Full text: Hessenland (4.1890)

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Gesungen und geschrieben von Mönchen ward das Lied, 
Hier von dem Waffenmeister, der durch die Lande Hehl, 
Von Hildebrand, dem trotzte sein Sohn, der Hadubrand, 
Rnd wie die Recken schwangen ihr Schwert mit starker Hand. 
Am Kampfe Lust und Freude hat ja der deutsche Mann, 
Wie's mancher hat bewiesen noch in des Klosters Bann, 
Doch mehr hat Gott Gefallen, er, unseres Lebens Licht, 
Der sein allmächtig „Werde"! laut in die Welten spricht, 
Daß Geistesnacht verschwinde, aufhöre böser Krieg, 
Und Christus, Fürst des Friedens, erringe Macht und Sieg, 
Rnd Gott hat wohl behütet die Stätte, wo Rhaban 
Vor mehr als lausend Jahren dem Lichte brach die Kahn. 
Du, die geweihte Stätte, Du, 
Die wie mit lauter Stimme 
Kommt her, ihr Völkerhirten 
Es strömt aus heiliger Duelle 
Marburg. 
Db mit der Zeiten Wechsel stch wandelt Art und Brauch 
Rnd Altes weicht dem Reuen, oftmals zum Schaden auch —, 
In Fulda gilt noch immer, was sich hat wohl bewährt, 
Hier wird das Gold, das alte, allzeit noch hoch geehrt. 
Es wollte Fulda nimmer abhold dem Fortschritt sein, 
Rnd nicht in alte Schläuche eingießen neuen Wein, 
Fest steht fürwahr das Eine, fort lebt Rhabanus' Geist, 
Rnd unter deutschen Schulen blüht Fulda noch zumeist. 
Ist doch nach Fuld gerichtet aus deutschem Land der Blick, 
Dich hat die Zeit geweihet, begünstigt das Geschick, 
Drum pilgern und wallfahren so viele hin nach Dir, 
Rnd ehrfurchtsvolle Grüße nimm, theure Stadt, von mir. 
des Apostels Gruft, 
in in die Lande ruft: 
naht mir von nah und fern! 
hier Geisteskraft vom Herrn. 
H. Hh. Aithmar. 
Hie ältesten Kirchen im Kochstifte Uulöa. 
Vortrag, gehalten in der Jahresversammlung des Vereins für hessische Geschichte und Landeskunde 
zu Fulda am 15. Juli 1890. 
Von Vsursth Friedrich Hoffrnann. 
(Schluß.) 
Die Kirche zu Rasdorf. 
Von Fulda in nordöstlicher Richtung etwa 
2& Kilometer entfernt liegt an der alten be 
deutenden Handelsstraße, welche von Frankfurt 
über Fulda und Eisenach nach Leipzig führt, in 
einer anmuthigen hügeligen Gegend, die noch 
den nördlichen Ausläufern der Rhön angehört, 
im Flußgebiete der Werra, das freundliche 
Pfarrdorf Rasdorf. Die daselbst befindliche 
ansehnliche, zu Ehren des hl. Johannes und 
der hl. Eäcilia geweihte, frühere Stiftskirche 
macht sich weithin durch ihren 54 Meter (etwa 
188 Fuß) hohen Thurm bemerklich. Derselbe 
steht auf der Durchschneidung des Langhauses 
und des Querschiffes und ist sonach ein Vierungs 
thurm, dessen Konstruktion, da er mit seiner 
Westseite nur auf zwei Pfeilerbündeln von etwa 
1,5 Meter Durchmesser ruht, zwar eine kühne 
ist, sich aber doch seit mindestens sechs Jahr 
hunderten gut bewährt hat. Westlich schließt 
sich an den Thurm ein dreischiffiges flachgedecktes 
Langhaus an; das westliche Joch des Mittel 
schiffes wird durch einen gruftartigen Einbau 
eingenommen. Das an die gewölbte Vierung 
sich anschließende Ouerschiff ist flachgedeckt, während 
die Vierung selbst und der nach Osten gerichtete, 
mit drei Seiten eines Achtecks geschlossene Chor 
überwölbt sind. 
Der jetzige Vau gehört sehr verschiedenen 
Zeiten an und zeigt eine durch mehrere Jahr 
hunderte reichende Baugeschichte. Bei dem Mangel 
von Urkunden und Inschriften läßt sich das 
Alter der einzelnen Theile nur an der Hand 
der vergleichenden Kunstgeschichte und nur an 
nähernd bestimmen, was hiermit versucht werden 
soll. 
Der älteste Theil ist der gruftartige Einbau 
im westlichsten Joche des Mittelschiffes, welcher 
entschieden noch der romanischen Zeit angehört. 
Er öffnet sich mit zwei Säulen und drei Arkaden 
nach dem Mittelschiff; nach den Seitenschiffen 
öffnete er sich mit je einer jetzt zugemauerten 
Arkade. Die Sohle der stämmigen, einschließlich der 
Kapitüle nur etwa 2 Meter hohen beiden Säulen 
der Ostseite, deren Schäfte sanft geschwellt sind, 
liegen jetzt 55 Cm. tiefer, als der später erhöhte 
Fußboden der Schiffe. Die Basen der Säulen 
ähneln der attischen Basis; jedoch ist auch die 
unterste Platte kreisrund, somit ohne Eckblätter 
und nicht quadratisch. Die Kapitäle sind mit 
einer Reihe niedriger akanthusartiger Blätter, 
sowie mit allerlei rohen Thier- und Menschen 
figuren verziert. Während die Deckplatte der 
einen Säule einfach profilirt ist. befindet sich an 
der Deckplatte der anderen Säule ein aus 
stehenden Blättern und Rosetten bestehendes 
Ornament. Diese Säulen, und namentlich deren 
Kapitäle, machen einen höchst altertümlichen 
Eindruck, so daß man versucht sein könnte, 
denselben ein ungewöhnlich hohes Alter zu-
	        

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