Full text: Hessenland (4.1890)

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»Wem Schrecken blitzt ins Angesicht 
Das blanke Schwert, 
O, der ist auch der Liebe nicht 
Des deutschen Mädchens werth". 
»ä tous les coeurs bien näs que la patrie 
est chdre“, »omnia pro patria licent“. 
Aber neben allem diesen schläft auch Anakreon 
nicht, und die Freude an Wein, Weib und 
Gesang bricht überall hervor: „Fröhlichkeit ist 
die Mutter aller Tugenden". 
»Wer wollte sich mit Grillen Plagen, 
So lang uns Lenz und Jugend blüht?" 
»Rosen pflücken, Rosen blüh'n. 
Morgen ist nicht heut." 
»Froh und sorgenfrei zu sein, 
Trink wie Vater Noah Wein". 
»Musik, Tanz und Malerei 
Und auch die schönen Kinder, 
Wer die nicht liebt, der ist von Blei, 
Gott gnad dem armen Sünder". 
»Malaga und Frauenzimmer 
Wünsch' ich meinem N. N. immer". 
»Wer bei Wein und Mädchen sitzt 
Und dann nicht trinkt und dann nicht küßt, 
Herr Bruder, der soll sterben. 
Wer aber Wein wie Wasser saust 
Und die Gelegenheit ergreift, 
Die Ein die Weiber geben, 
Herr Bruder, der soll leben". 
»Ein Mädchen las und fand geschrieben, 
Sie solle ihren Nächsten lieben, 
Gleich fiel dem guten Mädchen bei, 
Daß auch der Bursch sein Nächster sei". 
»Lieblich lächelt Doris Miene, 
Wenn die fleißige Amorbiene 
In dem Myrlenkörbchen dahlt, 
Venus, die Duft um sich hauchet, 
Wenn Adon den Altar brauchet. 
Wird nicht herrlicher gemalt. 
Um die Lebensquelle wohnen 
Scherze, die auf Locken thronen, 
Ohne Menschenkunst frisirt. 
Freude lacht um ihr Gestade, c 
Wenn in ihr Bassin zum Bade 
Amor seinen Liebling führt". 
»Mil Laurcttcn seiner Freude 
Saß am Alsterstrand Tircn, 
Wo sie auf der nächsten Weide 
Zween Spatzen buhlen sehn. 
Voll von zärtlichem Gefühle 
Scheinen beide gleich vergnügt, 
Als nach einem kurzen Spiele 
Eines schnell von dannen fliegt. 
Sieh doch, sieh doch, spricht Laurette, 
Ist der Undank zu vcrzeihn? 
Der itzt wegflog, wird, ich wette. 
Ganz gewiß das Männchen sein." 
Noch weiter gehende Mittheilungen von Ein 
trägen dieser Richtung muß ich mir billig ver 
sagen. Bei solch flottem Leben kann man nicht 
früh aufstehen. »Aurora musis awica(Morgens 
schläft der Bursch am besten)". Es werden 
auch Schulden gemacht und nicht bezahlt. 
»Er ritt Galopp zum Thor hinaus 
Und lachte die Philister aus". 
Aber es kommen auch ernstere Gedanken. 
»Les premiers soupirs de l’amour so nt les 
derniers de la sagesse“. Zwar wird von 
einem derartigen Leben mit Recht gesagt: „im 
Trott gelebt und im Galopp zum Teufel", aber 
ein anderer weist darauf hin, daß 
»Lustig gelebt und selig gestorben 
Ist dem Teufel die Rechnung (nach einer 
anderen Lesart »das Konzept") »verdorben", 
und einer seufzt: 
»Ach Gott, mach's mir im Tode, 
Wenn's möglich ist, kommode". 
Marburg selbst wird nicht gap zu schön ge 
schildert : 
»Pflaster, das dem Teufel graut, 
Gossen, die abscheulich stinken, 
Leute die voll Eigenutz, 
die sich dünken! 
Ist das schön in einer Stadt? 
Nun so glaubt, daß unser Marburg 
Einen großen Vorzug hat". 
Aber „alles eilt zu fernem Ende, so wie 
unsere Burschenzeit". „Bald", so hören wir 
die Klage, „sind meine schönsten Tage dahin, 
und keine Macht wird vermögend sein, sie 
wieder zu Haschen", und so wollen wir, wie 
wir mit dem Studenten die Hochschule bezogen 
haben, so auch wieder mit ihm heimreisen. 
»Der Rappe scharrt, es klirrt der Sporn, 
Ich darf aühier nicht Hausen. 
Jetzt Hurra, Hurra, hopp, hopp, hopp 
Gchl's fort im sausenden Galopp 
Nach Kaflels sel'gen Fluren". 
Da sehen wir die Freunde abgebildet, wie 
sie sich den Abschiedskuß geben, während im 
Hintergrund der Postillon den Rappen hält 
und ungeduldig mit der Peitsche knallt. Gern 
denkt man auch an das liebe Marburg zurück: 
»Lebt fröhlich und beglückt, 
Die ihr in Marburg wohnt;
	        

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