten lag, der 
gestalt aus, daß ihm das eiserne Kreuz erster Klasse 
verliehen wurde. Am 6. September 1870 war er 
zum Major und Kommandeur des Jägerbataillons 
Nr. 5 befördert worden; am 18. Oktbr. 1871 wurde er 
als Bataillons-Kommandeur in das 2. oberschlesische 
Infanterieregiment Nr. 23 nach Neiße versetzt und 
am 22. Mürz 1876 zum Oberstlieutenant befördert. 
Am 9. Mai 1878 wurde er zum Kommandeur der 
8. Gendarmcriebrigade in Koblenz ernannt, wo er 
bis zu seinem Uebertritte in den Ruhestand am 
16. Mai 1885 verblieb, nachdem er am 18. Sep 
tember 1680 zum Obersten befördert worden war. 
Nach seiner Pensionirung nahm er seinen Wohnsitz 
in seiner Vaterstadt Kassel. Es war ihm beschieden 
daselbst die letzten Jahre seines Lebens im glücklichsten 
Familienleben und im angenehmsten Umgänge mit 
treuen Freunden zu verbringen. Sein Andenken 
werden Alle, die ihn kannten, stets in Ehren halten.
	        

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