Volltext: Hessenland (4.1890)

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den Händen. „Konrad, was willst Du hier?" 
Er setzt sich neben sie und blickt ihr fest in die 
Augen. „Ich will Dir Glück zur Hochzeit 
wünschen, Martlis. Ist denn Dein Bräutigam 
nicht hier?" 
„Er wollte nach Seefeld gehen, um sich dort 
einen anderen Hund zu kaufen. Ich weiß nicht, 
ob er schon fort ist. Seit wann bist Du denn 
da?" 
„Seit heute morgen. Ich kam gerade zurecht, 
um Dich aufbieten zu hören. Wie meinst Du 
wohl, daß mir das gefiel?" 
„Lag Dir überhaupt etwas daran? Ich denke, 
Du wirst selbst bald aufgeboten?" 
Sie versuchte es gleichmüthig zu sagen, aber 
Konrad sieht, wie die Hand zittert, welche nach 
dem Röckchen auf der Erde greift. Da ist es 
mit seiner Selbstbeherrschung vorbei. 
„O Martlis, wie hast Du mir das anthun 
können?" ruft er mit erstickter Stimme. „Mit 
dem Stadtmädchen das war ja nur ein Zeit 
vertreib von ein paar Wochen:" — 
„Hast Du es mir zu Gefallen im Stich ge 
lassen?" 
„Es hat sich, während ich im Manöver war, 
einen Anderen ausgesucht." 
„Wenn es so wetterwendisch war, dann gräme 
Dich nicht! Ein Bursch wie Du kriegt noch 
zehnmal ein Mädchen." 
„Aber Dich nicht, und ich habe im Ernst keine 
als Dich zur Frau gewollt!" 
Sie wird blaß und sieht ihn traurig an. 
(Fortsetzung folgt.) 
Die Kieke. 
Die Liebe kommt wie Sturmesbrausen, 
Die Liebe kommt wie Sonnenschein, 
Sie zieht verzehrend und beglückend 
Jn's streng bewachte Herz hinein. 
Sie klopft nicht erst — sie fragt auch nimmer, 
Paßt Herz zum Herzen — Hand zu Hand. 
Sie überbrückt das Weltmeer selber, 
Sie folgt Dir in der Wüste Sand 
So wahre — so aufrichtige Liebe, 
Die nicht mit dem Besitz verrauscht, 
Die nicht ein Spiel für flücht'ge Stunden, 
Die Seele gegen Seele tauscht. 
Hmma Mraun. 
Flenn dich ans. *) 
(Schrvälmer Mundart). 
Bann die Wolke äusgeflahnd 
Wedd dr Himmel klor, 
£> die Sonn beschennt dos Lahnd, . 
Dos i Drähne wor. 
Dreinm, dü ormes Mänschehäz, 2 ) 
Flenn dich immer äus. 
Glööb's/) noch äusgeflahndem Schmäz 
Zieht der Freed ies Häus- 
Kurt Muhn. 
*) Weine dich aus. 2 ) Menschenherz, *) Glaub's, 
Aus alter und neuer Zeit. 
Der Autographen sammt er ist ein treuer 
Bundesgenosse des Geschichtsforschers, aus seiner 
Handschriftenmappe hat der letztere schon manche 
Wahrheit entnommen, so daß er ihm Dank wissen 
kann. Was könnte auch wahrheitsgetreuer sein, als 
das selbstgeschriebene Wort, das noch nach Jahr 
hunderten mit seinen Schriftzügen und seinen Worten 
uns den Schreiber vergegenwärtigt. Mit Ehrfurcht 
betrachten wir ein Blatt von großen Menschen be 
schrieben, längst mögen sie gestorben und zu Staube 
geworden sein, der Geist ihrer Worte weht uns aus 
ihren Zeilen entgegen und in den Schriftzügen ver 
mögen wir den innersten Menschen zu erkennen. 
Wie verschieden sind die Schriftzüge Landgraf Philipps 
und Landgraf Hermanns. Während jeder Buchstabe 
der Schrift des ersteren mit einer spitzen Lanze be 
waffnet erscheint, ist in des letzteren Schrift alles 
abgerundet, nichts Spitzes, nichts Eckiges. So läßt 
sich vieles feststellen, wenn die Graphologie in den 
Dienst der Geschichte gestellt wird. Nachstehend ein 
eigenhändiges Schreiben Landgraf Hermanns. Der 
Brief ist datirt: „Statthagen den 8. des August 
monats 1642, an den Stifter der fruchtbringenden 
Gesellschaft an den hochgebornen Fürsten Herrn 
Ludewigen, fürsten zu Anhalt". — Der Brief war 
verschlossen durch das kleine Handsiegel des Landgrafen 
und lautet: 
Hochgeborner Fürst, freundl. Vielgeliebter, hoch 
geehrter Herr Vetter! 
„Mit diesen wenigen Zeilen habe Eur. Libden 
ich nochmalen zum dienstlichen Dank sein wollen, 
vor aller erzeigter gnädigster Zuneigung und sonder- 
bahrer treuer Dinge. In der höchstansehnlichen, 
fruchtbaren Gesellschaft habe auf Eur. Libden Be 
fehl in das Buch des Lebens geschrieben, weil ich
        

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