Full text: Hessenland (4.1890)

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Hauptquartier befand. Die Garden lagen in 
Neu-Braunschweig. Den beiden hessischen Brigaden 
von Donop und Rall, welche dem General 
Grant zugetheilt waren, hatte man weiter vom 
Gros der Armee entfernte, ziemlich ausgesetzte 
Posten angewieseu. Die Brigade des Obersten 
von Donop, der einen Theil der hessischen 
Grenadiere und Jäger befehligte, lag nebst 
einem britischen Regimente in den Orten 
Burlington und Bordenton am Delaware. Die 
Brigade Rall, welche aus den drei hessischen 
Regimentern Rall, von Loßberg und von 
Knyphausen bestand,"der aber noch 50 hessische 
Jäger und 20 englische Dragoner zugetheilt 
waren, besetzte das Städtchen Trenton am 
Delaware. Der Posten war ein ziemlich ge 
fährdeter. Washingtons Leute zogen auf dem 
anderen Ufer des Flusies umher und zeigten 
sich oft in der Nähe, während die nächsten be 
freundeten Truppen in Princeton und Bordenton 
verhältnißmäßig weit, ca. 12 Meilen entfernt 
waren. Oberst Rall jedoch, ein tapferer, ja 
wagehalsiger Mann hatte sich den Posten selbst 
ausgebeten. 
Trenton war damals noch ein kleines Städtchen 
von ungefähr 130 Häusern. Durch den Assunpink, 
einen Arm des Delaware, wurde der lang-, 
ausgedehnte Ort in zwei Hälften getheilt, welche 
durch eine steinerne Brücke miteinander in Ver 
bindung standen. Im Süden der Stadt führte 
eine Brücke über den Draw Creeck, einen kleinen 
Nebenfluß des Delaware, auf die Straße nach 
Burlington, wo die nächste hessische Besatzung 
lag. Der Ort war mit Ausnahme der Fluß 
seite überall von bewaldeten Anhöhen umgeben, 
was zur Gefährlichkeit der Lage nicht wenig 
beitrug. 
Die Besatzung bestand aus der Rall'schen 
Brigade, nämlich den Regimentern Rall, von 
Loßberg und von Knyphausen, Die Regimenter 
bestanden nur aus je einem Bataillon zu 
5 Kompagnien und waren höchstens je 500 Mann 
stark, sodaß mit Einrechnung der Jäger und 
britischen Dragoner die ganze Besatzung ungefähr 
1500 bis 1600 Köpfe zählte. Dazu kamen noch 
auf jedes Regiment 2 leichte Feldgeschütze. Diese 
Truppen waren nun folgendermaßen im Orte 
vertheilt: Im nördlichen Stadttheile lagen das 
Grenadierregiment Rall und das Regiment von 
Loßberg. Das Regiment von Knyphausen nebst 
den Jägern und Dragonern bildete die Besatzung 
des südlichen Stadttheils. 
Oberst Rall hatte nur die allernothdürftigsten 
Sicherheitsmaßregeln angewendet. An beiden 
Enden des Ortes waren Wachtposten aufgestellt; 
der nördliche bestand aus einem Unteroffizier 
mit 20 Mann, wozu des Nachts noch ein 
15 Mann starkes Jägerpiquet kam; zum Schutze 
der Brücke am Südende war ein Unteroffizier 
mit 12 Mann ausgestellt. Damit ein Theil der 
Truppen stets schlagfertig sei, mußte nachts 
immer eins der Regimenter sogenannte Allarm 
häuser beziehen, um nöthigenfalls gleich ge 
sammelt und kampfbereit zu sein. Alle diese 
Maßregeln, die schon an und für sich bei der 
Nähe des Feindes und der isolirten Lage des 
Platzes sehr dürftig waren, wurden überdies 
bei der Sorglosigkeit und Nachlässigkeit des 
Obersten sehr wenig streng beobachtet und ein 
gehalten. So wurden z. B. die Posten fast nie 
revidirt und Patrouillen nur sehr selten aus 
geschickt, und wenn dies wirklich geschah, so 
erfolgte es auf Anrathen anderer Offiziere, die 
verständiger waren als der Oberst. 
Um überhaupt einige wenige Worte zur 
Charakteristik des hessischen Befehlshabers hier 
voraus zu schicken, so war derselbe wohl ein 
tüchtiger, braver Soldat, aber nach dem über 
einstimmenden Urtheile aller derer, welche ihn 
näher kannten, durchaus nicht die geeignete 
Persönlichkeit, einen solchen Posten zu komman- 
diren. Er verdankte denselben auch wohl nur 
dem Umstande, daß er sich mit seiner Brigade 
in der Schlacht auf den White-Plains und vor 
allem bei der Erstürmung von Fort Washington 
so außerordentlich ausgezeichnet hatte. Damals, 
als er unter den Befehl eines guten Generals — 
von Knyphausens — focht, konnte er Großes 
leisten, hier als Höchstkommandirender machte 
er vollständig Fiasko. Es waren gerade die 
großartigen Erfolge, welche er mit seinem 
Regimente zuletzt errungen hatte, die ihn über 
mäßig siegesstolz machten und ihn die „elenden 
Rebellen" ganz verachten ließen, ein Fehler, 
den übrigens damals die ganze verbündete 
Armee theilte und der bei den errungenen 
Siegen begreiflich, wenn auch nicht zu entschuldigen 
ist. In seinem Stolz zeigte nun Rall als 
Befehlshaber in Trenton eine unverantwortliche 
Nachläßigkeit. Wie bereits erwähnt, wurden 
die wenigen aufgestellten Wachtposten nie revidirt. 
Die Geschäfte seines Dienstes ließ der Oberst 
meist von seinem, Adjutanten Biel besorgen. Er 
selbst achtete gar nicht aus den Zustand der 
Regimenter und kümmerte sich nicht darum, ob 
die Soldaten ihre Gewehre geputzt hatten und 
ob die übrigen Waffen in guter Verfassung 
waren. Was ihn bei seinen Soldaten allein 
sehr in Anspruch nahm, war — nach Aussage 
eines seiner Offiziere — die Regimentsmusik. 
Die Hautboisten waren seine erklärten Lieblinge, 
denen er nicht lange genug zuhören konnte; 
auch bei der Parade hatte er nur Acht auf sie. 
Neben der Musik liebte Rall aber auch nicht
	        

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