Full text: Hessenland (5.1891)

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Aohann Mleörich Kchannal. 
Line Tebensskizze, entworfen von Dr. Cornelius Will. 
(Schluß.) 
Wiederholt und ausgiebig scheint Schannat 
von B. Pez durch Geldbeträge unterstützt 
worden zu sein, zum Theil für seine 
handschriftlichen Arbeiten und Entdeckungen, 
die er Pez vermittelte. Auch für Eckhart, 
den hochverdienten Geschichtsforscher und da 
maligen kirrfürstlichen Bibliothekar zu Han 
nover , arbeitete er und bedauerte in einem 
Briese nur, daß er noch nichts für ihn gefunden 
habe, obwohl er dies sehr wünschen würde, um 
seine Geldmittel aufzubessern. 
Eckhart schickte an Pez einen Betrag von 
100 fl., damit er dieses Geld für Schannat ver 
wende ; zugleich bittet er Pez, ihm dessen Briefe 
immer zu schicken und lesen zu lassen, denn 
daraus könne er etwas lernen. Schannat erkennt 
dies Wohlwollen Beider dankbar an, da ihm 
hierdurch seine kleinen Reisen ermöglicht wurden. 
Dafür sollen sie stets Herren über alles sein, 
was er gesammelt und beobachtet habe. Auch 
war Schannat für den damaligen Professor in 
Marburg und späteren Bibliothekar Schmincke 
thätig, indem er demselben Beiträge zu seiner 
Sammlung der Nonimenta hassiaca lieferte, 
wofür ihm 50 Thaler Honorar bewilligt wurden. > 
Auf seinen Bibliotheksreisen durch Hessen und 
Franken kam Schannat auch nach Aschaffenburg, 
wo ihm die Durchsicht der großen Sammlungen 
des berühmten Jesuiten Gamans gestattet wurde. 
Dieselben waren die Frucht dreißigjährigen 
Sammlerfleißes und enthielten eine erstaunliche 
Menge werthvoller Schriften. In Würzburg 
konnte Schannat längere Zeit keinen Zutritt in 
die bischöfliche Bibliothek erhalten, bis es ihm 
endlich durch den Einfluß der Jesuiten gelang, 
den Widerstand des Bibliothekars Sigler zu 
überwinden. Aus der bedrängten Lage, in 
welcher sich Schannat in Würzburg befand, 
wurde er durch die Empfehlung von B. Pez 
befreit. Demselben war nämlich durch den Fürst 
abt Konstantin von Buttlar das Anerbieten 
gemacht worden, eine Geschichte der Abtei Fulda 
zu verfassen, allein Pez mußte diese Arbeit aus 
Rücksicht auf seine begonnenen Werke ausschlagen 
und auch sein Bruder, sowie die P. P. Hueber 
und Meichelbeck ließen sich nicht für dieselbe 
bereit finden. Da empfahl Pez dem Fürstabt 
Konstantin als geeignete Kraft für die Bear 
beitung einer Geschichte seiner Abtei den ebenso 
fleißigen, wie tüchtigen Schannat. Wirklich 
kommt eine Vereinbarung zu Stande, wonach 
Schannat eine Geschichte von Fulda in zwei 
Bünden Folio zu liefern sich verpflichtet, deren 
erster die Geschichte der Gründung und die 
Reihenfolge der Aebte, der andere nur urkund 
liches Material zur Beweisführung enthalten 
soll. Dafür wurden ihm freie Wohnung und 
Tisch, sowie ein Jahresgehalt von 200 fl. und 
zwei Monate Ferien zugesichert. 
Schannat sandte auch aus Fulda manche Bei 
träge an Pez und gab ihm getreulich Bericht 
über seine und anderer literarische Unter 
nehmungen. Häufig fragt er um dessen Rath 
oder Urtheil, da er nichts ohne seine Anleitung 
unternehmen wolle. Bezeichnend für dies Ver 
hältniß sind seine Worte: „Da Sie mein Orakel 
sind, so bitte ich Sie, wenn Ihnen etwas ein 
fallen sollte, was meinen Gegenstand fördert, 
mir davon Mittheilung zu machen und mich mit 
Ihrer Gelehrsamkeit zu unterstützen." 
Seine Bemerkungen über andere Gelehrte sind 
freilich in ihrer Schärfe, wie Katschthaler richtig 
urtheilt, nur auf die Vertraulichkeit des Brief 
wechsels berechnet. Beispielsweise nennt er Lünig, 
der „Das teutsche Reichsarchiv", ein Sammel 
werk von 24 Folianten, herausgab, einen merk 
würdigen Eompilator von einer unendlichen Menge 
von Kleinigkeiten, der nicht zufrieden ist, damit 
schon zwei Verleger ruinirt zu haben, sondern 
noch einen dritten sucht. 
Ueber das Prachtwerk des gelehrten Abtes 
Gottfried Befiel, das Ollronicon Gotwicense, 
erwähnte er, daß seines Erachtens der Prälat 
besser gethan hätte, ihm den Titel „otiuru 
Gotwicense“ zu geben; wenigstens hätte man 
dann eine richtigere Vorstellung von diesem 
Werke. Besonders schlecht ist er auf den Jesuiten 
Seyfried, Professor der Geschichte in Würzburg, 
zu sprechen, der für die Geschichte Frankoniens 
sammelte und den werthvollen literarischen
	        

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