Volltext: Hessenland (4.1890)

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zurückgekehrt, die meisten übrigen hatten keinen 
größeren Wunsch als dasselbe zu thun. Nur 
eine so kluge und umsichtige Persönlichkeit, wie 
Washington vermochte da noch der amerikanischen 
Sache zu Helsen. Durch eine Solderhöhung von 
25% und viele Versprechungen fesselte er den 
Rest seines Heeres an sich und suchte auf jede 
Art und Weise ihren Muth zu heben. Das 
beste Mittel hierzu schien ihm ein siegreicher 
Ueberfall des Feindes zu sein, den er und der 
Brigademajor Wilkinson schon lange geplant 
hatten. Mit scharfem Blick erkannte er die gefähr 
liche Lage der Hessen in Trenton und bemerkte 
mit Zufriedenheit die Sorglosigkeit ihres An 
führers. Er suchte den General Gates, der einen 
Theil der amerikanischen Truppen befehligte, zur 
Theilnahme an dem geplanten Unternehmen zu 
gewinnen. Dieser aber, eifersüchtig auf Washing 
ton, machte Ausflüchte und lehnte es ab, gemein 
sam mit ihm zu operiren. So blieben ihm nur 
ungefähr 6000 Mann für das Unternehmen zur 
Verfügung, immerhin viermal soviel als die 
Truppen Ralls. Sein Plan war' folgender 
maßen: Der Angriff sollte in der Nacht vom 
24/25 Dez. und zwar von 3 Seiten aus statt 
finden. Washington selbst wollte mit 2500 Mann 
und 20 Geschützen in der Frühe des Christ 
morgens bei Mc Konkeys Fähre (jetzt Taylors- 
ville) ungefähr 9 englische Meilen oberhalb 
Trentons den Delaware überschreiten und von 
Norden aus den Hauptangriff gegen Rall unter 
nehmen. Zugleich sollte General Ewing mit 
einem Detachement pennsylvanischer Miliz eine 
Meile unterhalb Trentons über den Creek gehen, 
die Brücke über den Assunpink besetzen und so 
den Hessen den Rückzug abschneiden. Die dritte 
Abtheilung unter den Generalen Putnam, welcher 
gerade Philadelphia befestigte, und Cadwalader 
sollte unterhalb Burlingtons übergehen, den 
Obersten von Donop beschäftigen und ihn ver 
hindern seinen Landsleuten zu Hilfe zu kommen. 
Dieser Plan konnte jedoch, wie wir gleich 
vorausschicken wollen, nicht in allen seinen Theilen 
ausgeführt werden. General Ewing wurde durch 
das Eis verhindert überhaupt den Fluß zu über 
schreiten und General Putnam detachirte nur 
5—600 pennsylvanischer Miliz unter dem Obersten 
Griffin über den Fluß, da ihn ein drohender 
Aufstand in Philadelphia hinderte, mehr Truppen 
aus der Stadt zu entfernen. 
Nur Washington führte seinen Theil des 
Unternehmens dem Plan gemäß durch. In der 
Christnacht überschritt er mit seinen Truppen 
begleitet von den Generälen Greene. Sullivan, 
Mercer, Stephen, Lord Stirling auf Booten 
und Kähnen den Fluß. Die Ueberfahrt der 
Geschütze machte große Schwierigkeiten und ver 
ursachte eine Verzögerung, so daß die Truppen 
erst nach 3 Uhr Morgens ihren Marsch antreten 
konnten. Die Nacht war sehr kalt und stürmisch. 
Gegen Morgen fing es stark an zu schneien und 
zu regnen, ein Umstand, der zwar für den Marsch 
nicht günstig war, aber den Angreifern später sehr 
zustatten kam. Washington theilte seine Truppen 
in zwei Theile. Der eine, von ihm selbst und den 
Generälen Greene, Stirling, Mercer, und Stephen 
befehligt, sollte einen Bogen beschreiben und von 
Norden, von der Benningtoner Straße aus 
Trenton angreifen. Der andere Theil unter 
General Sullivan sollte am Fluß entlang mar- 
schiren und von Westen angreifen. Damit der 
Angriff zu gleicher Zeit stattfinde, hatte Sullivan 
der den kürzeren Weg hatte, den Auftrag, eine 
Weile an einem Kreuzweg zu halten, damit 
Washington Zeit habe seinen Marsch zu voll 
enden. — 
Doch wir wollen uns nun wieder zurück zu 
unsern Landsleuten wenden. Wir haben schon 
oben erwähnt, daß Oberst Rall mehrfache War 
nungen erhalten hatte. Zuletzt hatte der britische 
General Grant aus Princeton ihm eine Nachricht 
von dem beabsichtigten Ueberfall gesandt, die 
derselbe wohl von Ueberläufern erhalten hatte. 
Es hieß darin nur: Lord Stirling werde Nachts 
mit einem starken Detachement die Hessen an 
greifen. Diese Nachricht kantete so^ bestimmt, 
daß Rall doch etwas mehr auf seiner Hut war, 
als gewöhnlich. Wir haben oben schon einer 
Patrouille Erwähnung gethan, die er am 24. 
unter Major Matthäus und Kapitain Steding 
in derRichtungnachBenningtonundJohnsonsferry 
marschiren ließ. Man konnte jedoch auf dem 
diesseitigen Ufer nichts vom Feinde, entdecken. 
Am Abend desselben Tages wurde Plötzlich der 
im Norden stehende Außenposten von einer Ab 
theilung der Rebellen, die aus dem Walde kam, 
angegriffen. Bei dem sich entspinnenden Gefecht 
erlitten die Hessen einen Verlust von 6 Ver 
wundeten. Unterdessen war sogleich die ganze 
Besatzung allarmirt worden. Rall vermuthete, 
daß dies der von Grant gemeldete Angriff sei. 
Die Amerikaner zogen sich jedoch nach kurzem 
Kampfe wieder zurück. Rall ließ sie von einer 
Abtheilung von 30 Mann unter einem Fähnrich 
verfolgen; die jedoch nach kurzer Zeit wieder 
zurückgerufen wurden. Der Außenposten wurde 
darauf durch 1 Offizier mit 10 Mann verstärkt. 
Da der Oberst jetzt glaubte, den ihm von Grant 
gemeldeten Angriff abgeschlagen zu haben, so 
gab er sich dem Gefühle völliger Sicherheit hin, 
und sorglos verbrachte er den weiteren Abend 
in einer Gesellschaft, im frohen Kreise von Zech- 
genossen, mit denen er der Flasche eifrig zu 
sprach. —
        

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