Full text: Hessenland (4.1890)

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Krenion. 
Eine historische Skizze von Philipp Seb. Schol. 
— 
Die Theilnahme der Hessen an dem Nord 
amerikanischen Unabhängigkeitskrieg ist gerade in 
der letzten Zeit der Gegenstand mancher, zum 
Theil vortrefflicher Arbeiten gewesen, durch welche 
versucht wurde, den hessischen Namen von der 
unverdienten Schmach, die ihm durch schnöde, 
gehässiige Verleumder noch immer angethan wird, 
zu reinigen. Auch wir haben, wie wohl jeder 
echte Hesse, mit aufrichtiger Freude diesen Eifer 
für unsere gute Sache bemerkt, wir sind aber 
doch so pessimistisch zu glauben, daß diese unselige 
„Verkaufs"-geschichte niemals ganz verschwinden 
werde, wenigstens nicht aus den Köpfen derer, 
die sich nicht belehren lassen wollen. weil sie am 
liebsten das Schlechte glauben, und das ist leider 
bei der Mehrzahl der Fall. Dazu spukt dies Lügen 
gespenst zu lange und ist schon zu sehr „historisch" 
geworden. So lange vor allem dies Märchen 
in den Schulen gelehrt wird, oder wenigstens 
sich in den dort gebrauchten Lehrbüchern vor 
findet*), so lange ist unseres Erachtens ganz und 
gar nicht daran zu denken, daß die Wahrheit 
siegt. Doch hoffen wir das Beste! — 
Wenn nun, wie oben erwähnt, über den 
Subsidientraktat viel geschrieben ist, so ist dies 
mit dem Kriege selbst, bezw. der Theilnahme 
der Hessen an demselben, viel weniger der Fall, 
und es herrscht daher im Allgemeinen eine große 
Unkenntniß über diesen Krieg beim großen 
Publikum, ein Umstand, der sehr zu bedauern 
ist. Denn aus diesem Grunde werden so leicht 
die Märchen geglaubt, welche amerikanische 
Tendenzschriftsteller uns auftischen, wie z. B. 
ein Cooper, der von einem großen Gefecht zu 
erzählen weiß, in welchem ganze Schaaren 
hessischer Soldknechte vor ein paar freien 
Virginischen Wehrmünnern davongelaufen seien! 
Solchen Leuten ist besonders der Ueberfall von 
Trenton, der das so glücklich begonnene Jahr 
1776 so unglücklich abschloß, Wasser aus die 
Mühle. Aber auch bei dieser Gelegenheit zeigten 
die hessischen Truppen ihre altgewohnte Tapfer 
keit, und man kann den Soldaten ihr damaliges 
*) Man vergl. z. B. den in den Schulen allgemein 
verbreiteten „Auszug aus der Geschichte von K. Ploetz", 
8. Ausl., pag. 367. — Rühmend zu erwähnen dagegen 
ist der vor kurzem erschienene „Kurze Abriß der Geschichte 
des Hessenlandes von C. Wagner", der neuerdings in den 
hessischen Schulen eingeführt ist und hoffentlich viel zur 
Aufklärung beitragen wird. 
Unglück durchaus nicht zum Vorwurf machen. Sie 
haben sich brav benommen, das wird eine 
nähere Betrachtung des Ereignisses, die vielleicht 
manchem Leser des „Hessenlandes" nicht unliebsam 
ist, zeigen. 
Das Jahr 1776, das Jahr, in dem die 
hessischen Truppen zuerst den amerikanischen 
Kriegsschauplatz betraten, war für die verbündeten 
Waffen durchaus günstig. Man hatte große 
Erfolge über die Aufständischen errungen, die 
nicht zum wenigsten den Hessen zu verdanken 
waren. Gleich bei ihrer Ankunft hatten dieselben 
durch das siegreiche Gefecht bei Flatbush am 
27. Aug. Longisland von den Empörern gesäubert 
und denselben großen Respekt vor der hessischen 
Tapferkeit beigebracht. Bald darauf wurde 
New-Pork von den Verbündeten eingenommen 
und die Amerikaner weiter den Hudson hinauf 
zurückgedrängt. Hier wurden sie nochmals anl 
24, Oktober in der blutigen Schlacht auf den 
White-Plains aufs Haupt geschlagen, bei welcher 
Gelegenheit sich wieder die hessischen Truppen 
auszeichneten. Die letzte große Waffenthat der 
selben in diesem Jahre war die glorreiche Er 
stürmung des Forts Washington am 16. Nov., 
welches nun nach dem siegreichen hessischen 
General „Fort Knyphausen" genannt wurde. 
Durch alle die hier nur kurz angedeuteten 
Ereignisse waren die Rebellen völlig entmuthigt 
worden, und die meisten von ihnen gaben die 
Hoffnung auf ein Gelingen des Aufstandes auf. 
Anstatt, daß nun der britische Oberbefehlshaber 
Lord Howe diese Erschöpfung und Muthlosigkeit 
zu einer weiteren, völligen Niederwerfung der 
Amerikaner benutzte, die bei der siegesstolzen 
Zuversicht der Verbündeten und bei dem schlechten 
Zustand der rebellischen Heere wohl kaum miß 
lungen wäre, wurden - in diesem Jahre keine 
weiteren Unternehmungen mehr ausgeführt und 
die Truppen in die Winterquartiere gelegt. 
Der Oberbefehlshaber selbst verließ überhaupt 
in Begleitung von Lord Cornwallis den Kriegs 
schauplatz, um sich in England einige Zeit von 
den Strapazen etwas auszuruhen. 
Im Staate New-Jersey kommandirte der 
englische General Grant. Seine Truppen waren 
in den Winterlagern folgendermaßen vertheilt. 
Der größte Theil der nationalen britischen 
Truppen lag in Princeton, wo sich auch das
        

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