Full text: Hessenland (5.1891)

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nach meinem Ermessen Dr. L. H. Eberhard 
Heinrich Friedrich von Wildungen, 
geboren zu Cassel am 24. April 1754, 
„ein ächtes Kind des holden Lenzes". ge 
storben am 15. Juli 1822 als kurhessischer 
Oberforstmeister, dessen Grab in dem sogenannten 
Forstgarten ein Denkmal mit der Inschrift 
schmückt: „Hier ruht ein Mann (oder Freund 
der Natur), der im Leben selten geruht hat." In 
der westphälischen Zeit war er dem König Jerome 
zugethan, welchem er bei einer Anwesenheit in 
Marburg vorgeritten hat. Als er nun bei der 
Rückkehr des Kurfürsten Wilhelm des Ersten 
diesem vorritt, soll der neue Herr, auf jenen 
Borritt anspielend, ihm zugerufen haben: „Wil 
dungen gut reiten gelernt haben." Er wohnte 
zuletzt und starb in dem nach Hans von Dörn 
berg genannten „Dörnberger Hof", jetzt Stern 
warte. Seine schriftstellerische Thätigkeit galt 
hauptsächlich dem Forst und der Jagd, daher 
kam es, daß er sogar mit der Ritterwürde des 
neapolitanischen Dianenordens beehrt wurde. 
Von seinen Schriften am meisten erwähnenswerth 
sind: „Waidmanns Feierabende, ein neues Hand 
buch für Jäger und Jagdfreunde." 
Daß der Mitstreiter B. kein anderer gewesen 
ist als der Professor der Medizin David Busch, 
geboren zu Marburg am 5. Juli 1755, 
erkenne ich aus seiner an anderer Stelle ersicht 
lichen poetischen Thätigkeit, z. B. stehen von 
ihm Gedichte in den „Marburger Anzeigen" und 
in dem von Eschstruth herausgegebenen hessischen 
Musenalmanach. Er hat Wildungen um mehr 
als 10 Jahre überlebt, denn er starb im Jahre 
1834. Sein Haus in der Untergasse ging nach 
seinem Tode über in den Besitz des Herrn Bau 
kommissar von Milchling, eigentlich von Schutzbar. 
Einer seiner Söhne war gleichfalls hier Professor 
in der medizinischen Fakultät und ging als solcher 
einer ehrenvollen Berufung folgend im Jahre 
1830 nach Berlin, allwo er als Gynäkolog sich 
einen Namen erwarb. 
Was nun den dritten wettstreitenden Poeten 
betrifft, der als W—tz unterzeichnet ist, so bin 
ich bei einem Herrn von Waitz stehen geblieben, 
bei einem Glied der in Hessen berühmten Familie 
Waitz von Eschen. Er hieß Wilhelm und 
war ein Sohn des Ministers Friedrich Sig 
mund Waitz von Eschen (gest. 1808), kam 
verwundet aus dem amerikanischen Krieg 
zurück und ward Forstmeister; er war ein 
Schwager des Ministers Karl Wilhelm von 
Meyer (gest. 1806), der 1791 Regierungsrath in 
Marburg war. Wahrscheinlich besuchte Wilhelm 
von Waitz um jene Zeit seine Schwester (Frau 
von Meyer); daß er sich nur kurze Zeit hier 
aufgehalten hat, geht aus einem wahrscheinlich 
von ihm herrührenden Gedicht („Abschied von —") 
hervor, in welchem es heißt: „Wo das Geschick 
auch mich für meine Sünden allhier fünf 
Monden schmachten ließ gleich einem Opfer 
lamm." Er starb im Jahre 1794, 41 Jahre alt. 
u Uurharö'sche Maötbibliothek in Wassel 
im Kahre 1890 91. 
Das mit dem I. April abgelaufene Rechnungs 
jahr 1890/9! ist für die Weiterentwickelung der 
Bibliothek ein so bedeutungsvolles gewesen, daß es 
wohl angezeigt erscheint, an dieser Stelle eingehender 
Uber die Vermehrungen und Zuwendungen zu berichten, 
welche die genannte städtische Anstalt zu verzeichnen 
in der Lage ist. 
Die Bibliothek hat in dem genannten Zeitraume 
einen Zuwachs von 5669 Bänden erfahren, von 
denen käuflich 390 erworben, 5279 Bände aber von 
Freunden und Gönnern der Anstalt als Geschenke 
überwiesen worden sind. Es ist dies ein hocherfreu 
licher Beweis der Opferwilligkeit und auch dafür, daß 
in immer weiteren Kreisen unserer Stadt und deren 
Umgebung die Aufmerksamkeit auf das noch jugend 
liche, aber kräftig sich entwickelnde städtische Bildungs 
institut gelenkt wird. Es hat dazu in nicht geringem 
Grade der Umstand beigetragen, daß immer mehr 
bekannt wird, welche Schätze, besonders auch für die 
Geschichte unserer Stadt und die mit deren Schick 
salen so eng verflochtene hessische Landesgeschichte, 
bereits in der Bibliothek vorhanden sind, und daß 
das Bestreben der Bibliotheksverwaltung dahingeht, 
diese Sammlungen noch in jeder Weise zu vervoll 
kommnen. Beweis für die Richtigkeit dieser Be 
hauptung liefert wohl der Umstand, daß allein in diesem 
Jahre die Sammlung von orts- und landesgeschicht 
lichen Abbildungen, Plänen und Portraits um .1330 
Stück gewachsen ist, von denen die große Mehrzahl, 
über 1000 geschenkt worden sind; desgleichen sind in 
dem genannten Zeitraume 151 hessische resp. Kasielsche 
Urkunden und sonstige Handschriften der Bibliothek 
zugewiesen worden. 
Das Jahr 1890/91 ist aber nicht allein durch 
die überaus reichen und werthvollen Geschenke von 
Archivalien, Literalien rc. ein für die Bibliothek
	        

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