Full text: Hessenland (4.1890)

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gekommen, und, wie sie hofft, wird Er cs bald 
durch einen längeren Aufenthalt dahier wieder 
einbringen. 
Das Stück von Gonsales, welches Derselbe in 
Handel hat, bin enrienx zu sehen und Er wird 
mir den Gefallen thun, solches zu überschicken. 
Es soll aber nicht auf sein, sondern auf meine 
Kosten und Risico sehn, wie Ihm dann die 
andern zwey tableaux ebenso wieder zurücksenden 
werde. Es wäre sonst der Weg, daß Ich, wann 
einmahl etwas schaden nimmt, nichts niehr von 
Ihm zu sehen bekäme. 
Bald hätte meine Danksagung zu des großen 
Complinients wegen des Dr. Senkenbergs ver 
gessen. Ich aber weiß zwar so schön dagegen 
nichts zu erwiedern. Ob Ich selbigen indessen 
gleich nicht zu benutzen gedenke, sondern mich 
vielmehr, soviel möglich, aller medicinen zu 
entübrigen hoffe, weiß Ich doch, daß Er mir 
nichts übeles recommandirt hat, und Derselbe 
ist seinerseits versichert, wie angenehm es mir ist, 
Ihm bey aller Gelegenheit zu zeigen, daß Ich 
ohne Ausnahme bin und bleibe k. k. 
Am 18. Januar schickte Häckel das Gemälde 
von Gonzales an den Landgrafen ab mit 
folgendem Begleitschreiben: 
Durchlauchtigster Fürst, 
Gnädigster Fürst und Herr. 
Da ist das Gemälde von Gonsales, so Ew. 
Hvchfürstl. Durchlaucht belieben zu sehen; ich 
habe es theuer bezahlt, und glaube, wenn es 
nicht zusammengeflickt, es ein recht schön 
Gemählde sey. Ich bin curieux zu vernehmen, 
wie es Ew. Hochfürstl. Durchl. gefallen wird. j 
Dem Herrn Freesen ^) habe ich geschrieben, mit 
Ew. Hvchfürstl. Durchl. gnädigster Erlaubniß es 
in die Cur zu nehmen und es so gut, als 
möglich wieder zu machen; ich bitte Ew. Hvch 
fürstl. Durchl. nochmahls es vfft zu besehen, 
umb zu wissen, was gutes daran ist. Der 
Nahme stehet auf dem Tischfuß, woran die 
Mannspersohn sitzt"), ich habe die Beschreibung 
von diesem Meister in allen Büchern gesucht, 
aber in keinem gefunden, als in des Harmes 
seinem, so in Braunschweig gedruckt ist. Es 
heißt: .1 nun Giachenetti Gonzales, detto il 
Borgognone dalle teste, a etudie les oeuvres 
de Titien, naquit ä Madrid 1630, a dem eure 
a Bergamo A°- 1696. Dieses Buch müssen 
sich Ew. Hvchfürstl. Durchl. anschaffen, es ist in 
Brauuschwcig zu haben. Ew. Hvchfürstl. Durchl. 
danke ich nuterthänigst vor das gnädige Com- 
pliment von Jhro Hoheit, daß Sie nicht allein 
wieder gut,- sondern noch besser ist, welches 
etwas gantz besonderes, aber doch schrifftmäßig 
ist. Daß ich ein hertzliches Verlangen habe, 
Ew. Hvchfürstl. Durchl. wieder aufzuwarten, 
kann ich nicht leugnen; sobald es Gott will 
und meine Umstände es erlauben, muß ich es 
wieder mündlich versichern, wie ich mit auf 
richtigem Hertzen bin 
Ew. Hvchfürstl. Durchl. 
allergetreuster Knecht 
v. Häckel. 
Johann Georg van Freese war seit 1744 
Hofmaler zu Kassel und Intendant der Galerie. 
'■') Durch diese Angabe werden wir belehrt, daß es 
sich um das jetzt als Nr. 142 katalogisirte Bild: .Der 
junge Gelehrte und seine Schwester" handelt 
(Fortsetzung folgt.) 
Hur Geschichte des Kalenöerweftns in Kessm. 
Von F. Swenger- 
I. 
Am 3. Dezember des Jahres 1699 . erschien 
folgende Bekanntmachung, betreffend die Abschaf 
fung des alten Julianischen Kalenders und Ein 
führung des neuen verbesserten (Gregorianischen) 
Kalenders in Hessen, und wurde im ganzen 
Lande von den Kanzeln verkündigt: 
„Demnack die gesamte evangelische Churfürsten 
und Stände des heiligen römischen Reichs 
bey noch wehrender Reichsversammlung zu 
Regenspurg ohnläugstens den einmühigen 
Schluß*) dahin gefaßt, daß, weil durch die 
bis dahero alle vier Jahre geschehene Ein 
schaltung eines Tages von der eigentlichen 
Länge des Sonnen-Jahres abgewichen und 
selbiger allezeit bey dreyviertelstuuden zuviel 
zugelegt, folglich die Zeit-Rechnung je länger 
je mehr von dem wahren Lauf der Sonne 
verrückt worden, eine Verbesserung des alten 
Julianischen Kalenders unumgänglich vorzu 
nehmen, und dahero die, von Zeit des Gonellii 
Nicaeni her bis auf das nechst instehende 
1700. Jahr zuviel eingeschaltete 11 Tage 
nothwendig auszvlassen seyen, nemlich auf 
folgender Weiß: daß nach zurückgelegtem 18. 
Tage des künfftigen Monaths Februar die 
*) am 23. September 1699.
	        

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