Full text: Hessenland (4.1890)

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gegangen war, ebenfalls wieder von da zurück, so 
daß der Feind nicht die geringste Ahnung davon 
hatte in solcher Weise beobachtet worden zu sein. 
Aus Heimach und Fremde. 
Das Korps „Teutonia" in Marburg. 
Vom 1. bis 4. des Monats August feierte das 
Korps „ £eutonia“ zu Marburg in herkömmlicher 
solenner Weise sein Stiftungsfest, das 65. Ein 
alter Herr, der Gymnasial-Oberlehrer a. D. 
G. Th. Dithmar, ein treuer Anhänger des Korps, vor 
60 Jahren Konsenior desselben, hat die Feier, welche 
einen nach jeder Richtung hin zufriedenstellenden 
Verlauf genommen, in einem größeren Gedichte in 
Hexametern besungen, dessen Anfang und Schluß wir 
hier wiedergeben: 
Möchtest Du hören Bericht von Festen in Marburg 
gefeiert, 
Nun so wisse, das Korps Teutonia war es, das neulich, 
Als gekommen in's Land der Monat erfreuender Ernte, 
Seine Stiftung gefeiert in unvergeßlichem Jubel. — 
Sechs Dezennien schon und fünf schöne Jahre vergingen, 
Seit eine auserlesene Schar aufstrebender Jugend, 
Die ein gesittetes Leben in ihrem Kreise bezweckten, 
Sich vereinte zum Korps und die köstlichsten Farben 
erwählte: 
Bläue des tagenden Morgens und Goldglanz der 
leuchtenden Sonne, 
Und dazu noch das Roth, wie es schimmert in 
Wolken des Abends. 
Freitags der Anfang. Es setzten die Wagen an 
kommender Züge 
Wohlbehalten so viele der Alten auf Marburgs ge 
segnete Erde 
Froh von harrender Jugend begrüßt und vom Bahn 
hof geleitet. 
„Herrliches Marburg und Schloß Du und Thürme 
der Kirchen, 
„Einstmals alltäglich geschaut, euch schaue ich wieder." 
Und wie aus dem leuchtenden Meere taucht hell die 
Erinnerung 
An die schönste Zeit, die frohen Semester in Marburg. 
Worte des Jubels erklangen gar manchem Mund bei 
dem Einzug; 
Fand auch das Auge nicht mehr der alten Häuser 
' so manches, 
Die den Neubauten gewichen, wie Pilze entstanden 
der Erde. 
Herzlich war das Wiedersehen des Freunds mit dem 
Freunde, 
Mit dem Leibburschen des Leibfuchs vor'm Viertel 
jahrhundert, 
Mit seinem Sekundant der Paukant, als lustig er 
klangen die Schläger, 
Und zur Decke hinauf des Gegners Blutstrom ent- 
spritzte. 
Gegenüber stand jetzt der Arzt befreundetem Arzte, 
Einstmals hatten die Beiden zusammen bei Nasse gehöret, 
Bei Herrn von Heusinger auch am Krankenbette ge 
standen, 
Des Patienten Pulsschlag gefühlt und diagnosiret, 
Gleich und brüderlich tauschten sie aus erwachte 
Gefühle. 
Nördlich hinter dem Schloß liegt ein Garten mit 
herrlicher Aussicht 
Unten in's Thal und hinauf zu der Kirchspitz und 
Nachbarin Minne, 
Und ein Haus wie ein Schloß, selbst Fürsten könnten 
drin wohnen, 
Steht in dem Garten mit ragendem Thurm und 
mit Sälen, 
Die des Abends das Korps zur fröhlichen Kneipe 
vereinen. 
Dorthin zogen die Alten zunächst, von der Jugend 
geleitet; 
Dort war neue Begrüßung und dort Belebung der 
Geister, 
Dort Erfrischung der Kraft. — — — — — 
Der Verfasser, welcher, das silberweiße Haupt be 
deckt mit der blau-roth-goldenen Korpsmütze, das Fest 
nach Kräften getreulich mitgemacht, schildert uns nun 
den Verlauf desselben und schließt sein Gedicht mit 
folgenden Versen: 
Möge Euch Epigonen noch lange die Festzeit erblühen 
Ja erbliih'n in Ehre und Sitte, in Glanz und in 
Segen 
Und im Genusse der Freuden, wie sie der Jugend 
geziemen! 
Denket der Alten dann auch, die zerstreut in dem 
Erdenschoß schlummern! 
Was Ihr seid, das waren sie einstmals, und was 
sie nun sind, 
Werdet sein Ihr dereinst. Gott spende uns Allen 
den Frieden! — 
Das 65 jährige Stiftungsfest der Teutonia gibt 
uns Anlaß, einen kurzen Rückblick auf die Geschichte 
dieses renommirten Korps, des ältesten in Marburg, 
zu werfen, soweit wir dies, wenn auch außerhalb 
dieses Korps stehend, aus eigenen Wahrnehmungen 
in den vierziger Jahren, sowie auf Grund von Mit 
theilungen seitens älterer und jüngerer Mitglieder 
der Teutonia im Stande sind. 
Zu Anfang dieses Jahrhunderts bestanden auf der 
Universität Marburg drei Landsmannschaften: die 
„Hassia", die „Guestphalia" und die „Rhenania", 
aus denen später die gleichnamigen Korps hervor 
gingen. Die Verbindung „Teutonia", welche kurz 
nach den Freiheitskriegen gegründet worden war, 
huldigte mehr den burschenschaftlichen Prinzipien und 
ging nach kurzem Bestehen in der Burschenschaft 
„Germania" auf. Die Richtung, welche die letztere 
in der Mitte der zwanziger Jahre verfolgte, sagte
	        

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