Full text: Hessenland (5.1891)

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Er flieh' aus meinen Landen, 
Getilgt sein Name sei, 
Er leb' und sterb' in Schanden 
Für seine Büberei. 
Am Feinde soll man ehren 
Das Große, Tapfre auch, 
Sein Denkmal nicht Versehren, 
Das ist des Edlen Brauch!" 
Bei diesem Kaiserworte 
Der Schranzen Schaar erbleicht, 
Der Frevler aus der Horde 
Sich stumm von dannen schleicht. 
Das Große, Tapfre ehren 
Soll man am Feinde auch. 
Sein Denkmal nicht Versehren, 
Das ist des Edeln Brauch! 
Wilhelm Nennecke. 
A n m. Der hessische Chronist Winkelniann nennt als 
Ort, in dessen Nähe die Schwedensäule steht, den Flecken 
Merfelden. Jn.Crselden wird jetzt noch die Stube gezeigt, wo 
Gustav Adolph in der Nacht vom 6. auf den 7. Dezember 
1631 übernachtete. Da größere Fahrzeuge nicht zur Stelle 
waren, ließ der König seine Truppen aus zwei Scheunen 
thoren über den Rhein setzen. Das Denkmal ist renovirt 
worden und der Löwe trägt wieder das Schwert in der 
Pranke. 
Aus alter und neuer Zeit. 
Die G ö r tz s ch e n N o t h d a l e r. In Nr. 6 des 
diesjährigen „Hessenlandes" behandelt ein Aufsatz 
mit dem Titel: „Ein Justizmord" das tragische 
Ende des schwedischen Minstcrs von Görtz und er- 
wähnt dabei seine Einführung kupferner Werthzeichen. 
Letztere sind allen Münzsammlern wohl bekannt, und 
es dürfte von Werth sein, hier einiges Weitere über 
sie zu erfahren. 
Es gab in Schweden Reichsthaler, Silberthaler 
und Kupferthaler, deren Werthe im Verhältniß 6:3:1 
standen. Als nun Karl XII. gegen Norwegen, Däne 
mark und England kriegerisch vorgehen wollte, wozu 
es ihm aber au Geld und Kredit fehlte, wurden von 
1715 an auf Vorschlag von Görtz die kleinen Noth- 
daler geprägt, die nur eineu Werth von etwa drei 
Pfennigen hatten, aber durch königliches Edikt einen 
Zwangskurs von einem Silberthaler bekamen. Sie 
tragen die Inschrift I(.) DALER. 8. M. (Silfwer Münz.) 
Natürlich war die Gefahr der Nachprägung eine sehr- 
große; daher ließ Görtz mit immer neuen Stempeln 
prägen in der Absicht, die einmal ausgegebenen als 
bald gegen neue einwechseln zu lassen unter Ungültig- 
erklären der früheren, was aber nicht geschehen zu 
sein scheint. Von 1715 bis 1719 sind 18 Millionen 
Nothdaler geprägt worden und zwar mit 10 ver 
schiedenen Stempeln: 
1. Königskrone. 1715. 
2. Pallas mit dem schwedischen Wappen. PVBLICA. 
FIDE. 1716. 
3. Krieger. WETT OCH WA PEN. 1717. 
4. Krieger und Löwe. FEINE OCH FARDIG. 
1718 
5. Saturn mit der Sense und einem Kinde. 
SATVRNVS. 1718. 
6. Jupiter mit Blitzen und dem Adler. IVPITER. 
1718. 
7. Mars mit Schild und Lanze. MAR8. 1718. 
8. Phoebus mit einer Fackel in einem Strahlen 
kränze. PHOEBVS. 1718. 
9. Merkur mit dem Schlangenstabe. MERCVRIV8 
1718. 
10. Die Hoffnung mit dem Anker. Hoppet. 1719. 
Der letzte (10.) scheint nicht in Umlauf gekommen 
zu sein, er ist auch der seltenste. Trotzdem alle 
Nothdaler sofort nach dem Tode ihres Urhebers nach 
Möglichkeit eingezogen wurden, haben sie sich doch in 
großen Mengen erhalten, auch bei Nichtsammlern. 
Früher zahlte man für die ganze Reihe fünf Thaler, 
jetzt kaum noch einen. 
Viel seltener ist der sog. 11. Nothdaler mit dem 
Kopfe des Barons Görtz und der Inschrift GEORG. 
HEINR. BARO DE GÖRTZ. — A. AET. 66. — 
CA RET LEGE NECESSITAS. Dieser scheint kein 
eigentliches Geldstück gewesen zu sein und ist wohl 
erst nach dem Tode des Ministers geprägt worden. 
Unierden Klagepunkten gegen Görtz war der erste die 
Einführung der kupfernen Nothdaler, die allerdings eine 
Stockung des Handels und eine Vertheuerung aller 
Lebensmittel zur Folge gehabt hatte. Am größten 
aber war des Volkes Wuth Uber die „heidnischen 
Götzen" auf den Nothdalern; sie findet ihren Ausdruck 
in den Worten, die dem Unglücklichen bei seiner 
Gefangennahme eine Frau aus dem Volke zurief: 
Unser Gott hat dich in unsere Hände gegeben; 
siehe nun zu, ob die deinigen, die du uns statt der 
Münze gegeben, dich retten werden. — Und auf dem 
Wege zur Richtstätte rief dem unschuldig Verurtheilten 
das Volk zu: Esto nu flink och fardig med 
denen Wett och Wapen? (Bist du NUN flink 
und fertig mit deinem Witz und deinen Waffen?) 
V- M. 
E i n Pagenstreich. Am 27. Februar 1821 
Morgens 6 '/ a Uhr war Kurfürst Wilhelm I. 
(Landgraf Wilhelm IX.) im Bellevueschloß zu Kassel 
gestorben. Seinem Wunsche gemäß wurde die Leiche 
nach Wilhelmshöhe übergeführt und in der Gruft 
der von ihm erbauten Löwenburg beigesetzt. Die 
Beisetzung fand statt am 14. März, die Ueberführung 
erfolgte am Abend zuvor, und bald nach Mitternacht
	        

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