Full text: Hessenland (4.1890)

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einer Anzahl von Mitgliedern nicht zu; diese traten 
aus und bildeten den Verein der „Blau-Rothen-, 
aus dem sich dann am 20. Juni 1825 das Korps 
„Teutonia- mit den Farben blau-gold-roth und 
dem Wahlspruche: „Einer für Alle, Alle fürEinen- 
aufthat. Der Stifter dieses Korps waren es zehn: 
die Studiosen W. PH. Burchhardi aus Oberkaufungen, 
K. F. Schantz aus Neukirchen, Wilhelm Lotz aus 
Wickerode bei Jesberg, E. G. F. Scherer aus Langen 
selbold, Theodor Stöber aus Neukirchen, Ludwig 
Schantz aus Raboldshausen, Karl Scherer aus Langen 
selbold, Eduard Gross aus Laasphe, W. Th. Göbell 
aus Schönbach und Rafsin von Elberberg, zu denen 
im Laufe des Semesters noch die Studiosen Gustav 
Kraushaar aus Almerod, Andreas Henkel aus 
Fulda und Karl Scheffer aus Merxhausen hinzu 
traten. Von allen diesen lebt unseres Wissens 
heute nur noch der praktische Arzt Hofrath Dr. Groos 
zu Laasphe. Der erste Senior des Korps war der 
Theologe Burchhardi, der nach Amerika ausgewandert 
und früh dort verstorben ist. — Das Korps blühte 
rasch auf, in seinen Satzungen war ganz besonderes 
Gewicht auf einen gesitteten Lebenswandel gelegt, und 
da die Mitglieder dieser Bestimmung streng nach 
kamen, sich auch, ohne dabei dem flotten Burschen 
leben aus dem Wege zu gehen, durch Fleiß uud 
Solidität auszeichneten, im übrigen die mit dem 
Korpsleben einmal verbundenen Obliegenheiten ge 
treulich erfüllten, wacker paukten und in allen Fällen, 
wo es darauf ankam, Mannesmuth und Charakter 
festigkeit bewiesen, wie sich dies für einen deutschen 
Korpsstudenten geziemt, so konnte es nicht fehlen, 
daß das Ansehen der Teutonia ebenso bei den 
Professoren und in den gesellschaftlichen Kreisen wie 
bei der Studentenschaft immer mehr zunahm. In 
jedem Semester erfreute sich das Korps eines guten 
Zuwachses Neueintretender, ganz besonders waren 
es die von Hersfeld kommenden Studierenden, welche 
in den ersten Jahren fast ausschließlich bei den 
Teutonen einsprangen. 
Kurz nach Stiftung der Teutonia löste sich das 
Korps Rhenania auf. An seiner Stelle erstanden 
bald neue Verbindungen, die Lananen, Hanoven, 
Markomannen, Vandalen, Schaumburger, sodaß zu 
Anfang der dreißiger Jahre auf der damals kaum 
400 Studenten zählenden Universität Marburg 
gleichzeitig, einschließlich der Burschenschaft, neun 
Verbindungen bestanden haben sollen, die alle Satis 
faktion gaben. Seltsam nach unseren heutigen Be 
griffen muß aber das Verbindungsleben damals in 
Marburg gewesen sein. Eigene Korpskneipen gab 
es nicht, man kneipte bald hier bald da, nur die 
Burschenschaft hatte ihre besondere Kneipe in der 
Runkel'schen Wirthschaft in Weidenhausen; es existirt 
davon heute noch ein allerdings sehr selten gewordenes 
Bild, welches die Mitglieder der Marburger 
„Germania- darstellt. An den Sonn- und Feier 
tagen wurde Nachmittags der Pfeisfer'sche Garten 
besucht, und sich daselbst mit Anstand zu langweilen 
gehörte einmal zum guten Tone. Ueberhaupt waren 
die Vergnügungen, welchen sich die Marburger Studenten 
in der damaligen Zeit Hingaben, so bescheidener Natur, 
daß sie mit den diesen heute zu Gebote stehenden 
gar nicht verglichen werden können. 
Im Sommersemester 1832 nahm das Korps 
Teutonia die Farben blau-weiß-roth an; es geschah 
dies, wenn wir recht unterrichtet sind, in Folge der 
Vereinigung mit der Markomannia. Im Winter 
semester 1834/35 trat dann an Stelle dieser Farben 
blau-weiß-gold und im Sommersemester 1839 kam 
man wieder auf die ursprünglichen Farben in der 
Zusammenstellung von blau-roth-gold zurück, nachdem 
das Korps in Folge von Differenzen mit den 
„Hessen- und „Westfalen-, die sich gleichfalls auf 
lösten, auf kurze Zeit seine eigene Suspension ver 
fügt hatte. Als im Wintersemester 1840/41 von 
Neuem Zwistigkeiten zwischen den Teutonen und den 
im Sommersemester wieder aufgethanem Korps 
„Guestphalia-, mit welchem die „Hasso-Nassoven- 
(gestiftet am 15. Juli 1839) zusammenhielten, ent 
standen waren, bildete sich aus der „Teutonia- ein 
neues Korps, die „Alemannia-, die aber, nachdem 
jener Zwiespalt beglichen war, sich wieder mit der 
Teutonia vereinigte. Letztere nahm nun wieder die 
Farben blau-weiß-gold an. 
Eine Aenderung der Richtung der „Teutonia- im 
Sommersemester 1842, veranlaßt durch die Studiosen 
Heinrich Fick und Ernst Roßteuscher, hatte zur Folge, 
daß eine Anzahl Korpsburschen aus der Teutonia 
austrat und unter Führung des sich großen Ansehens 
in der Studentenwelt erfreuenden Studiosus Emmerich 
Berner ein neues Korps „Markomannia- aufthat, 
aus dem dann 1843 die „Hassia- entstand, die aber 
trotz ihres forschen Auftretens in ihren ersten 
Semestern schon im Winter 1845/46 aus dem Korps- 
verbande ausschied. Daß die Bewegungsjahre vor 
1848 dem Korpsleben besonders günstig gewesen 
seien, wird Niemand behaupten wollen. Wie bei 
verschiedenen Korps auf anderen Universitäten, so 
blieb die damals herrschende Richtung auch auf die 
„Teutonia" in Marburg nicht ohne Einfluß. 
Neuerungen, wie Kürzung der Renoncenzeit u. s. w., 
die im Sommersemester 1645 unter dem Seniorate 
Vockenberg's eingeführt worden waren, hatten nur eine 
sehr kurze Dauer, schon im nächsten Jahre kehrte man zu 
den altbewährten Einrichtungen des Korps zurück. Im 
Wintersemester 1852/53 führte das Korps wieder 
die alten Farben blau-roth-gold ein, bei denen es bis 
jetzt verblieben ist. Im Jahre 1862 erwarb die Teutonia 
mit Hilfe ihrer alten Herren an der Nordseite des 
Schlosses (Hainweg 4) eine eigene Kneipe, in welcher 
sie sich 1687/88 ein ebenso komfortables wie gemüth 
liches Heim schuf. Ein Streit mit den Hasso-Nassoven 
um den Vorrang des Alters wurde von dem Kösener
	        

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