Full text: Hessenland (4.1890)

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boten, 1683 für Messing- und Eisen-Drahtwaaren 
„auf Gesuch sämbtlicher Nadler allhier unterthänigst 
klagend vorgebracht- „da außländische und ein 
heimische Hausirer, Krämer und Juden mehrentheils 
untaugliche in Fremden Landen gefertigte Draht 
waaren ins Land brächten und den mit großen Kosten 
hergestellten Drahthütten merklich großen Abbruch 
thäten und den Nadlern die Nahrung gänzlich ent 
ziehen, das Brod gleichsam vor dem Munde weg 
nehmen würden — Bei Strafe von 100 fl." Ferner 
wurde 1685 die Einfuhr von Wollwaaren aller Art 
verboten, nachdem die Wolltuchmacher sich beklaget 
und gefordert die gleichen Verbote von 1634, 
1657 und 1664 wieder erneuern zu wollen, weil 
sich vom „Wollkammen, Spinnen auch anderer zu- 
arbeitung viele hundert Menschen bishero haben nähren 
können und die Landes Onera mittragen helfen." — 
Wie weit bis ins Kleinste sich die landesväterliche 
Fürsorge erstreckte sehen wir an dem der Wittwe 
Cath. Elis. Hermann auf drei Jahre ertheilten 
Privilegium des alleinigen Brandes und Verkaufes, 
der mit einem Löwen bezeichneten Tabakspfeifen, mit 
dem Bedinge, daß besagte Wittwe ohntadelhafte Waare 
liefere und zwar in wohlfeilerem Preis wie die 
„Frembden Tobackspfeiffen" und „befehlen demnach 
unsern allen Beamten hiermit gnädigst und wollen, 
daß hinkünftig keine fremden Tobackspfeiffen, welche 
nicht in unserer Stadt Cassel gemacht und mit dem 
Löwen bezeichnet sind, in unserem Lande verstattet 
werden- — „Also wird der Handel mit frembden 
lobackspfeiffen nach dem letzten April hiermit aller 
dings und zwar mit dieser Verwarnung verboten, 
daß so Jemand nach solcher Zeit hierwider zu handeln 
sich gelüsten lassen würde, derselbe nicht allein mit 
willkürlicher Strafe belegt, sondern auch die bei ihm 
befindlichen frembden Dobackspfeiffen conüscird werden 
sollen, wonach sich Jeder zn achten. Residenz 
Cassel 1684 den 30. Dec.“ 
Wie schon gesagt, war zu Anfang des Jahr 
hunderts der Werth des Geldes sehr schwankend, und 
er blieb es auch, dazu kamen noch die vielerlei 
Prägungen im ganzen deutschen Reich, Kaiser und 
alle Fürsten, Bischöfe und Aebte, Grafen und Reichs 
unmittelbare und zuletzt die große Zahl freie Reichs 
städte, jeder prägte seine eigne Münze. Daher waren 
die Münz-Verordnungen sehr häufig aus wirthschaft- 
lichen, auch aus politischen Gründen. So wurden 
in der Verordnung von 1691 55 verschiedene 
Münzarten für vollwerthig in^Hessen erklärt, die 
übrigen aber seien innerhalb vier Wochen in der 
fürstlichen Münze zu Kassel abzustempeln, gegen Er 
legung eines Hellers vom Gulden, „sonsten aber, da 
solche nicht innerhalb obgedachter, vierwöchiger Zeit 
abgestempelt sind, in unsern Fürstenthümer und 
Landen nicht ausgegeben auch angenommen werden 
sollen, jedoch sind hierunter die Abt-Oorve^ischen und 
andern Wittgensteinischen nicht verstanden, sondern 
bleiben nach wie vor gänzlich verrufen und haben 
unsere Unterthanen sich solcher obgedachter Münzen 
innerhalb der obgedachten Zeit gänzlich abzuthun 
und solche aus unseren Landen wegzuschaffen.- — 
Schon 1693 kam ein weiteres Verbot, das sich erstreckte 
auch auf die Sachsen-Lauenburgischen Münzen, 
„alldieweil sich aber bei beschehener Probe befunden, 
daß Theils fokfja’ Sachsen-Lauenburgischen Sorten 
gar schlecht und Beyschläge sind, dieserwegen auch 
der Verlust auf 100 Thaler Currant höher als 40 
Thaler sich erstreckt," deshalb wurde befohlen, „daß 
solche sofort nach Publication dieses, ohne Unterschied 
in unseren Länden nicht weiter passiren, ausgegeben 
und angenommen werden sollen" —. Diese un 
sicheren Geldwerthe beeinflußten auch die Preise der 
Landesprodukte, ein Verzeichniß der Uebergabe des 
Inventars auf der heutigen Domäne Cornberg vom 
23. April 1685 zeigt, daß in der Zeit nicht wie 
heute ein Geldwerth des Inventars angenommen, 
sondern die Zahl der Stücke von Vieh, Wagen 
und selbst Hausgeräth aufgezeichnet, bei einer 
späteren Abgabe das Mehr oder Weniger in 
Geld berechnet und ausbezahlt wurde, so z. B. 
ein Rind mit 6 fl., ein Schaf 1 fl., ein Spreu 
korb 8 Heller, ein Sensenstein dagegen mit 
2 Albus. — Aus einem 1660 von Joh. Phil. 
von Baumbach mit seinem Schafmeister abgeschlossenen 
Miethkontrakt geht hervor, daß der Natural-Lohn 
des Schäfers, dem heutigen Tages fast gleichkommt, 
10 l / 2 Mit. Roggen, 10 Mtz. Weitzen, 10 Mtz. Erbsen, 
2 Mtz. Lein gesät, 1 Sattel Kraut, 1 Sattel Rüben, 
6 Mlt. Holz und 60 Stück Schafvieh, auch eine 
Kuh gefüttert. Der Werth der Schafe ist durch 
schnittlich auf 3^2 Kopfstücke festgesetzt. Für An 
fertigen uud Ausbessern der Schafhürden soll der 
Schäfer Essen und Trinken haben, an Geldlohn aber 
nur 4 Thlr. pr. Jahr. 
Tief eingreifend in das wirthschaftliche Leben da 
maliger Zeit waren auch die seuchenartig auftretenden 
Krankheiten; die Pest, der.schwarze Tod genannt, 
hielt Umzug von Stadt zu Stadt, die Pocken, selbst 
die Cholera, alle finden sich in großen Folio-Bänden 
beschrieben, aber die Heilkunst stand ihnen machtlos 
gegenüber, so wurden denn Gesetze erlassen, die An 
steckung zu hindern. Im Jahre 1666 erließ Land 
gräfin Hedwig Sophie ein Absperungsverbot der 
hessischen Lande gegen die Gebiete des Rheins und 
der Pfalz weil die Pest daselbst ausgebrochen; und 
weiter befiehlt Landgraf Karl 1682: „Alldieweil 
leider bekannt, was maßen die Contagion und Seuche 
der Pestilenz unserm Fürstenthumb und Ländern sich 
zu näheren beginnt, deswegen denn die hohe Noth- 
durst und eines Jeden Bestes Angelegenheit erfordert, 
daß ein jeder Hausvater mit den Seinigen sowohl 
in Städten als uffm Lande, in Flecken und in Dorf- 
schaften sich auf ein halbes Jahr mit notthürftigen Meel 
und Salz in seinerHaushaltung proviantire u. versehe—
	        

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