Full text: Hessenland (5.1891)

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besonders wichtiges gewesen, es verspricht vielmehr in 
noch viel wesentlicherer Art für die Anstalt so wie 
für unsere Stadt von Bedeutung zu werden, da es 
eine Anzahl von äußerst werthvollen Ver 
mächtnissen gebracht. hat. Zunächst ist hervor 
zuheben, daß ein hiesiger Herr der Bibliothek testamen 
tarisch seine auf vielen Gebieten geradezu unerreicht 
dastehenden kostbaren Sammlungen von hessischen 
Gegenständen aller Art, bestehend aus großartigen 
hessischen Münzsammlungen, Medaillen, Gläsern, 
Thonwaren, Porzellanen und sonstigen Kunstgegen 
ständen, Waffen, Erinnerungen aller Art an die 
hessischen Regenten, Portraits hessischer Persönlich 
keiten, Uniformen, Kostümen rc. nebst einer an 
sehnlichen Summe zur Erweiterung dieser Schätze 
überwiesen hat. 
Ferner ist anzuführen, daß der Bibliothek von den 
beiden Fräulein Emilie und Mathilde von der 
Embde hier eine andere und ebenfalls sehr werthvolle 
und wichtige Stiftung überwiesen ist. Die genannten 
Damen, welche schon vor Jahren der Stadtbibliothek 
den Nachlaß des bekannten hessischen Künstlers Werner 
Henschel, bestehend aus den Originalgypsabgüssen von 
dessen Werken, und ein in künstlerischer wie wissen 
schaftlicher Beziehung gleichmäßig wichtiges großes 
Album hessischer Pflanzen, gemalt von Fräulein 
Emilie von der Embde, testamentarisch gesichert ! 
halten, haben kürzlich noch aus ihren sonstigen künst 
lerischen Schätzen eine reiche Schenkung gemacht. 
Letztere ist der Bibliothek besonders von Wichtigkeit, 
einmal dadurch, daß sie aus zahlreichen vortrefflichen 
Oelgemälden und Aquarellen der bekannten Kasseler 
Künstler August von der Embde, Emilie von der 
Embde und Karoline Klauhold, geb. von der Embde, 
besteht, dann aber auch deshalb, weil die Gemälde 
meist Portraits hessischer bezw. Kasseler Persönlich 
keiten und Landschaften aus unserer Umgebung dar 
stellen. Vergrößert wird die Bedeutung des Ver 
mächtnisses dadurch, daß sämmtliche Skizzenbücher, 
Albums, Stiche und Bücher mit überwiesen worden 
sind. 
Außerdem ist zu berichten, daß auch Fräulein 
Albertine Duysing hier, welche der Bibliothek kürzlich 
bereits ein, wahrscheinlich von Tischbein gemaltes, 
großes Oelportrait des hessischen Kanzlers Ealckhofs 
und verschiedene Bücher geschenkt hat, neuerdings 
ihre gesammten Bücherschätze sowie eine Anzahl 
interessanter und werthvoller hessischer Portraits von 
Tischbein :c. und sonstige Bilder und Gegenstände 
vermacht hat. Die letztere Stiftung erhält noch ganz 
besondere Wichtigkeit für die Stadtbibliothek dadurch, 
daß zu ihr auch der Nachlaß der durch ihre Be 
ziehungen zu W. v. ' Humboldt in den weitesten 
Kreisen des gebildeten Deutschland bekannten Charlotte 
Diede, bestehend aus Briefen, ihrem Schreibtisch und 
verschiedenen anderen Erinnerungen, gehört. Da 
Charlotte Diede in literarhistorischer Beziehung eine 
nicht unbedeutende Nolle spielt, so wird gerade dieser 
Theil des gütigen Geschenkes von Fräulein Duysing 
die Blicke weiterer Kreise auf die Anstalt lenken und 
dieser manchen Besucher Kasiels zuführen. Es ist 
Aussicht vorhanden, daß gerade der Diede'sche Nachlaß 
bald neben anderen historischen Sammlungen der 
Bibliothek dem Publikum zugänglich gemacht werden 
kann. 
Schließlich sei noch erwähnt, daß die hessischen 
Sammlungen der Stadtbibliothek von Fräulein Briede 
durch Ueberweisung des Ordens vom eisernen Helm 
und der hessischen Kriegsdenkmünze für 1814/15, 
beide aus dem Nachlasse des verstorbenen Oberst 
lieutenants Briede, ferner durch Herrn Gutsbesitzer 
Oesterheld in Menglers durch eine 580 Stück ent 
haltende hessische Siegelsammlung und schließlich durch 
Herrn Lion hier durch Beiträge zur hessischen Kostüm- 
kuude bereichert worden sind. Weitere recht bedeutende 
Zuweisungen sind fest versprochen worden, z. Th. 
von hoher Seite.' 
Bleibt das allgemeine Interesse auch in Zukunft 
der Stadtblbliothek erhalten, so kann man sich wohl 
der Hoffnung hingeben, daß aus diesem, von Kasseler 
Bürgern begründeten und von solchen erweiterten und 
ausgebauten Institute mit der Zeit eine weit über 
die Grenzen Kassels gewürdigte Anstalt entstehen wird. 
Durch Ueberweisung von Büchern und sonstigen 
Lireralien haben sich im Jahre 1890/91 als Freunde 
und Gönner der Bibliothek bewährt: Herr Kaufmann 
Abel 13 Bände, Direktor Dr. Ackermann 6, Aerzt- 
l ich er Verein 4U, Maler Ahnert 1, stud. phil. Hans 
Altmüller 2, Rektor Amelungk 2, Fräulein Arnold 
135, Frau Arnthal 37, Herr Geh. Ob.-Baurath a. D. 
Aßmann 52, Rektor Bachmann 1, Apotheker Behre 
4, Dr. Berghöffer in Frankfurt a. M. 1, Üibliotüeea 
XaoioQrrl in Buenos-Aires 57, Bibliothek der höheren 
Töchterschule 7, Herr Stadtschulrath Bornmann 16, 
Rektor Braun 2, Mechanikus Breithaupt 36, Buch 
händler Brunnemann 35, Freiherr von Buttlar- 
Elberberg in Fritzlar 1, Frau Amtsgerichtsrath 
Calaminus 12, die Stadt Kassel 1683, Frau von 
Cölln 14, Herr Direktor Diehls 1, W. Drewfs 1, 
Fräulein Albertine Duysing 47, Frhr. von Eberstein 
in Berlin 2, Dr. Eskuche 1, Reg.-Sekr. Faßhauer 1, 
Hofbuchhändler Freyschmidt 2, Fräulein Fulda 21, 
Herr Senator Dr. Gerland in Hildesheim 4, Steuer 
rath Gehrmann 2, Maler Giesse 4, Rektor Gild 2, 
Baron A. von und zu Gilsa 2, Dr. Gläßner 71, 
Großhändler G. Goldschmidt 2, Lehrer Gonnermann 1, 
Redakteur Gosewisch 1, Gebr. Gotthelft 170, 
Frau Gch.-Rath Grandidier 84, Baron von Gries 
heim 157, Dr. Hauptmann 1, Rentier Hentze 270, 
Kaufmann Herbordt 2, Lehrer Hock 1, Hofbibliothek 
in Darmstadt 1, Hofsmann und Meyer 45, Kauf 
mann G. Joost 1, Hofbuchhändler Klaunig 23, 
Bürgermeister Klöffler 66, Dr. von Knoblauch in 
Marburg 1, Baumeister Köhler 70, Direktor Dr.
	        

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