Full text: Hessenland (4.1890)

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Sonderlichkeiten eines Kasseler Gelehr 
ten. Zu den angesehensten hessischen Juristen in der 
zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts gehörten drei 
Glieder der Familie Kopp, Vater, Sohn und Enkel. 
Der erstere, Joh. Adam Kopp, geboren am 22. 
März 1698 zu Offenbach, war Vicekanzler der 
Marburger Universität und dessen am 26. April 
1728 geborener Sohn Karl Philipp wurde Ge 
heimer Rath und Direktor des Kasseler Oberappel 
lationsgerichts. Dieser hat sich durch Herausgabe 
der in den Jahren 1769 u. 70 erschienenen Schrift 
„Ausführliche Nachricht von der älteren und neueren 
Verfassung der Geistlichen- und Civil-Gerichte in den 
Fürstlich hessischen Landen" ein anerkannt großes 
Verdienst um die hessische Rrchtsgeschichte erworben. 
Einen noch bedeutenderen Ruf auf historisch-juristischem 
Gebiete erlangte dessen am 18. März 1762 zu Kassel 
geborener Sohn Ulrich Friedrich Kopp. Nach 
Vollendung seiner juristischen Studien wurde er 
Assessor bei der Regierung in Kassel, 1802 Direktor 
des Hofarchivs und 1803 Geheimer Kabinetsrath. 
Doch schon im folgenden Jahre verließ er in Folge 
einer Differenz mit seinem Landesherrn, dem Kurfürsten 
Wilhelm I., den hessischen Staatsdienst und zog nach 
Heidelberg, wo er im Jahre 1808 zum Ehrenpro 
fessor ernannt wurde. Durch seinen jovialen Verkehr 
mit den Studenten war er hier bei diesen sehr be 
liebt, fand aber für seine Vorlesungen über Diplo 
matik und Heraldik, namentlich wegen seines zu 
öffentlichem Vortrage ungeeigneten Sprachorgans 
so wenig Hörer, daß er seine Profeffur aufgab und 
sich nach Mannheim ins Privatleben zurückzog. 
In Kassel hatte er im Jahre 1796 die Heraus 
gabe seines bekanntesten Werkes: „Handbuch zur 
Kenntniß der hessischen Landesverfassung und Rechte" 
in alphabetischer Ordnung begonnen, welches von Dr. 
Karl Friedrich Wittich ergänzt wurde, in Mannheim 
beschäftigte er sich ausschließlich mit paläographischen 
Studien, als dessen Frucht seine Palaeographia 
critica erschien. Im Jahre 1834 am 26. März 
ereilte ihn der Tod in Marburg auf einer zum Be 
suche Karl Friedrich Hermanns dorthin unternommenen 
Reise. 
In Kassel hatte Kopp nach den Aufzeichnungen 
eines Zeitgenossen zu den bekanntesten Persönlichkeiten 
der Stadt gehört. Der Grund dafür habe einmal 
in seinem scherzhaften, vertraulichen Verkehr mit dem 
Volke gelegen, wodurch er sich von andern Gelehrten 
und hohen Staatsbeamten sehr unterschieden habe, 
namentlich aber in seiner höchst auffälligen Kleidung. 
Wenn er nicht genöthigt gewesen, in Uniform mit 
langem Zopfe zu erscheinen, habe man ihn stets mit 
einer kurzen, dolmanähnlichen Reitjacke, gelbledernen 
Reithosen und halbhohen Reitstiefeln, auf dem Kopfe 
eine Beutelmütze tragend, bekleidet gesehen. Als Feind 
des Zopfes habe er diesen dann ganz klein und unter 
dem Kragen der Reiljacke versteckt getragen. 
Die Veranlassung zu der auffallenden Tracht habe 
ihm seine Leidenschaft für das Reiten gegeben. Zu 
weilen habe man ihn auch auf seinem ungesattelten 
Schimmel daher kommen sehen. Wenn er nach an 
greifenden Studien das Bedürfniß nach Bewegung 
im Freien gefühlt, habe er sich öfters nicht die Zeit 
genommen, erst seinen Diener zum Satteln des 
Pferdes herbei zu rufen. W. A.-A. 
Bestellung eines landgräflichen Hof 
malers im Jahre 1 5 80. In diesem Jahre be 
stellte Wilhelm IV. L. v. H. seinen „sieben Getreuen 
Christoffel Josten zu seinem Hofmahler und Diener 
dergestaldt, das er alle dasjehnige, so wir ihme In 
der zeitt zu mahlen ufferlegen und bevehlen werden, 
treues vleißes nach seinem besten vermögen und ver 
staubt, auch fein förmblich sauber undt bestendlich 
mahlen nnd verfertigen soll". 
Als Lohn wird ihm ausgesetzt: 
„Die gewöhnliche Hoffkleidung des Jahres ein 
mahl, desgleichen, wenn er mahlen und in unser 
arbeitt sein wirdt, zu Wochenlohn einen Thaler und 
seinem Jungen einen halben Thaler und dann vor 
die Cost zu Hoff einen Thaler wöchentlich geben und 
Endtrichten lassen." Il.-ck- 
Aus Heimath und Fremde. 
Am 31. Januar feierte zu Leipzig unser hessischer 
Landsmann, der berühmte Physiologe Geheimer 
Hofrath Dr. med. Karl Friedrich Wilhelm Ludwig 
das 25jährige Jubiläum als Professor an der dor 
tigen Universität. Vor einem Vierteljahrhundert war 
er von Wien nach Leipzig berufen worden und hatte 
hier, wie früher in Marburg, Zürich und Wien mit 
den ersprießlichsten Erfolgen eine Thätigkeit von weit 
gehendster Bedeutung auf dem Gebiete der physio 
logischen Wissenschaft entfaltet. Mit schöpferischem 
Geiste und unablässigem Forschersinn ausgerüstet, 
hat er durch seine Untersuchungen und Entdeckungen 
geradezu bahnbrechend gewirkt. Er zählt zu den 
hervorragendsten Physiologen unserer Zeit. Das 
Leipziger physiologische Institut, das nach seinen An 
gaben eingerichtet wurde, ist das erste physiologische 
Laboratorium größeren Stils nicht nur in Deutsch 
land, sondern in der Welt gewesen, und in seinen 
Einrichtungen, in den Arbeiten, die aus ihm hervor 
gehen, ist es heute noch ein Vorbild für alle anderen 
Unternehmungen ähnlicher Art. Kann es da Wunder 
nehmen, daß Staat, Universität, die Kollegen des 
Jubilars, wie dessen Schüler und nicht minder die 
Stadt Leipzig selbst, darin wetteiferten, den Ehren 
tag des hochverdienten Gelehrten auf das Feierlichste
	        

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