Full text: Hessenland (4.1890)

in Fulda, Druck und Verlag von Friedr. Scheel in Kassel. 
Herausgeber und verantwortlicher Redakteur: F. Zwenger 
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Aus Heimath und Fremde. 
Prinz Wilhelm von Hessen f. Am 
17. Januar verschied zu Rotenburg a. F. in 
dem Schlosse des ehemaligen Landgrafen von Hefsen- 
Rotenburg Rheinfels, der Prinz Wilhelm Friedrich 
Ernst von Hessen-Philippsthal-Barchfeld, 
der jüngere Bruder des Landgrafen Alexis von Heffen- 
Philippsthal-Barchfeld. Wir entnehmen den „Hessi 
schen Blättern- folgende biographische Mittheilungen 
über den Verblichenen. Prinz Wilhelm von Hessen- 
PhilipPsthaOBarchfeld war am 3. Oktober 1831 zu 
Burgsteinfurt als der Sohn des Landgrafen Karl 
von Hessen-Philippsthal-Barchfeld (f 1854) und der 
Prinzessin Sophie von Bentheim - Bentheim und 
Bentheim-Steinfurt (-j- 1873) geboren, hat also nur 
ein Alter von 58 Jahren erreicht. Seine militärische 
Laufbahn begann er als Seekadet in Kgl. dänischen 
Diensten, trat jedoch schon 1848 als Volontär- 
Lieutenant in die Kgl. englische Marine, in welcher 
Stellung er auf der „Cleopatra- große Seereisen 
nach Indien und verschiedene kriegerische Unter 
nehmungen mitmachte. Unter denselben find die 
Expeditionen gegen die Piraten in China (1850), 
der Birmanenkrieg (1851), die Expedition gegen 
die Piraten an der Küste von Borneo (1852), sowie 
diejenige gegen die Piraten an der Küste von Afrika 
(1853) zu erwähnen. Im Jahre 1853 ging der 
Prinz in die preußische Kriegsmarine über, in welcher 
er vier Jahre später Kapitän zur See wurde. Im 
Jahre 1860 nahm er seinen Abschied aus dieser 
Stellung mit dem Vorbehalte des Wiedereintritts für 
den Fall des Krieges und erhielt am 22. März 
1864 die Charge als preußischer Kontre-Admiral 
a. D. Bei Ausbruch des deutsch-französischen Krieges 
im Juli 1870 stellte er sich dem preußischen General- 
Gouvernement der Küstenlande zur Verfügung und 
that bis zum Friedensschlüsse mit Frankreich im März 
1871 auf hannöverschem Gebiete Dienste. Im Juni 
1872 wurde er zu den Offizieren ä la suite der 
deutschen Marine versetzt. Es ist bekannt, daß er 
in den 1879 beginnenden, 1681 beendeten, Ver 
gleichsverhandlungen der Agnaten beider Philippsthaler 
Linien mit der Krone Preußen anfänglich eine Sonder 
stellung einnahm, die er aber später aufgab, um 
dem Vergleiche beizutreten. In Folge dessen erhielt 
er u. a. das Schloß zu Rotenburg, in welchem er 
in den letzten Jahren seines Lebens residirte. Prinz 
Wilhelm von Hessen-Philippsthal-Barchfeld war vier 
mal verheirathet. Zum ersten Mal mit der Prinzessin 
Marie von Hanau, der jüngsten Tochter des 
letzten Kurfürsten von Hesien, am 27. Dezember 
1857 zu Kasiel. Dieser am 18. März 1872 ge 
schiedenen Ehe entstammen zwei Söhne und zwei 
Töchter, welche gleich ihrer Mutter den vom Könige 
von Preußen ihnen im Jahre 1876 verliehenen Namen 
„Prinzen und Prinzessinnen von Ardeck- führen. 
Aus der zweiten Ehe, welche Prinz Wilhelm im 
Jahre 1873 mit der Prinzessin Juliane von Bent 
heim-Bentheim und Bentheim-Steinfurt einging, sind 
eine Tochter und ein Sohn, Prinz Clodwig (geb. 
30. Juli 1876), entsprossen. Die dritte Ehe, welche 
der Prinz nach dem Tode der zweiten Gemahlin mit 
deren älteren Schwester, der Prinzessin Adelheid von 
Bentheim-Bentheim und Bentheim-Steinfurt, im Jahre 
1879 schloß, blieb kinderlos, da sie schon nach einem 
halben Jahre durch den Tod der Prinzessin gelöst 
wurde. Zum vierten Male endlich vermählte sich 
der Prinz am 6. Dezember 1884 zu Schloß Luisen 
lund mit der ihn überlebenden Prinzessin Auguste zu 
Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg,einerNichte 
des Königs Christian von Dänemark. Dieser Ehe 
entstammt der am 16. Juni 1887 geborene Prinz 
Christian. — 
Die aufgebahrte Leiche des Prinzen Wilhelm von 
Hessen-Philippsthal-Barchfeld wurde am 21. Januar 
in dem Rotenburger Schlosse öffentlich ausgestellt. 
Unter reichen Blumenspenden, von Kränzen und 
Palmen umgeben, lag der Verewigte in seiner 
Admiralsuniform auf dem Paradebette. Es verdient 
bemerkt zu werden, daß auch seine erste Gemahlin, 
die Prinzessin von Ardeck, einen Kranz und Palmen 
gesandt hatte. Am 23. Januar erfolgte die Über 
führung der irdischen Reste des Prinzen nach Barch 
feld, wo Tags darauf die feierliche Beisetzung in der 
Familiengruft stattfand. Die Grabrede hielt Herr 
Pfarrer Schmidt von Herleshausen. — Wohlwollen 
und Herzensgüte waren hervorleuchtende Züge in dem 
Charakter des Verblichenen, und die Armen und 
Dürftigen verlieren in ihm einen treuen Helfer in 
der Noth. 
Inhalt der Nummer 3 des „Hessenland": .,Jm 
Hagenauer Wald", Gedicht von Hugo Frederking; „Albrecht 
Christian Ludwig von Bardeleben. Kurfürstlich Hessischer 
Generallieutenant, 1777—1856", ein Erinnerungsblatt von 
Carl von Stamford, II. Getäuschte Hoffnung 1806—1807 
(Forts.) ;„Trenton", eine histor. Skizze v. Philipp Seb. Schol; 
„Eine Zeitungsstudie" von D. Saul; „Eine bisher unbekannte 
deutsche Uebersetzung von Zean Bodin's „äe 1a republique“" 
von Dr. Mollat; „Nummer Dreizehn", eine Dorfgeschichte 
aus Niederhessen, dem Leben nacherzählt von A. Weiden 
müller (Fortsetzung); „Die Liebe", Gedicht von Emma 
Braun; „Flenn dich aus", Gedicht in Schwälmer Mund 
art von Kurt Nuhn;Aus alter und neuer Zeit: „Der 
Autographensammler", „Pestartige Seuchen in Hessen"; 
Aus Heimath und Fremde.
        

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