Full text: Hessenland (4.1890)

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unwahrscheinlich, daß er bereits eine geraume 
Zeit zuvor Konventuale des Hochstiftes war. 
Am 26. Januar 1510 wurde ihm die Propstei 
über das Benediktinerinnenkloster zu Rore im 
Hennebergischen übertragen. 1513 am Montag 
nach Trinitatis wurde er zum Dekan der 
Fuldaer Kirche erwählt und erhielt zugleich die 
Propstei auf dem Petersberge bei Fulda. Ein 
Jahr später verzichtete er auf sein Amt als 
Dekan und zog sich auf den Petersberg zurück. 
Im Jahre 1523 erhoben die Konventualen ihn 
zum zweiten Male zum Dekan des Hochstiftes 
Fulda. Wie lauge er die Würde des Dekans 
bekleidete, ist unbestimmt. Als er am 4. No 
vember 1531 zum Abte des hl. Kreuzklosters 
zu Limburg an der Haart (Rheinpfalz) erhoben 
wurde, war er jedoch nicht mehr Dekan, da er 
bei dem Berichte über seine Postulation sich 
selbst als „quondam decanus ecclesiae 
Fuldensis“ einführt. Im Jahre 1536 begab 
sich Apollo von Vilbel nach Fulda zurück, starb 
daselbst am 18. August desselben Jahres und 
wurde in der Kirche auf dem Petersberge, deren 
Propst er geblieben war, beerdigt. Nach 
Schannat, welcher ihm das Zeugniß eines vir 
rnatnri ingenii ac magnae apud omnes 
existimacionis giebt und von ihm sagt, daß er 
plenus rneritorurn gestorben sei, lautete die 
Grabschrift: 
Anno Domini MDXXXVI, 18. Augusti 
obiit R. D. Apollo de Vilbel abbas Limp. 
et huius monasterii praepositus, cuius 
anima requiescat in pace. — 
Die Zeit der Abfassung der Chronik fällt 
sicher nach dem Jahre 1531. Nach Rübsam 
dürfte die Vermuthung nicht ganz unbegründet 
sein, daß Apollo von Vilbel die Muße, welche 
ihm sein letzter Aufenthalt zu Fulda im Jahre 
1536 gewährte, dazu benutzt hat, seine Chronik 
daselbst zu schreiben. Das Manuskript der 
Chronik zerfällt in drei Theile. In dem ersten 
behandelt Apollo von Vilbel die Zeit des letzten 
und die Neige des vorletzten Decenniums des 
fünfzehnten, sowie den Anfang des sechzehnten 
Jahrhunderts bis zum Tode Ulrich's von Hutten 
(ff 1523). Es folgt dann ein aphoristisch ge 
haltener Exkurs, welcher der ruhmreichen Vor 
zeit des Hochstifts gewidmet ist. Hiernach wird 
mit der 1521 erfolgten Erhebung des Grafen 
Johannes von Henneberg zum Koadjutor des 
Hochstiftes die Erzählung wieder aufgenommen 
und bis zur Plünderung und Schändung der 
Kirchen auf dem Petersberge und Frauenberge 
durch die aufständischen Bauern am zweiten und 
dritten Ostertage des Jahres 1525 fortgeführt. 
Damit schließt die Chronik. „Es war eine Zeit 
allgemeiner Gährung, welche Apollo von Vilbel 
schildert, die Streitigkeiten Fuldas mit Hersfeld 
und mit der Wittwe des Landgrafen Wilhelm II. 
von Hessen, der Zwist des Abtes Hartmann von 
Kirchberg (1513—1521) mit dem Konvente, 
das Eindringen der Reformation im Hochstift, 
die Verwüstungen des Bauernaufstandes im 
Fuldaischen hat Apollo von Vilbel in seiner 
hervorragenden Stellung als Dekan der ecclesia 
maior, bezw. als Propst vom St. Petersberge 
mit erlebt und erschrieben". Gerade die letzte 
Schilderung der von den aufständischen Bauern 
verübten Greuel auf dem Petersberge und 
Frauenberge am zweiten und dritten Ostertage 
des Jahres 1525 ist für den von uns behandelten 
Gegenstand von besonderer Wichtigkeit. 
Wir wenden uns, nach dieser Abschweifung, 
wieder unserem Thema selbst zu. 
Im Anfange des 16. Jahrhunderts regierte 
zu Fulda als Abt: Johann II. von Henneberg; 
von diesem erzählt uns der Magister Cyriacus 
Spangenberg in seiner „Henneberger Chronik", 
daß er am 2. Juli 1439 am Tage visitationis 
Mariae geboren sei: „ein schönes freundliches 
junges Herrlin, so von Tag zu Tag an Verstand 
und Leibesstärke gewachsen und zugenommen und 
in seinen jungen Jahren ein fröhlich frisches 
Blut, allen Freuden und Uebungen im Tanzen, 
Springen, Singen, Fechten, Laufen und Stein 
stoßen zugethan: Von Gestalt braun, schöne von 
Angesicht, gerade von Leibe, schamhafftig in 
Sitten, tugendlich in Werken und allzeit be 
flissen, Frauen Hulde in Zucht und Ehren zu 
erwerben; war dabei wohl gewandert und hatte 
auch nicht übel studiret, ward Domherr zu Metz, 
Coeln, Trier u. s. w. Am 5. Mai 1472 nahm 
er den habitum monasticum an sich, legte die 
Kutten an und ließ sich beschären und ward ein 
andächtiger Benediktinermönch, ein ernster und 
strenger Mann. Er ist dem Stift Fulda 41 
Jahre lang als ein Abt ehrlich, trewlich, wohl 
und nützlich fürgestanden. 1507 nahm er mit 
Vorbewußt und Bewilligung des Kapitels zum 
Koadjutor den Domherrn zu Mainz, Hartmann, 
Burggraf von Kirchberg in Thüringen, an. der 
nach dem Tode jenes (1513) Abt wurde." Unter 
der Regierung dieses Fürsten brachen gar bald 
schon 1517 bedenkliche Streitigkeiten zwischen 
ihm und seinen Ständen aus, in Folge davon 
der Abt sich veranlaßt sah, „sich bei nechtlicher 
Weile aus seinem Schloße thun zu müßen". 
Der Abt führte nun Beschwerde beim Kaiser 
und in Folge der deshalb eingeleiteten Unter 
suchung fand auf dem Reichstage zu Worms 
1521 eine Schlichtung statt, daß der Abt den 
Großneffen seines Vorgängers Johann (Hl.) von 
Henneberg zu seinem Koadjutor ernannte und 
sich der eigentlichen Regierungshandlungen von
	        

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