Full text: Hessenland (4.1890)

53 
Aussehen gemacht hat. Und darum thut es 
ihm wohl und weh zugleich, als der Rittmeister 
rasch eintretend, ihm freundlich die Hand reicht 
und mit seiner tiefen Stimme sagt: „Fehlt 
ihnen etwas Mai? Mich dünkt, Sie sahen 
früher fröhlicher aus den Augen. Aber Sie 
sollen mir jetzt schon lachen. Haben Sie das 
Loos noch, das ich Ihnen vor vier Wochen 
schenkte? Nummer dreizehn, nicht wahr?" „Zu 
Befehl, ja, Herr Rittmeister". 
(Schluß folgt.) 
Der Bturnen Geister. 
Blumen an den Fensterscheiben 
Seh' ich oft in kalten Tagen 
Wenn des Winters rauhe Lüfte 
Sie gebracht mit ihren Plagen. 
Habe oft mich wohl gefraget, 
Was die Blumen nur bedeuten, 
Die an meinen Fenstern glitzern 
Ob zur Mahnung, ob zu Freuden? 
Habe hin und her gesonnen, 
Endlich glaub ich es zu wissen: 
Geister sind es jener Blumen, 
Die der Menschen Hand zerrissen. 
All' die lieben kleinen Wesen, 
All' die zarten Frühlingskinder, 
Seh' ich nun als Geister wieder 
In dem rauhen, kalten Winter. 
Karl Weber. 
Das Haus des am 22. Oktober 1859 
gestorbenen Hof-Kapellmeisters Kouis 
Kpohr i« Kastei. 
Zwischen hohen, grünen Bäumen 
Lugt ein stilles Haus hervor, 
Wo in traulichlieben Räumen 
Lebte vormals unser Spohr. 
Hier in rastlos regem Strebe,: 
Hat der Meister, Ruhmes voll. 
Lang gewirkt, der Kunst ergeben, 
Hochbegeistert von Apoll; 
Setzte Bühnensang und Lieder 
In Musik, im Schaffensdrang, 
Und im Hause tönten wieder 
Geigenspiel und Harfenklang. 
Aber lange schon verschwunden 
Ist aus ihm die frohe Zeit; 
Mit dem Meister sind entschwunden 
Glück und Freude, Herrlichkeit. 
Nicht mehr aus dem Hause schallen 
Geige, Harfe, noch Klavier; 
Nicht mehr sieht man Schüler wallen 
Nach dem Musentempel hier; 
Nicht mehr gehen hier die Scharen 
Der Verehrer ein und aus; 
Still, verödet schon seit Jahren 
Steht im Garten nun das Haus. 
Aber im Vorübergehen , 
Schau'n nach ihm noch die zur Zeit, 
Die den Künstler noch gesehen 
Einst in voller Thätigkeit. 
Von der Arbeit, seinem Streben 
Ruht er am geweihten Ort; 
Aber seine Werke leben 
Bei der Nachwelt fort und fort! 
H. Sievert. 
Aus alter und neuer Zeit. 
Cyriacus Spangenberg. Am 10. Februar 
sind 286 Jahre verflossen, seit der 1528 zu Nord 
hausen geborene Cyriacus Spangenberg verstorben ist. 
Für uns Hessen hat dieser geschätzte Theologe und 
Historiker hauptsächlich durchseinen 1591 in Schmal 
kalden erschienenen trefflichen „Adelsspiegel- und durch 
seine 1599 zu Straßburg herausgegebene „Henne- 
berg'sche Chronica- Bedeutung. Von Schlitz aus, 
wo er Pfarrer war, berief ihn Landgraf Wilhelm IV. 
nach Vacha. Von dort zog er 1595 nach "Straßburg, 
woselbst er 1604 verstarb. 
Wie Wolfgang Menzel im 2. Band seiner ^Ge 
schichte der Deutschen- berichtet, entkam C. Spangen 
berg als eifriger Anhänger des Mathias Flacius 
Jllyricus aus Halle der Verfolgung der Philippisten, 
bei welcher alle Flacianer, nicht weniger als 111 
Prediger — M. Flacius Jllyricus selbst starb zu 
Frankfurt a. M. im Elend — 1573 vertrieben 
wurden, nur dadurch, daß er sich als Hebamme ver 
kleidete, während seine ganze Gemeinde in Fesseln 
auf den Giebichenstein geschleppt wurde. K. S.
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.