Full text: Hessenland (4.1890)

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gebracht wurde, diese Bibliothek gemeinnützig zu 
machen. 
„Am 9. Mai überreichte ich den fertigen Kata 
log und mußte auf Anleitung des Herrn Su 
periors anstatt der Belohnung die Bitte thun, 
Se. Hochfürstliche Gnaden möchten diese Bücher 
sammlung mit jener in unserem Kloster ver 
einigen und daraus eine ordentliche Bibliothek 
errichten. Das fürstliche Jawort war der Lohn 
meiner Arbeit und der Grund der auf Landes 
kosten errichteten ordentlichen Bibliothek." 
Es wurde nun die Erbauung eines besonderen 
Bibliothekgebäudes beschlossen. Es ist bemerkens- 
werth, daß zum Bauplatze der dem Benediktiner 
kloster gegenüberliegende Grund und Boden 
gewählt wurde, auf dem einst die alten berühmten 
Fuldaer Schulen gestanden hatten. Am 30. Sep 
tember 1771 wurde von dem Fürstbischöfe Hein 
rich der mit dem Buchstaben A von außen be 
zeichnete Grundstein auf der Südseite, der Kloster 
pforte gegenüber gelegt; die in eine bleierne Tafel 
geschnittene und in diesen Stein nebst einigen 
Landesmünzen eingefügte Schrift lautet also: 
„Anno Christi MDCCLXXI die XXX mensis 
Septembris lapidem hunc posuit R mus ac C lmus 
8. R. I. Princeps ac Dominus D. Henricus VIII 
ex illustrissima familia de Bibra, Ecclesiae 
Fuldensis Episcopus et Abbas, per Germaniam 
et Galliam Primas, D. Augustae Archican- 
cellarius etc. etc. Qui, cum litterarum studiis 
meliorem tonn am restituere decrevisset, ut 
quibuslibet litterarum cultoribus subsidia 
summopere necessaria haud deessent, hanc 
domum erigi, et publico sumtu omnium facul- 
tatum libris instrui, atque universis patere 
voluit. Cuius memoria in benedictione sit“. 
Hiernach folgen die Namen der damals leben 
den 88 Fuldaischen Benediktiner mit den Be 
merkungen : 
„Hoc anno per universam Germaniam 
maxima supra hominum memoriam annonae 
caritas fuit. 230 librae siliginis vix 18 florenis 
emi potuere. 
His quoque temporibus plerique Principes 
catholici in corrigendis, restringendis minuen- 
disque Regularibus laborant. 
Rectane id mente fiat, an potius Ministrorum 
avaritia, odio et invidentia, aliave sinistra 
animi affectione? nos, qui Benedictini sumus, 
ipsimet iudices .esse nolumus. 
Aedificium hoc in parte occidentali vetustis- 
simi coemeterii fratrum, atque in ruderibus 
veterum scholarum Fuldensium, quo in loco 
posterioribus his annis hortulus erat, ex- 
struitur. Architectus est Carolus Philippus 
Arnd.“ 
Dem Professor P. Petrus Böhm wurde hier 
nach der Auftrag ertheilt, einen Plan zur inneren 
Einrichtung der Bibliothek zu entwerfen. Mit 
Eifer unterzog er sich unter dem Beistände des 
Superiors Karl von Piesport und des Geheimen 
Rathes Fischer dieser Aufgabe. Zugleich fertigte 
er ein alphabetisches Bücherverzeichniß und einen 
wissenschaftlichen Katalog an, außerdem stellte 
er noch ein Verzeichniß über 238 Doubletten 
und ein solches über 311 fehlende Bücher auf. 
Er hatte die Genugthuung, daß sein Plan den 
Beifall und die Genehmigung des Fürsten fand. 
Am 5. Mai 1776 war der Bibliotheksbau, 
der bis dahin 13,438 fl. gekostet hatte, so weit 
vorgeschritten, daß die aus 4204 Bänden be 
stehende Benediktinerkloster-Bibliothek, ferner 
1440 Bände aus der Hofbibliothek, 218 Bände 
aus der ehemaligen Jesuiten- und Seminariums- 
Bibliothek, 109 von dem Geheimen Rath Fischer 
und noch 140 von anderen Freunden der Anstalt 
geschenkte Bücher nach dem von P. Böhm ver 
faßten Schematismus in den Büchersälen aufgestellt 
werden konnten. Ueber diese Büchersammlung 
fertigte nunmehr Petrus Böhm einen fünffachen 
Katalog an, und zwar einen Catalogus manu- 
scriptorum, einen C. alphabeto-classicus, einen 
C. alphabeto-universalis, einen C. librorum, 
qui pluries adsunt und einen C. benefactorum. 
Später kamen noch fünf weitere Kataloge 
hinzu, und zwar Catalogus librorum notis ab 
erudita manu hinc inde illustratorum, C. 
virorum, qui libros notis illustrarunt, C. in- 
cunabulorum artis typographicae, C. librorum 
a typographiae principibus impressorum und 
C. librorum Fuldae impressorum. 
Am 23. Dezember 1777 erschien das fürstliche 
Dekret, die Bibliotheksregeln und die Instruktion 
für den Bibliothekar betreffend. An demselben 
Tage wurde Professor Petrus Böhm zum ersten 
Bibliothekar und der Benediktiner Kolumban 
Becker zu seinem Gehülfen ernannt. Nach der 
Bibliotheks-Ordnung sollte die Bibliothek jeden 
Dienstag, Mittwoch und Donnerstag von 9 bis 
11 Uhr Vormittags und 2 bis 4 Uhr Nach 
mittags für Jedermann offen stehen, und das 
zwar von dem Wintermonate an bis 14 Tage 
vor Ostern und von dem dritten Dienstag nach 
Ostern bis zu Anfang des Herbstmonats. 
Am 5. Mai 1778 wurde die Bibliothek im 
Namen des Fürstbischofs von dem Domkapitulare 
und Superior Benedikt von Ostheim in Gegen 
wart der Universitäts-Angehörigen und vieler 
anderer Theilnehmer aus allen Ständen unter 
Pauken- und Trompetenschall feierlich eröffnet. 
Der Bibliothekar Professor Petrus Böhm hielt 
eine lateinische Rede über den Zustand und die 
Schicksale der berühmten alten Fuldaischen Bib 
liothek und las darauf die allgemeine Bibliothek-
	        

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