Full text: Hessenland (4.1890)

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Karl Finck wurde zu Kassel am 22. September 
1814 als Sohn des gleichnamigen Registrators beim 
Obergericht geboren. Der Vater unterstützte die Be 
gabung des Sohnes und führte ihn der Kasseler 
Akademie der bildenden Künste zu, auf welcher der 
jugendliche Schüler so bedeutende Fortschritte machte, 
daß ihm die silberne und goldene Medaille als Preise 
für vorzüglich gelöste perspektivische Aufgaben zu 
erkannt wurden. Nach seinem Abgänge von der 
Akademie begab sich Finck nach Italien, wo zahlreiche 
treffliche Gemälde der eisernen Schaffenskraft des 
Künstlers ihr Entstehen verdankten. Aber nicht nur 
dem Pinsel war der ewig blaue Himmel des Landes, 
nach dessen Herrlichkeit Karl Finck sich noch in alten 
-Tagen sehnte, hold — auch der Feder; Schrift 
stellerei ging von nun an Hand in Hand mit Malerei. 
Neben prächtigen Staffeleibildern, Architekturstücken 
u. s. w., die in Italien wie Deutschland hohe An 
erkennung fanden, entstanden Epigramme, Distichen, 
Sonette und viele sonstige formvollendete Gedichte, deren 
spätere Veröffentlichung volle Anerkennung fand. Nach 
seiner Rückkehr aus Italien nahm Finck eine Stellung 
als Dekorationsmaler am Friedrich-Wilhelmstädtischen 
Theater in Berlin an, von wo er dann an das 
Königl. Theater in Hannover berufen wurde. Erst 
im Jahre 1869 kehrte Finck nach Kassel zurück und 
wirkte hier zunächst als geschätzter Zeichenlehrer an 
der Gewerbeschule, dann bis zu seinem Tode als 
Zeichenlehrer an der höheren Mädchenschule. Wohl 
aus dieser neuen Thätigkeit ging ein wissenschaftliches 
Werk hervor: „Die geometrische Konstruktion und 
Farbengebung des Flachornaments", welches von Fach 
genoffen sehr günstig beurtheilt wurde. 
Mit besonderer Vorliebe malte Finck Katzen. Nichts 
war natürlicher, als daß er sich mit dem Leben 
dieser Thiere eingehend beschäftigte. Oft hielt er 
sich ganze Katzenfamitien in seiner Wohnung und 
beobachtete Lebensart und Wesen der Thiere. Nicht 
nur zahlreiche Thierstücke waren die Frucht dieser 
genauen Beobachtungen, auch ein kleines Werk „Das 
Leben unserer Hauskatze" entstand in Folge dieser 
Studien. Die Finck'schen Katzenbilder sind in ganz 
Deutschland und im Ausland verstreut, die Mehrzahl 
befindet sich im Besitze hessischer Kunstliebhaber. 
Das tiefe Eindringen in das Seelenleben der 
Thiere gab auch die Veranlassung zu Fincks be 
deutendstem Werke, seinen „Fabeln" (Kassel bei 
F. Keßler). Die Fabel, diese in neuerer Zeit wenig 
oder gar nicht berücksichtigte Dichtungsart, erhielt, 
durch ihn neues Leben. Gelegentlich einer Besprechung 
der Finck'schen „Fabeln" in Nr. 6 des „Heffenland" 
(1888) heißt es: Die von Grimm nicht mit Unrecht 
gerügten Unschönheilen der früheren Fabeldichtungen 
verstand Karl Finck in seinen „Fabeln" geschickt zu 
vermeiden. Karl Finck zuerst gelang es, in der 
Fabel ein klares Gedankengewebe mit tief poetischem 
Ausdrucke zu verbinden. Wie nicht anders zu er 
warten, fand diese Dichtungsweise Fincks vor allem in 
den ersten literarischen Zeitschriften Deutschlands An 
erkennung, zumal durch dieselbe eine in der Literatur 
entstandene Lücke ausgefüllt wurde." 
Noch ein zweiter Band „Fabeln" ist im dichterischen 
Nachlasse Finck's vorhanden; es wäre sehr zu wünschen, 
daß auch dieser möglichst bald der Oeffentlichkeit über 
geben würde. 
Unsere Zeitschrift „Heffenland" verliert viel an 
dem Entschlafenen. Geistig frisch in seinem hohen 
Alter hat er dieselbe in den 3 Jahren ihres Be 
stehens durch Zusendung schöner Dichtungen unter 
stützt. Wer den Verschiedenen näher gekannt, weiß, 
daß ein edler Mensch dahin gegangen ist, ein Mann, 
der nur dem Hehrsten in der Kunst sein Leben ge 
weiht, dessen Andenken daher dauernd ein ehrenvolles 
sein wird. Er ruhe in Frieden! I. Lr. 
Briefkasten. 
Dr. L. F. Jnowrazlaw. Ihrem Wunsche gemäß an 
Herrn 0. ?. zu dem angegebenen Zwecke gesandt. 
0. K. Bergen. Schicken Sie nur den Aufsatz ein, wir 
werden Ihnen dann unsere Entschließung brieflich mit 
theilen. 
Ph. L. Marburg. Konnte in diese Nummer noch nicht 
aufgenommen werden, der Abdruck wird jedoch sobald als 
möglich erfolgen. 
Th. R. Oberkaufungen. Mit großem Interesse gelesen. 
Die vortreffliche Schilderung, welche uns die ganze Persön 
lichkeit des leider zu früh verstorbenen Verfassers wieder 
lebhaft vor Augen führte, ist jedoch zu umfangreich, um 
bei dem beschränkten Raume unserer Zeitschrift vollständig 
gebracht werden zu können, gekürzt würde sie aber an 
Werth verlieren. Freundlichsten Gruß. 
W. H. in St. Kommt in einer der nächsten Nummern 
zum Abdruck. Besten Dank. 
Dr. 0. M. und P. W. Leipzig. Wie Sie sehen, benutzt. 
Derartige Notizen sind stets erwünscht, sprechen Ihnen 
daher unseren verbindlichsten Dank aus. Freundlichste 
Grüße. 
K. M. und M. E. Kassel. Sie erhalten in dem Brief 
kasten der nächsten Nummer Antwort. 
Inhalt der Nummer 4 des „Hessenland": „Dein 
Lied", Gedicht von D. Saul; „Albrecht Christian 
Ludwig von Bardeleben. Kurfürstlich Hessischer Ge 
nerallieutenant, 1777—1856", ein Erinnerungsblatt von 
Carl von Stamford, III. Westphalen 1808—1811 (Forts.); 
„Trenton", eine histor. Skizzev. Philipp Seb. Schol Forts.; 
„Rümmer Dreizehn", eine Dorfgeschichte aus Niederhessen, 
dem Leben nacherzählt von A. Weidenmüller (Fortsetzung); 
„Der Blumen Geister", Gedicht von Carl Weber; „Das 
Haus von Ludwig Spohr", Gedicht von O. Siebert; Aus 
alter und neuer Zeit: „Cyriacus Spangenberg"; „Son- 
derlichkeiten eines Kasseler Gelehrten", „Bestellung eines 
landgräflichen Hofmalers im Jahre 1580"; Aus Heimath 
und Fremde: „Jubiläum des Professors Dr. Ludwig in 
Leipzig", „Henschel's Fabrik, 3000. Lokomotive", Nekrolog 
Grandidier's, Nekrolog Karl Finck's, Brieflasten. 
Herausgeber und verantwortlicher Redakteur: F. Zwenger in Fulda, Druck und Verlag von Friedr. Scheel in Kassel.
	        

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