Full text: Hessenland (5.1891)

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durch alle Mittel dahingezogen und dort Vor 
theilhaft angestellt werden."- 
Es unterliegt keinem Zweifel, daß sich die 
Verhältnisse zu Melk (es hatte sich nämlich das 
Gerücht verbreitet, daß die großen Stifte Melk, 
Klosterneuburg und Heiligenkreuz zu Gunsten 
des neuerrichteten Erzbisthums Wien säku- 
larisirt werden sollten, wozu der milde Papst 
Jnnocenz XIII. seine Zustimmung zu geben be 
reit sei), welche Pez zu der Absicht der Aus 
wanderung veranlaßt hatten, sich wieder nach 
seinem Wunsche gestalteten und so setzte derselbe 
im folgenden Jahre 1725 seine Studienreisen 
fort. Diese waren besonders trotz der Türken 
kriege von gutem Erfolg in Steiermark begleitet, 
sodaß Schannat die seltenen Entdeckungen 
Pezens unter Glückwünschen begrüßt. 
Obgleich sich Schannat um diese Zeit (1725 
bis 1729) durch seine oben angeführten Werke 
einen allgemein geschätzten Namen als Förderer 
der fuldischen Territorial - und deutschen 
Kirchengeschichte erwarb, so brachte er es doch 
nicht zu einer gesicherten Lebensstellung, sondern 
er blieb wandernder Historiograph, zumal da 
Fürstabt Konstantin im Jahre 1726 gestorben 
war. Nach der Vollendung des Manuskripts' 
der Historia Fnldensis im Jahre 1729 über 
nahm er den Auftrag des hohen und niederen 
Klerus von Worms, die Geschichte dieses Hoch 
stifts zu schreiben und siedelte deshalb dorthin 
über. Bei dem Abschied von Fulda erhielt er 
zwar ein seine Werke in hohem Maße aner 
kennendes Schreiben des Fürstabts, aber die 
materielle Entlohnung fiel sehr mager aus, da 
dieselbe in einigen Gold- und Silbermedaillen 
mit dem Bild des Fürst-Abts im Werth von 
100 Gulden und einer gleichen Summe in 
Dukaten bestand, welche das Kapitel auszahlte. 
Dahingegen wurde Schannat von dem Kur 
fürsten von Mainz ein Jahresgehalt von 500 
Thalern auf die Dauer seiner Arbeit in Worms 
zugesichert. Auch während derselben verlor er 
seinen Plan einer Sammlung von deutschen 
Concilien bis zum Concil von Konstanz nicht 
aus dem Auge, und kam er mit Dr. Pfasf in 
Tübingen überein, daß ihm dieser seine Kollek 
tionen für die gleiche Arbeit überließ. Die 
Aussicht für dieselbe gestaltete sich besonders 
günstig, als der Kardinal Erzbischof von Mecheln 
bei dem Papste Clemens XII. für Gewährung 
einer Jahresrente an Schannat eintrat, wenn 
derselbe verspreche, nach Vollendung der Ilistoria 
episeopatus Wormasievaia sich ganz den deutschen 
Concilien zu widmen. Dieses Abkommen kam 
jedoch nicht zu Stande, und als Schannat im 
Jahre 1733 seine Wormser Geschichte vollendet 
hatte, fand er einen neuen Herrn und Gönner 
an dem Erzbischof in Prag, Moriz Gustav 
Grafen von Manderscheid. In dessen Auftrag 
sollte er eine historische, genealogische und topo 
graphische Beschreibung der Eifel abfassen, da 
aus dieser Gegend die Familie der Grafen von 
Manderscheid stammt. 
Mit der gewohnten Thatkraft widmete sich 
Schannat dieser Arbeit und berichtet über die 
selbe in seinem letzten Briefe an Pez, datirt 
Mannheim, den 7. Dezember 1734. Um diese 
Zeit und schon etwas früher war eine kleine 
Mißstimmung zwischen jenem und Schannat 
eingetreten, weil dieser mit gewohntem Frei- 
muth über das von Pez im Kloster Zwiefalten 
aufgefundene und von ihm herausgegebene Leben 
des heiligen Trudpert in einer mit Pez nicht 
übereinstimmenden Weise geurtheilt hatte. Dieser 
besaß nämlich die tadelnswerthe Eigenschaft, sich 
gegen jede Aenderung einer einmal gefaßten 
Meinung zu verschließen, selbst wenn eine solche 
durch die besten Gründe als irrig dargethan 
wurde, und war gegen jede tadelnde Bemerkung 
sehr empfindlich. Indessen übte Schannat große 
Nachsicht mit dieser Schwäche seines Freundes 
und schrieb ihm noch am 16. Dezember 1732 
von Heidelberg aus das Distichon: 
Diversum sentire cluos de rebus iisdem 
innocua licuit semper amicitia. 
Ebenso schmerzte Schannat das Gerücht, daß 
Pez mit dem Exjesuiten Roderique in brief 
lichen Verkehr getreten sei. Derselbe war aus 
dem Jesuiten-Kollegium in Köln, wo Eckhart 
vor seinem Uebertritte mit ihm befreundet 
wurde, ausgetreten und nach Würzburg ge 
kommen, wo er der Mitarbeiter desselben wurde. 
Schannat nennt beide das Duumvirat von 
Würzburg, über dessen Despotismus und 
Zweifelsucht allen Gelehrten gegenüber er sehr 
erbittert ist. Auch hatte Roderique durch ein 
wässeriges Werk, wie er es nennt, über die 
Abteien Malmedy und Stavelot den alten Streit 
zwischen diesen beiden wieder erneuert, die ihm 
befreundeten Mauriner Martene und Durand, 
weil sie Stavelot den Vorzug gaben, sehr schlecht 
behandelt und auch Fulda, dessen Rechte und 
Archive, darin angegriffen. Deshalb bemerkte 
er gegenüber Pez: „Ich wünsche nur, daß Sie 
aus diesem Verkehre Nutzen ziehen; denn Ehre 
gibt es dabei für Sie nicht zu erwarten." 
Den Höhepunkt der Befriedigung dürfte 
Schannat's Sammeleifer und Forschungstrieb 
wohl gefunden haben, als er im Jahre 1735 
die Gelegenheit erhielt, mit Unterstützung des 
Erzbischofs von Prag das als reichste Schatz 
kammer für die Geschichtskunde aller Zeiten 
berühmteste Land, den auch für historische
	        

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