Full text: Hessenland (4.1890)

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seine Jäger nach kurzem Gefechte zurückgehen 
lassen und erreichte mit ihnen glücklich Princeton. 
Die übrigen Hessen, welche ebenfalls der Ge 
fangenschaft entkommen waren, es waren un 
gefähr 400 Mann, gelangten theils ebenfalls 
dorthin, theils nach Bordenton zu Donops 
Brigade. — 
Der ganze Kampf hatte kaum 2 Stunden ge 
dauert. Furchtbar hatte Oberst Rall seinen Leicht 
sinn büßen müssen. Tödtlich verwundet überreichte 
er, von zweien seiner Korporale gestützt, dem 
herantretenden Washington den Degen, der einst 
der Schrecken der Rebellen gewesen war. Der 
siegreiche Feldherr bezeigte ihm seine aufrichtige 
Theilnahme über diese Schicksalswendung und 
versprach ihm auf sein Bitten, die Gefangenen 
mit Schonung zu behandeln. Rall starb noch 
am selben Tage im Hause eines Quäkers, dem 
er von Washington anvertraut worden war. 
„Noch in seiner Todesstunde dachte er an seine 
Grenadiere und bat Washington, daß er ihnen 
nichts möge abnehmen lassen, außer den Waffen," 
so erzählt Korporal Reuber vom Regiment Rall 
in seinem Tagebuch. 
So sühnte Rall durch seinen Heldentod das 
Unglück, das sein Leichtsinn verschuldet hatte. 
Er starb frohen Muthes darüber, daß er seine 
Ehre nicht zu überleben brauchte. Wenn man 
auch seine, des Feldherrn, Handlungsweise nicht 
entschuldigen kann, so muß man doch den kühnen, 
tapfern Soldaten in ihm ehren. — 
Außer Rall hatte, wie bereits erwähnt, auch 
der brave Major von Dechow die Todeswunde 
empfangen. Er starb nach wenigen Tagen in 
Trenton. Von außerdem gefallenen Offizieren 
nennen wir noch den Major von Haustein, die 
Kapitains von Benning und Riese, sowie 
Lieutenant Kimm. Alle Stabsoffiziere und die 
meisten übrigen Offiziere waren zum Theil 
schwer verwundet. Der Gesammtverlust der 
Hessen betrug überhaupt: 17 Todte und 78 
Verwundete. In Gefangenschaft geriethen 868 
Mann, darunter über 30 Offiziere, dazu hatte 
der Feind noch 15 hessische Fahnen') und 6 
Kanonen erbeutet. Entkommen waren außer 
den Jägern und Dragonern 398 Mann von 
der Rall'schen Brigade. — 
Das war der Tag von Trenton, der so un 
selige Folgen haben sollte für den weiteren Ver 
lauf des Krieges. — 
Landgraf Friedrich II. erhielt die erste Nach 
richt von dem Unglücke durch einen Rapport des 
Generals von Heister vom 5. Januar 1777. 
Er war sehr erbittert über das Geschehene und 
schrieb in Bezug hierauf an die Generale von 
Heister und von Knyphausen am 7. April 1777: 
„Es gereicht dieser Verlust von so vielen ge 
schloffenen Regimentern mit ihren Fahnen 
„und vier Kanons Meinen Truppen zum 
„ewigen Vorwurf .... Gewohnt, wie Ich 
„bin, die Ehre Meiner Truppen über Alles 
„zu schätzen, konnte ich keine empfindlichere 
„und unglücklichere Nachricht erhalten, als die, 
„daß Ich bei Trenton drei Regimenter, diese 
„aber in einem unglücklichen Augenblick eine 
„wohlerworbene und lange behauptete Re- 
„putation verloren .... Ich lebe der 
„festen Hoffnung, daß der Herr General- 
„lieutenant, durchdrungen, wie Ich bin, von 
„dem großen Schmerze über einen solchen 
„Schandfleck, und nach der unumgänglichsten 
„Nothwendigkeit, solchen auszulöschen, sich nicht 
„beruhigen werde, bis Meine Truppen durch 
„eine Menge von rühmlichen Thaten das An- 
„denken dieser unglückseligen Begebenheit 
„ersticket." 
Der Landgraf bestimmte auch, daß die Regi 
menter niemals wieder Fahnen bekommen soll 
ten, wenn sie nicht deren eben soviel vom Feinde 
erbeuteten, als sie verloren hatten. Er ordnete 
auch eine genaue Untersuchung des Falles an 
und befahl, daß die Offiziere gleich nach ihrer 
Auswechselung streng verhört und vor ein Kriegs 
gericht gestellt würden. Dasselbe fand am 
11. Januar 1778 zu Newyork statt, jedoch wur 
den die Offiziere sämmtlich freigesprochen, weil 
— wie die Begründung des Urtheils lautet — 
„die Lage bei Trenton so gewesen sei, daß sie 
sich Hütten ergeben müssen." — 
Was des Landgrafen Entrüstung über das 
Benehmen der Regimenter, und was die schwere 
Strafe der Fahnenentziehung, welche er über sie 
verhängte, anlangt, so sind dieselben nach dem 
oben Erzählten wohl etwas ungerechtfertigt. 
Landgraf Friedrich schreibt aber auch in dem 
bereits oben genannten Brief vom 7. April 1777 
an von Knyphausen: „Die eigentlichen Umstände 
dieses Schimpfes sind Mir noch zur Zeit unbe 
kannt." — Man kann wirklich den hessischen 
Soldaten selbst gar keinen Vorwurf machen. 
Ihr braves Benehmen wird einstimmig von 
Freund und Feind anerkannt, und nach Aussage 
der Amerikaner haben sie sich wie Löwen ge 
schlagen. Bei einer besseren Führung wären sie 
wohl auch sicher dem schlimmen Loos der Ge 
fangenschaft entgangen, das ihnen nun bevor 
stand. 
Noch am selben Tage, den 25. December 1776, 
wurden sie bei Johnsons Fähre über den 
Delaware gesetzt und nach Newtown in Penn- 
sylvanien gebracht. Nach einigen Tagen ging 
der Marsch weiter nach Philadelphia. Washing 
0 Damals hatte jede Kompagnie ihre eigene Fahne.
        

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