Full text: Hessenland (4.1890)

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dem mildgesinnten humanen Bischof Johann Leonard 
Pfaff, mit dem er zur Zeit der Errichtung des Fuldaer 
Bisthums in den zwanziger Jahren als Regierungs 
Kommissar so manchen Strauß auf kanonischem 
Gebiete zu bestehen hatte. — Allgemeine Bestürzung 
erregte es, als sich die Nachricht verbreitete, daß er 
am Morgen des 18. Dezember 1840 außer seinem 
Bette in einem entfernteren Zimmer entseelt auf 
gefunden worden sei. Ueber die Art seines Todes 
konnte die vorgenommene Sektion keinen bestimmten 
Aufschluß geben. Angenommen wurde, daß er, von 
Beängstigungen getrieben, um den: im unteren Stocke 
schlafenden Bedienten zu schellen, aus dem Bette 
geeilt und, von einem Stickflusse befallen, niedergestürzt 
und eine Beute der strengen Kälte geworden sei. — 
Ueber die persönlichen Eigenschaften Eggena's fällt 
sein Biograph in dem „Neuen Nekrolog der Deutschen" 
folgendes Urtheil, das wir nach allem, was wir über 
den Verblichenen gehört, als zutreffend bezeichnen 
können: „Eggena erschien als ein Mann von geist 
reichem Aussehen, mehr lebhaft und unruhig, denn 
gehalten und würdevoll. Seine geistige Bildung 
hatte einen weiten Horizont, sein Interesse ging nach 
allen Seiten aus — sprachkundig, wissenschaftlich, 
kunstliebend. Man hörte ihn gern sprechen, wiewohl 
er oft genug ironische Wendungen suchte. Dabei 
blieb er aber stets human gegen Untergeordnete und 
frei von jener Pedanterie, die unsern Beamten so oft 
mit dem Aktenstaube anzufliegen scheint. Die 
Natur hatte seinem Kopfe an Umfang und Gewandt 
heit zugelegt, was sie seiner Brust an Tiefe und 
Gewicht versagt hatte." K. Z. 
Ein vergessener hessischer Schrift 
steller. Beim Durchblättern der Werke über 
deutsche Literaturgeschichte stoßen wir auf Eber 
hard Werner Happel, der zu den fruchtbarsten 
Romanschriftstellern seiner Zeit gehörte, dessen Namen 
aber heute gerade so gut wie vergessen ist. In 
einem Zeitraum von 17 Jahren hat er 20 sog. 
politisch-galante Romane, wie sie zu der Zeit, in 
welcher er lebte, in der zweiten Hälfte des siebzehn 
ten Jahrhunderts Mode waren, fast alle 4 bis 5 
Bände stark, verfaßt, die damals vom Publikum, wie 
man von vielgelesenen Büchern zu sagen pflegt, 
geradezu verschlungen wurden. In diesen Romanen 
werden seltsame Begebenheiten mit abenteuerlichen 
Heldenthaten und pikanten Liebes- und Staats 
intriguen phantastisch verflochten, die Szene aber, 
um der Erfindung einen besonderen Reiz für die 
Einbildungskraft zu geben, in fremde Länder verlegt. 
So cmftanben „ber asiatische Onogambo" (Ham 
burg 1673), „der insularische Manderell" (Frank 
furt 1682), „ber italienische Spinelli" (Ulm 1685), 
„der spanische Quintana" (Ulm 1686), „der fran 
zösische Cormantin", „der ottomanische Bajazet" und 
viele andere Romane. In dem „Teutschen Karl" 
schildert Happel unter dem Namen Kirchberg seinen 
eigenen Lebenslauf, und in seinem „Akademischen 
Roman" (Ulm 169o) beschreibt er sein Univer- 
sitütsleben. Dieser Roman ist wohl der werthvollste, 
da er viele Volkssagen und Schwänke enthält, die 
der Verfasser, der als „fahrender Literat" ein sehr- 
bewegtes Leben führte und überall herumkam, wohl 
aus dem Munde des Volkes entnommen und so der 
Vergessenheit entrissen hat. — Ein ungleich größeres 
Verdienst als durch seine Romane hat sich Happel 
durch die Herausgabe der von ihm zum ersten Male 
versuchten Uebersetzung des römischen Historikers 
Vg.leriu8 Naximu8 (Hamburg 1676) und durchseine 
historischen Schriften, wie die „Relationes curiosae“, 
„vie größten Denkwürdigkeiten dieser Welt" u. s. w. 
erworben. — Eberhard Werne r (Guerner) 
Happel war am 12. August 1648 zn Kirch- 
hain als der Sohn eines Pfarrers geboren. Er 
studierte zu Marburg 1663 Mathematik und 
Medizin, nachher Jurisprudenz, beschäftigte sich zuerst 
mit Privatuuterricht in seiner Heimath, lebte seit 
1868 in Magdeburg, Harburg und Hamburg, wo 
er drei Jahre sich aufhielt, sich verheiratete nnd durch 
Nahrungssorgen gezwungen, fabrikmäßig die Schrift 
stellerei betrieb, „lärm non famae scribens“, wie 
er selbst sagte. 1673 zog er nach Kiel, wo er 
juristischen und mathematischen Unterricht ertheilte; 
hiernach fand er eine Anstellung in Holstein, kehrte 
aber 1679 nach Hamburg zurück und setzte daselbst 
seine Nomanschriftstellerei fort. Vor 200 Jahren, 
am 15. Mai 169ü ereilte ihn in seinem 42. Lebens- 
jähre der Tod. K. A. 
Aus Heimath und Fremde. 
Soeben geht uns die Mittheilung zu, daß am 
16. Dezember, Vormittags 9 Uhr, Sa lom o n Hahn 
dorf, der Nestor der deutschen Schriftsteller, ver 
schieden ist, nachdem er vor wenigen Tagen, am 
12. ds. Mts., sein 89. Lebensjahr vollendet hatte. 
Der Nekrolog dieses weit über die Grenzen unserer 
engeren Heimath hinaus bekannten Mannes, des hoch 
verdienten Bürgers seiner Vaterstadt Kassel, folgt in 
der nächsten Nummer unserer Zeitschrift. 
Am l. Dezember fand in dem großen Stadtpark 
saale ein außerordentlich zahlreich besuchter sog. Unter 
haltungsabend des Kasseler Zweigvereins des 
AllgemeinenDeutschenSprachvereins statt. 
Mundartliche Vorträge wechselten mit musikalischen 
Aufführungen, die ebenso lehrreich wie genußvoll 
waren. Ganz besonders verdient die Ansprache 
hervorgehoben zu werden, welche Gymnasial-Direktor 
Dr. Heußner über „Wesen und Werth der 
Mundarten" hielt. Wie die Kasseler „Allgemeine 
Zeitung" berichtet, wandte Redner ein sinniges Gleichniß 
an, um den Unterschied zwischen Mundarten und
	        

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