Full text: Hessenland (4.1890)

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Wir theilen diese beiden Schreiben deshalb voll 
ständig mit, und hat der erste Brief folgenden 
Wortlaut: 
Durchlauchtigster Fürst. 
* Gnädigster Fürst und Herr. 
Ew. Hochfürstl. Durchl. haben abermahls ein 
Zeichen Dero hohen Gnade mir erwiesen, indem 
Sie das rescript vor den Herrn Dr. Senckenberg 
mir zugesandt. 
Ew. Hochfürstl. Durchl. gratuliere ich dazu, 
wenn Sie einen warhafftig Ehrlichen Mann sich 
verbindlich gemacht, welcher Ihnen in gesunden 
und kranken Tagen vortrefliche Dienste leisten 
kann. Nun solle ich billig nach des Herkomani 
Gebrauch mit einem großen Neuenjahrswunsch 
erscheinen, allein Ew. Hochfürstl. Durchl. sein 
gewiß versichert, daß ich Ihnen von Grund des 
Hertzens mit Leib und Seel ergeben bin, und 
also nichts weiteres sagen kann. Mit der 
heuttigen fahrenden Post sende ich ein Verschlag, 
worin zwey Gemählde und Sechs Kupferstiche, 
wovon 4 an Ihre Königl. Hoheit versprochen. 2 3 ) 
Ob ich zwar über die letzte Abschieds audiens 
mich zu beschwüren hätte, "so bin ich doch ein 
Mann, der sein Wort hält, und bin auch schon 
wieder gut; über die Gemählde bitte ich mir 
Ew. Hochfürstl. Durchl. Meinung ans und können 
solche auf meine Gefahr wieder zurückgesandt 
werden. Des Helmonds Nahme findet sich im 
Ba8eler Lexicon 4 5 ); er ist Anno 1699 gestorben. 
Ihre Excellenz die Frau Gräfin werden es 
wohl übel genommen haben, daß ich sozusagen 
fast ohne Abschied und wie die Katze vom 
Taubenschlag davon gegangen, allein sie kann 
auch dagegen versichert sein, daß sie keinen auf 
richtigeren wahren Freund und Diener, als ich 
bin, auf der Welt habe. Ich stehe hier im 
Handel auf ein Gemählde von Oonsales, es ist 
zwar etwas schadhafft, aber dennoch sehr schön; 
wann ich solches bekomme, so werde auf meine 
2 ) Es handelt sich hier um die Ernennung des durch 
die großartigen nach ihm benannten Stiftungen bekannten 
Frankfurter Arztes Johann Christian Senkenberg 
zum hessischen Hofmedicus. 
3 . Hiermit ist Wilhelms Schwiegertochter gemeint, die 
Erbprinzessin Maria, welcher als Tochter Georgs II. 
von England diese Titulatur zukam. 
4 ) Dieses Werk führt den Titel: „Historisch- und 
Geographisches Lexieon" und ist in zweiter Auflage 
1743 zu Basel durch Beck und Buxtorff herausgegeben 
worden. Auf S. 30 des vierten Theils findet sich die 
Notiz über Franciscus Mercurius von Helmont 
(geb. 1618, gest. 1699). Daß er auch gemalt habe, wird 
darin nicht erwähnt. 
5 ) Es ist dies die 1756 verstorbene Freundin des Land 
grafen, die Reichsgräfin von Bernbold von und zu 
Eschau, welche sich durch die nach ihr benannte Stiftung 
für arme adlige hessische Fräuleins zu Kassel ein bleibendes 
Denkmal geschaffen hat. 
Gefahr solches nach Cassel senden. Ich hoffe, 
daß Ew. Hochfürstl. Durchl. Gemähldetransport 
wird angekommen sein 6 ), womit in tiefster Ehr 
furcht verbleibe 
Ew. Hochfürstl. Durchlaucht 
allergetreuester 
I. Frhr. v. Häckel. 
Wilhelms, im Konzept vorliegende Antwort 
lautet: 
An den Obrist von Häckel 
Cassell den 13. Januar 1748. 
P. P. 
Dessen Schreiben vom 6. ist mir wie alles, 
was von Ihnen herkommt, besonders vergnüglich 
und angenehm gewesen. Die Versicherung, daß 
Er mein lieber beständiger Freund und alter 
lieber Häckel bleiben will, ist mir lieber als 
sein großer Neujahrs-Wunsch aus Herkomani 
aufkommen, und enthält dasjenige, was Ich vor 
züglich mir selbsten wünsche und verlange. Was 
Ich Ihm gutes gönne und wie sehr es mir an-. 
gelegen ist, daß es meinem lieben Häckel wohl 
gehe, das hoffe Ich, weiß Er ebenfalls alzu- 
übergenügend, um daß es einer weiteren Aus- 
drückung bedürfen sollte. Mithin bleibt es mit 
uns beiderseits beym alten. 
Der Iransport von denen Gemählden und 
Kupferstichen ist ohne einige Beschädigung gantz 
wohl ankommen. Das eine Stück von Helmonds 
ist sehr schönartig und nicht das geringste daran 
auszusetzen. Es ist viel in dem genre Teniers 
und möchte auch wohl seyn, daß Helmond ein 
Stück von jenem seiner Invention dabey zum 
Muster gehabt Z. Das andere, so Er von 
Potter hielt, habe ebenfalls genau examiniret, 
bin aber der Meynung, daß es ehnder von 
Savary sehe; dem es wenigstens sehr gleichet. 
Jhro Hoheit ist es lieb, daß Derselbe wieder 
guth ist; und Sie sind Ihm auch noch besser. 
Die Kupferstiche haben Sie zu hübsch gefunden, 
um sie denen Kindern zu geben, weswegen Sie 
solche behalten und selbst damit prahlen wolle. 
Ich soll Ihr eowxlimont und Ihre Danksagung 
davor machen, welchen noch mit beifüge, daß 
nicht nur sie, die Prinzessin, sondern alles was 
hier ist, besonders auch die Gräfin Ihn vor 
hirfür lieb und werth haben. Daß man aber 
zufrieden sein soll, wenn Er uns hier verläßt, 
kann Er von seinen guten Freunden nicht be 
gehren, sondern muß ihnen recht geben, wenn 
sie darüber bös werden. Die Gräfin beklagt 
noch, daß Er den letzten Abend nicht zu ihr 
°) Diese Bemerkung bezieht sich wohl auf einen größeren 
Bilderkauf des Landgrafen in Holland. 
7 ) Ein späterer Brief wird Gelegenheit geben, Näheres 
über das Gemälde beizubringen.
	        

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