Full text: Hessenland (5.1891)

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Nachlaß des P. Gamans aus dem Kollegium zu 
Aschaffenburg, wo ihn Schannat besichtigte, er 
halten hatte. 
Mit großem Eifer erfaßte Schannat die 
Bewältigung seiner Aufgabe, eine Geschichte 
von Fulda zu verfassen, aber neben derselben 
beschäftigte ihn auch noch die Sammlung der 
deutschen Concilien, sowie der Plan, eine 
Diplomatik von Deutschland herauszugeben, da 
Mabillons Werk zu weitschweifig erscheine, die 
Urkunden zu wenig berücksichtige und besser 
den Titel „de re antiquaria“ führen solle. In 
seinem Werke beabsichtige er, wie er in einem 
Sörtefe vom 9. Oktober 1725 schreibt, viele 
Originalurkunden mit den Siegeln der Könige 
und Kaiser bis auf Friedrich I. zu bringen. 
Auch hatte er schon eine große Zahl ausgezeich 
neter Stücke des Mittelalters gesammelt, welche 
er B. Pez zur Ausgabe überlassen, als er durch 
Zufall selbst zur Anlage einer Ouellensammlung 
bestimmt wurde. Es hatte nämlich der Fürst 
abt Konstantin von Fulda eine Druckerei da 
selbst einrichten lassen und wünschte, daß früher 
ein Probedruck dort gemacht werde, bevor die 
große Geschichte von Fulda unter die Presse 
komme. Schannat beschloß in Folge dieses fürst 
lichen Wunsches eine Sammlung von ^neodota 
herauszugeben, welcher er den Titel „Vindemiae 
literariae" gab ; ebenso in Anspielung auf das 
Wappen des Fürstabtes, als in Bezug auf die 
Zeit der Weinlese, in der er sich damit be 
schäftigt hatte. Als Vorarbeit seiner Geschichte 
von Fulda gab er einen Urkundenband über 
Fulda heraus. Gleichzeitig verfaßte er noch 
mehrere andere Werke über Fulda und begann 
sogar eine Sammlung historischer Schriften in 
deutscher Sprache, obwohl ihm wegen seiner 
französischen Muttersprache das Deutsche große 
Schwierigkeiten machte. Eine solche Arbeits 
leistung war nur durch eine unermüdliche Thätig 
keit möglich, wie sie bei Schannat vorhanden 
war. Er schildert einmal seine Lebensweise 
folgendermaßen: Ich stehe regelmäßig früh um 
5 Uhr auf und trinke Thee; dann arbeite ich 
bis 9 Uhr. Um diese Zeit besuche ich das Hoch 
amt und bete dabei mein Brevier; hierauf kehre 
ich zu meiner Arbeit zurück, welche ich ohne 
Unterbrechung bis 7 Uhr Abends fortsetze. 
Mittags wünsche ich nichts, als einige Tassen 
Kaffee mit einem weißen Brode, was mir 
Schlag 12 Uhr gebracht wird. Was mein Nacht 
mahl betrifft, so ist es stets gut und schmeckt 
mir um so besser. 
Von besonderem Interesse sind die literarischen 
und freundschaftlichen Beziehungen Schannat's 
zu Eckhart und dessen Gemahlin. Wiederholt 
kommt er in Briefen an Pez auf das Geschick 
Eckhart's und seiner Familie zurück. So erzählt 
er. daß derselbe nach seinem Uebertritt zur 
katholischen Kirche von der Universität Würzburg 
als Bibliothekar angenommen, von dem Fürst 
bischof zum Hofrath ernannt wurde, und von 
ihm den Tisch sowie eine Equipage zur Ver 
fügung erhielt. Nach nicht ganz zwei Jahren 
meldete Schannat an Pez, daß auch Eckhart's 
Gemahlin katholisch geworden und deren Tochter 
ohne Vorwiffen der Eltern im 16. Jahre in 
das Ursulinerkloster zu Würzburg eingetreten 
sei. Es mag Eckhart wohl nicht leicht gefallen 
sein, dem Befehle des Fürstbischofs entsprechend 
gegen das im Jahre 1727 zu Frankfurt er 
schienene Werk Schannat's „Dioecesis Fuldae 
cum sua hierarchia“ zu polemisiren, worüber 
er sich bei seinem Freunde entschuldigte. Es 
war das dasselbe Werk, wogegen sich zwei andere 
Gegner erhoben, darunter Chilian Mainberg, 
dessen Buch die größten Beleidigungen und 
Verleumdungen gegen Schannat und Fulda ent 
hielt. Unter diesen! Pseudonym vermuthete er 
den P. Seyfried oder Fr. Jos. Hahn in Gött- 
weih, einen jungen Geistlichen, der früher von 
Schannat an Pez empfohlen, unter ihm in Melk 
gearbeitet hatte und hierauf als Mitarbeiter des 
Abtes Befiel nach Göttweih gekommen war. Der 
Fürstabt von Fulda setzte sogar einen Preis von 
100 fl. für denjenigen aus, welcher den Autor 
entdecken würde, und das Buch sollte öffentlich 
durch die Hand des Scharfrichters unter Trommel 
wirbel verbrannt werden. 
Als Eckhart, der unermüdliche würzburgische 
Bibliothekar, im Jahre 1730 starb, hinterließ 
er, wie es im Schreiben Schannat's ersichtlich, 
ungeordnete Vermögensverhältnisse, sodaß seine 
Söhne auf die Hilfe des Fürstbischofs angewiesen 
waren. 
Einmal eröffnete sich eine für die geschichtlichen 
Forschungen in Fulda hochwichtige Aussicht, in 
dem P. Bernhard Pez aus Melk nach Fulda 
überzusiedeln gedachte. Auf eine bezügliche 
Aeußerung antwortete Schannat am 28. Fe 
bruar 1724: „Wie ich aus Ihrem lieben Briefe 
ersehe, fangen Sie an, sich an dem Orte, wo 
Sie sind, unbehaglich zu fühlen, und Sie möchten, 
wie ein zweiter Otloh hieher kommen, um hier 
glücklichere und ruhigere Tage zu verleben und 
mit mehr Genugthuung die Studien fortzusetzen, 
welche Sie begonnen haben. Mit Freuden 
würde er zwar seine Gegenwart begrüßen, doch 
zweifelt er, ob seine Oberen die Wünsche von 
ihnen beiden billigen und ob Seine, Majestät 
selbst dies zulassen werde, da es durchaus nicht 
der Residenz zu Ehren gereichen würde und den 
Anschein hätte, daß sich die Gelehrten vielmehr 
von dort entfernen, statt daß dieselben etwa
	        

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