Full text: Hessenland (4.1890)

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nach links die Lausitz gebreitet zeigte. Aber er 
meldete heimwärts „das ganze Land von dem 
schönen Bautzen bis hierher ist ein Paradies". 
Die Zeit der Waffenruhe wurde auf das 
Eifrigste von den Truppen benutzt, ihre Tüchtig 
keit zu heben; wie Napoleon hielten seine Unter 
feldherren häufig Besichtigungen ab, so auch 
Marschall Macdonald. Das 8. Regiment bezog 
am 18. Juli das Lager bei Kunzendorf am 
Bober, 1 Meile südlich von Bunzlau, das andere 
Regiment der westphälischen Brigade war heran 
gezogen; man hatte nur noch schwache Hoffnung 
auf Zustandekommen des Friedens, da eben 
Napoleon ihn nicht ernstlich wollte und bereitete 
den Wiederbeginn des Krieges vor. Der Still 
stand war bis zum 10. August verlängert worden. 
Der Marschall hielt am 1. August Truppen 
schau über die westphälische Brigade (31.) sprach der 
selben großes Lob aus und sagte den Befehls 
habern, diese Brigade sei die schönste in seinem 
Armeekorps; der Tagesbefehl des Feldherrn ver 
kündete den übrigen Truppen seines Armeekorps 
hohes Lob der Westphalen. General Lageon 
bemerkte außerdem gegen Bardeleben, das 8. Re 
giment habe in kurzer Zeit sehr große Fort 
schritte gemacht; es war dies eben die Zeit, 
während welcher er es führte. Am 2. August 
trafen 328 Rekruten bei dem Regimente ein, 
welche nothdürftig eingeübt waren, sie machten 
neue Arbeit nothwendig. Zudem hatte der 
Kommandeur in dieser Zeit die „Comptabilität" 
für die letzten drei Monate aufzustellen und saß 
an dieser wenig erquicklichen Arbeit 14 Tage 
lang mit 12 Sergeantmajors und 12 Fourieren 
der Kompagnien, bis er Abends aufathmen durfte. 
Als Napoleon den ihm als letzte Frist zu 
friedlichen Schritten gestellten 10. August un 
genützt verstreichen ließ, war die Eröffnung des 
Kampfes damit am 16. zu erwarten; jetzt trat 
aber noch Oesterreich zu seinen Feinden. Blücher 
mit dem schlesischen Heere eröffnete den blutigen 
Reigen, griff das Heer des Marschalls Ney an 
und drängte es von der Katzbach an den Bober 
zurück. Die Boberlinie wurde von drei Korps 
gehalten, darunter das Macdonald'sche; Napoleon 
eilte selbst auf die Nachricht von Ney's Unfällen 
von Dresden herbei um Blücher zurückzuwerfen. 
Doch nun drang das große Heer der Verbün 
deten aus Böhmen gegen Dresden, den Haupt 
punkt von des Kaisers militärischer Stellung, 
vor, er mußte von Blücher ablassen. Noch ge 
lang ihm der Sieg bei Dresden am 27. August, 
das böhmische Heer zog zurück; aber wo der 
Imperator nicht selbst war, traf Unheil seine 
Feldherren, so den Berlin bedrohenden Marschall 
Oudinot am 23. August bei Großbeeren und 
Macdonald am 26. August an der Katzbach. l 
Napoleon hatte ihm die Aufgabe gestellt, mit 
drei Armeekorps das schlesische Heer in Schach 
zu halten, welches vor den überlegenen Kräften des 
Kaisers soeben zurückgewichen war. Der Marschall 
verlor durch Mißverständniß einen Tag und 
betrieb dadurch die Verfolgung des schlesischen 
Heeres nicht kräftig genug; Blücher wandte sich 
um und bereitete dem französischen Heere an 
der.Katzbach und der wüthenden Neiße eine 
furchtbare Niederlage; starker Regen machte die 
Flüsse unüberschreitbar außer den Brücken, und 
die Verluste der Franzosen waren ungeheuer, 
Macdonald konnte mit seinem zerfetzten Heere 
das Feld nicht halten. Bardeleben berichtet 
über diesen kurzen Feldzug „bis zum 26. August 
Abends wurden die Russen und Preußen täglich 
geschlagen, allein nun änderte sich die Scene 
(die Schlacht begann um 3 Uhr Nachmittags) 
und wir wurden nach Noten geklopft; ich wurde 
mit meinem Bataillon und 20 neapolitanischen 
Chasseurs abgeschnitten, retirirte auf Löwenberg, 
allein dort konnte ich nicht über den Bober 
kommen, weil dieser durch den häufigen Regen 
sehr angeschwollen und die Brücke hinweg 
geschwemmt war. Hier wurde denselben Abend 
(29. August) eine ganze französische Division 
(Püthod) theils niedergehauen, theils gefangen, 
theils ins Wasser gesprengt. Ich hatte mich mit 
meinem Bataillon auf die Berge gesetzt, schloß 
mich die folgende Nacht an den in Unordnung 
retirirenden Rest der geschlagenen Armee an, 
kam so nach Bunzlau, welches eine Stunde nach 
uns von den Russen und Preußen angegriffen 
und genommen wurde (30. August), und ver 
einigte mich mit der westphälischen Brigade an 
diesem Tage zu Löwenberg. Heute (31. August) 
sind wir bis Lauban zurückgegangen, wo wir die 
Russen und Preußen erwarteten, jedoch sie nur 
von Ferne erblickten". Die Westphalen hatten 
in der Mitte der französischen Aufstellung ge 
kämpft, welche durch zwei Divisionen des 
11. Korps gebildet wurde und einen höchst 
schwierigen Stand hatte.. Unser Freund meldete 
am 31. August, auf dem Erdboden schreibend, 
der Gattin sein Geschick dieser schlimmen Tage, 
dabei daß er an ihrem Geburtstage (28.) sich in 
größter Gefahr befunden habe, mit seinem 
Bataillon gefangen zu werden. Es mag dieser 
Truppe übel genug ergangen sein, da auch alle 
Verpflegung aufhörte, aber sie blieb doch 
erhalten und in kriegerischer Verfassung, war 
unter den. letzten des Macdonald'schen Heeres, 
welche in besserem Zustande als ein großer 
Theil desselben über Bunzlau zurückgingen. 
Der Marschall bat noch am 2. September den 
Kaiser, persönlich den Geist seines geschlagenen 
Heeres aufzurichten und ihm wieder Haltung zu
        

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