Full text: Hessenland (5.1891)

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Quellenforschung klassischen Boden Italiens zu 
besuchen. 
Das Ziel seiner Studien auf der ambro- 
sianischen Bibliothek zu Mailand und auf der 
vatikanischen in Rom war wiederum die Ver 
vollständigung seiner Sammlung für die deutschen 
Concilien nnd für die im Auftrage des Grafen 
Manderscheid begonnene Eiflia illustrata. Leider 
sollte Schannat die Früchte dieser Saat nicht 
reifen sehen, da er am 6. März 1739 plötzlich 
zu Heidelberg verschied. Doch wurde die Ernte 
des von ihm bereiteten Feldes von anderen 
Händen eingebracht. So veröffentlichte aus 
seinem Nachlaß La Barre Beaumarchais, 
Histoire ahregee de la maison Palatinate. 1740. 
Im Uebrigen wurde der literarische Nachlaß 
Schannat's durch den Erzbischof von Prag im 
Jahre 1747 käuflich erworben, und es erschienen 
aus demselben vom Jahre 1759 bis 1790 
Concilia Germaniae, quae Joh. Friedrich 
Schannat primo collegit, dein Jos. Hartz 
heim auxit. (Col. Agripp.) 11 Bände in 
Fol. (Von Band VI. an betheiligten sich an 
der Fortsetzung die Jesuiten Scholl, Reisten, 
Hesselmann). Die Eiflia illustrata erschien erst 
viel später, indem der preußische Landrath 
Georg Bärsch im Jahre 1825 den I. Band 
in zwei Abtheilungen zu Aachen herausgab. 
Vom II. Band erschien die erste Abtheilung 
1829 zu Aachen, die zweite 1844 zu Trier. 
Der III. Band, welcher auch den Separattiteh 
führt: Die Städte und Ortschaften der Eifel, 
topographisch und historisch beschrieben von 
Georg Bärsch, 2 Bände in 4 Abtheilungen, 
wurde in den Jahren 1852, 1854 und 1855 zu 
Aachen herausgegeben. 
Möge unsere aphoristische Darstellung von 
Schannat's Forscherlaufbahn daran erinnern, 
daß ein vollkommenes Lebensbild von ihm noch 
fehlt in der Ahnenreihe der neueren Geschichts 
forscher. Die verdienstvollen Arbeiter, welche im 
16., 17. und 18. Jahrhundert für den Bau der 
deutschen Geschichte unverdrossen Material her 
beigeschafft und auch manchen Edelstein vor der 
Vernichtung geschützt haben, sind in der That 
der pietätvollsten Beurtheilung würdig, und wenn 
ihre Leistungen auch nicht in jeder Beziehung 
den heutigen Anforderungen an wissenschaftliche 
Werke genügen, so darf man nie vergessen, daß 
unsere Zeit in jeder Beziehung den Schaffens 
trieb durch reiche Mittel unterstützt und die 
geistige Arbeit vielfach erleichtert. Freilich darf 
sich ein Mann. welcher Schannat ein biographisch 
literarisches Denkmal setzen will. wie er es ver 
dient, seine Aufgabe nicht allzuleicht vorstellen, 
aber es fehlt ja heutzutage nicht an geeigneten 
Kräften für ein solches Werk. Hoffen wir, daß 
dasselbe in nicht allzuferner Zeit von geschickter 
Hand begonnen und mit der rechten Umsicht zur 
Ausführung gebracht wird. ' 
-i-Ä-S- 
Hin poetischer Wettstreit, 
geführt zu Nürburg jetzt vor hundert Fahren. 
Von G. Th. Dikhmsr. 
(Schluß.) 
Ich lasse Erxleben's Schreiben au Bürger 
wörtlich folgen: 
Species facti! 
„Drei Freunde verabredeten sich, nach gemein 
schaftlich bestimmten Endreimen dem G. J.-R. E. 
einen Neujahrswunsch zu verfertigen, zugleich 
wurde es diesem erlaubt, dem Verfasser des 
Gedichts, welches ihm das beste scheinen würde, 
eine ausgeworfene Prämie zuzuerkennen. 
Die Neujahrswünsche Nr. I. II. III. namenlos 
liegen vor. Der Besungene wagte es (nachdem 
er den Professor der Dichtkunst E. um ein 
Gutachten angegangen), den Werth derselben 
zu bestimmen, und obwohl der Sänger (von 
Nr. II) die Prämie (die Prikken) wirklich er 
halten hat, so bezweifeln doch Einige, ob das 
gefällte Urtheil mit den Regeln der Kunst über 
einstimme, oder vielleicht nur dem eigenen Gefühl 
des Schiedsrichters, welcher sich ohnehin nicht 
für kompetent hält, gemäß wäre? Mehrere 
Freunde, Freundinnen und Verehrer des Herrn 
Professor Bürger wünschen daher die Meinung 
des ersten Kunstverständigen über diesen Vorzugs 
streit zu erfahren, und der Einsender vereinigt 
seine Bitte hiermit um so mehr, als er von 
diesem zuverlässigen Oberappellationsgericht eine 
allenfallsige reformatoriam sich gerne gefallen 
lassen kann." 
Bürger erfüllte die an ihn gerichtete Bitte 
alsbald. 
Aus der brieflichen Antwort Bürger's, die hier 
zu viel Raum einnehmen würde, die übrigens
	        

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