Full text: Hessenland (4.1890)

Hie ältesten Kirchen im Kochstiste Uulöa. 
Vortrag, gehalten in der Jahresversammlung des Vereins für hessische Geschichte und Landeskunde 
zu Fulda am 15. Juli 1890. 
Von DsurM Friedrich Hossmsnn. 
(Fortsetzung.) 
Die Kirche auf dem Petersberge. 
Nordöstlich von Fulda, etwa 3 Kilometer ent 
fernt, erhebt sich eine Basaltkuppe, um welche 
herum das Dorf Petersberg gelagert ist. Auf 
derselben steht eine Kirche, die weniger durch 
ihre Größe, als durch ihr Alter und ihre Bau 
formen ehrwürdig und bemerkenswerth ist. Hier 
hatte bereits Sturmius ein Kirchlein erbaut. 
Rhabanus Maurus, der nach dem Tode Eigil's 
im Jahre 822 zum Abte von Fulda erhoben 
wurde, vollendete den bereits von dem Nachfolger 
des hl. Sturmius, dem Abte Baugulf im achten 
Jahrhunderte begonnenen Bau einer größeren 
Kirche. Auch ein Kloster errichtete Rhabanus 
an der Nord- oder an der Westseite dieser Kirche, 
in welchem er selbst, nachdem er der Abtswürde 
entsagt hatte, bis zu seiner Ernennung zum 
Erzbischof von Mainz einsam und zurückgezogen 
den Wissenschaften lebte. 
Der jetzige Kirchenbau besteht aus Theilen, 
die zu verschiedenen Zeiten hergestellt sind und 
wiederholt Aenderungen erfahren haben. Dem 
ersten Bau des Rhabanus Maurus gehört un 
bestreitbar die Krypta an, welche aus neben 
einander liegenden Tonnengewölben und aus einem 
davor quergelegten, an den Felsen gelehnten, 
ebenfalls überwölbten Gange besteht. Die Ge 
wölbe sind von geringer Spannweite, höchst ein 
fach und schmucklos, sie »beweisen, daß ihren 
Erbauern das Ueberwölben größerer Räume noch 
unbekannt war. Dem ersten Bau mag auch noch 
der untere Theil der übrigen, in jeder Hinsicht 
sehr unregelmäßigen auf dem Felsen errichteten 
Außenmauern der Kirche angehören. Die Spitze 
der Basaltkuppe ist, wie die 1889 ausgeführten 
Herstellungsarbeiten ergeben haben, im Lang 
hause der Kirche noch vorhanden. Dasselbe ist 
in spätgothischer Zeit erneuert und mit einem 
jetzt wohl 350 Jahre alten nur aus Vvllge- 
binden von Eichenholz bestehenden bemerkens- 
werthen Dachstuhl versehen worden. Dem 
früheren romanischen Langhause werden die Ge- I 
simse mit Schachbrett-Ornament angehört haben, 
welche bei den vorjährigen Arbeiten zu Tage 
gefördert worden sind und jetzt in der Krypta 
aufbewahrt werden, ebenso wie spätgothische 
Fenstermaaßwerke, von denen jetzt nichts mehr 
in der Kirche zu sehen ist. Sowohl das Mauer 
werk des Westthurmes wie das des Vierungs 
thurmes gehört der romanischen Zeit an. 
Von großem künstlerischen und geschichtlichen 
Interesse sind fünf jetzt sämmtlich im Innern 
der Kirche befindliche Reliefs, welche den auf 
dem Erdrund thronenden Heiland, die auf einem 
Throne sitzende Jungfrau Maria mit dem Jesus 
kindlein auf dem Arme, den hl. Bonifatius und 
zwei Könige, die auf mit Thierköpfen gezierten 
und mit Füßen versehenen Thronen sitzen, darstellen. 
Die Königsbilder sollen Karlmann und Pipin 
vorstellen. Die Bilder des Heilands und des 
hl. Bonifatius sind geradlinig umrahmt, die 
beiden Königsbilder aber rundbogig abgeschlossen. 
Während die letzteren mit einem einfach profilirten 
Gesimse umgeben sind, sind die Bilder des 
Heilands, der Maria und des Bonifatius mit 
breiten reichgezierten laufenden Ornamenten ver 
sehen. Die Köpfe der sämmtlichen Figuren sind 
mit Heiligenscheinen umgeben. Der Faltenwurf 
der Gewänder und die Verzierungen derselben 
zeigen bei sämmtlichen Figuren große Aehnlich- 
keit, wie auch die Lilien, welche Maria in der 
rechten Hand und die beiden Könige in der 
linken Hand halten, gleichartig gestaltet sind, so 
daß unzweifelhaft sämmtliche fünf Reliefs aus 
derselben Zeit und aus einer Werkstütte stammen, 
welche wir, da hiesiger Sandstein verwendet ist, 
wohl auch hier in Fulda zu suchen haben werden. 
An den Bildern des Heilands und der Maria, 
die stets im Innern der Kirche sich befanden, 
ist die ursprüngliche Bemalung, welche in unge 
brochenen ganzen Farbentönen, namentlich in 
Roth und Grün ausgeführt war, noch deutlich 
zu erkennen, während die drei anderen Stein 
bilder, die bis zum vorigen Jahre am Aeußeren
	        

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