Volltext: Hessenland (4.1890)

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feierlich aufgestellt wurden. Ueberhaupt wandte hier 
in Kassel — so entnehmen wir einem wohl von 
Herrn Museumsdirektor Dr. Pinder verfaßten Nekrolog 
der „Kaff. Allg. Ztg." —, sein Gemüth sich wieder 
mehr der heimischen Poesie zu, namentlich der ihm 
aus dem Grimmischen Hause so lieb gewordenen 
Märchenpoesie. Goethe's Fischer, die Gänsemagd, 
das Dornröschen, das Aschenbrödel, das Rothkäppchen 
und verwandte Gegenstände sind recht als Aus 
druck seines Gemüthslebens aufzufassen. Der 
Märchenfrau setzte er ihr Denkmal an dem 
Hause, wo einst die Brüder Grimm gewohnt 
in dem bekannten Rundrelief. Noch einen bedeut 
sameren Platz hatte er ihr zugedacht an dem Denkmal 
der Gebrüder Grimm, zu dem er eine Skizze ge 
fertigt hatte. Seine Vaterstadt hätte er gern mit 
einem öffentlichen Brunnen geschmückt gesehen, an 
welchem Kassels Straßentypen und hessische Landleute 
ihren Platz finden sollten. Er verstand es, das All 
tagsleben mit Poesie zu umkleiden. Vorgänge aus 
dem eigeuen Familienleben und ganze Märchenfolgen 
wurden in Mußestunden in Aquarell gemalt. Sein 
letztes kleines Merkchen ist eine kleine Idealfigur als 
Aufsatz auf eine Standuhr in dem Besitze seiner- 
treuen Gattin. Auf der Rückseite finden sich die 
wehmüthigen Worte: „Addio scultura! Lebwol Bild 
hauerkunst!" — Am 19. Februar verschied in seinem 
80. Lebensjahre nach schwerem Leiden zu Geismar 
bei Fritzlar der Pfarrer und Metropolitan a. D. 
Heinrich Wilhelm Altmüller. Von ihm 
stammen die Relief-Karten von Jerusalem und von 
Sinai und Golgatha, die im Jahre 1857 im Ver 
lage von Theodor Fischer in Kassel erschienen. — 
Am 21. Januar starb zu Kassel im Alter von 
79 Jahren der Major z. D. R. W. Duncker, 
früher Offizier im 2. kurhessischen Infanterie-Regiment. 
— Am 19. Februar starb nach längerem Leiden 
Lothar Gau, Sekretär bei der Landeskreditkasse 
in Kassel. Tief betrauert von seinen vielen 
Freunden und Bekannten, wurde der Verblichene den 
21. Februar beerdigt. Er war am 8. Dezember 
des Jahres 1827 als der älteste Sohn des Guts 
besitzers Gau auf dem Rittergut Hambach bei 
Lichtenau geboren. Im elterlichen Hause vom da 
maligen Kandidaten des Predigtamtes Ausfeld, 
einem Enkel Salzmanns, des Gründers der Er 
ziehungsanstalt in Schnepfenthal, unterrichtet, trat er im 
Herbst 1841 sehr gut vorbereitet in dieSekunda des Gym 
nasiums in Eisenach ein, wo er sich als talentvoller Schüler 
auszeichnete. Ostern 1846 bestand er das Matu- 
ritätsexamen in Marburg und studierte daselbst Jura 
und Kameralia. Hier war er ein sehr thätiges 
Mitglied des Korps Teutonia. Im Jahre 1848 
bezog er die Universität Göttingen, wo er in das 
Korps der Bremenser eintrat. Nach abgelegter 
Staatsprüfung im Oktober des Jahres 1851 war 
er von 1851 bis 1855 im Vorbereitungsdienst beim 
Amtsgericht in Lichtenau. Im Jahr 1856 wurde 
er am Landrathsamt in Kassel und 1866 als 
Sekretär an der Landeskreditkasse angestellt. Dem 
Dahingeschiedenen ist vom Geschick leider eine ein 
flußreiche Stellung im Staate nicht vergönnt ge 
wesen, zu welcher er durch große geistige Begabung 
und seinem praktischen Scharfblick befähigt war. — 
In dem Thierschutzverein war er, der große Pferde 
liebhaber, ein sehr schätzenswerthes, thätiges Mitglied. 
In geselligen Kreisen war er wegen feines Witzes 
und Humors (der ihn auch während seiner schmerz 
haften Krankheit nicht verließ) ein gern gesehener 
Gast und erfreute sich großer Beliebtheit. Die alten 
Herren des Korps Teutonia in Kassel haben an ihm 
einen hochgeschätzten Korps-Bruder und die sogenannten 
„Weisen" (deren Verein Pflege des Humors und 
langer treuer Kameradschaft zum Zweck hat) einen 
alten, treuen und liebenswürdigen Freund verloren. 
Ehre seinem Andenken. H. S. 
— Am 23. Februar verschied zu Kastei im Alter 
von 79 Jahren der Sanitätsrath Dr. Julins 
Schütte. — Am 1. März starb zu Bonn a/Rh. 
nach kurzem Leiden der Konsistorial - Präsident und 
Professor der Theologie Dr. Wilhelm Mangold 
im 65. Lebensjahre. Nekrolog folgt in nächster Nummer. 
Briefkasten. 
0. K. Kassel. Wir danken verbindlichst für die beiden 
Zusendungen, die sehr erwünscht kamen und in der nächsten 
Nummer benutzt werden sollen. 
F. S. Kassel. Kam leider zu spät , um noch in dieser 
Nummer zum Abdrucke gelangen zu können. Der Gedanke 
ist recht gut. Freundlichster Gruß. 
E. W. Kassel. Erhalten. Mußte für später zurückgestellt 
werden. 
0. K. Hannover. Kann erst in einer der nächsten 
Nummern veröffentlicht werden. Wir bitten die Verzögerung 
zu entschuldigen. 
K. P. Wächtersbach. Besten Dank für Zusendung und 
Mittheilung, die wir nicht unbeachtet lassen werden. 
Nächstens erhalten Sie ein Seitenstück zu dem bereits 
übersandten Zeitungs-Ausschnitte. 
L. M. Eschwege. Es freut uns, daß Sie unserem 
Wunsche entsprochen haben. Brieflich mehr. 
0. N. Leipzig. Zhr Anerbieten nehmen wir dankbar 
an. Herzlichen Gruß. 
Zum Abonnement ans das 2. Quartal unserer 
Zeitschrift „Hessenland" laden ergebenst ein 
Kassel, im März 1890. RedaKKo« Mid 
Herausgeber und verantwortlicher Redakteur: F. Zwenger in Fulda, Druck und Verlag von Friedr. Scheel in Kassel.
        

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