Full text: Hessenland (4.1890)

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Vogelsberg und einzelne Theile der Wetterau, wurde 
das Material durch die Sammlungen von Haine 
bach. Ebenso sind noch die Sammlungen von 
Philipp Dieffenbach und die mundartlichen 
Studien Kehreins verwerthet. Zur Darstellung des 
Zusammenhangs mit den Nachbarmundarten sind die 
Schriften von Vilmar, Schmeller, Firmenich, 
Diehl, E. Brie gieb, P. I. Rottmann, Malß 
benutzt worden. Von urkundlichen Veröffentlichungen 
sind besonders verwerthet solche von Baur, Rieg er, 
G. Frhr. Schenk zu Schweinsberg, A. Wyß, 
ergänzt durch Auszüge von alten Drucken durch 
Birlinger. Interessant sind auch noch besonders 
die Mittheilungen über die Bezeugung und literarische 
Anwendung der wetterauischen Mundart. Dieselbe 
wird zum ersten Male erwähnt im Renner Hugos 
von Trimberg um 1300, wo angegeben wird, daß 
die „Wetexeiber" ihre Wörter „würgent". Zahlreiche 
wetterauische Wörter bot auch das Wörterbuch von 
Erasmus Alberus (ersch. Frankfurt 1540), geb. 
zu Sprendlingen in der Dreieich, Lehrer zu Ober 
ursel, später Pfarrer zu Staden i. d. Wetterau. Von 
neueren literarischen Anwendungen nennen wir den 
„Spenglermeister Bimbächer" (Gießener Lokalposse), 
sowie die Gedichte von P. Geibel und Friedrich 
von Trais. (Letzterer, dessen Name pseudonym, ist 
auch dem „Hessenlande" nicht unbekannt.) 
Als besonders willkommene Zugabe erscheinen die 
dem Vorwort (p. XXIV) beigefügten Proben aus 
Weigands mundartlichen Gedichten und Erzählungen, 
von denen zum ersten Male hier (p. VIII—X) eine 
sorgfältig zusammengestellte Uebersicht gegeben wird. 
Verschiedene von Weigands mundartlichen Gedichten 
sind zu Volksliedern im wahren Sinne des Wortes 
geworden. Das Volk hat sie aufgenommen, singt sie 
im Hause und im" Felde, bei der Kirchweihe und in 
der Spinnstube, ohne zu wissen, wer der Verfasser. 
Sie sind Eigenthum des Volkes, sie sind echte Volks 
lieder geworden. Gerade hierin besteht *ihr unver 
gänglicher Werth. Weigand hat einst — es sind 
jetzt 16 Jahre her — den Ref. versichert, daß die 
Herausgabe seines Deutschen Wörterbuches ihm nicht 
mehr Freude bereitet habe, als einst eine Unterredung 
mit einem Bauernburschen, den er behufs dialektischer 
Forschung ansprach, und der ihm hierbei, ohne zu 
wissen, wer der Verfasser, wer überhaupt Weigand 
wäre, „D's Ammiche, mainh Schätzt- sang: 
„Ihr sollt ämol mainh Ammi sihnh, 
Doas Madche hott sainh Mucke! 
Sann wann dou mahnst, säi wär' näit schihn, 
Do wirscht de daich vergucke. 
Doas eaß ämol ä Mensch, däi hott 
Dr Backe wär ä Ruse, 
'Rn Hals wäi Healfebahnh, waß Goatt! 
Sann woas könn säi keschmuse. 
Oach Ammiche, mainh Ammiche! 
De beast eann blaist mainh Schätzt! 
Geall Ammiche, läib Ammiche, 
De geäst mer noch ä Schmätzi!" — 
Wir können es uns nicht versagen, hier wenigstens 
die Anfangsstrophe von „D's Läidche von d'r 
Wearrerah" zu bringen: 
„Die Wearrerah, die Wearrerah, 
Däi eaß vom deutsche Reich die Ah! 
Do wihst d'r Wahß eann Gehrscht eann Koarn, 
Eann ahch die. Rus ohm Heckedoarn, 
Eann uff de Äppelbehm d'r Wein 
So gout aß wäi e kimmt vom Rhein. 
Die Wearrerah soll leawe!" — . 
Das oberhessische Wörterbuch, dessen erste Lieferung 
mehr als ein Fünftel des ganzen Werkes beträgt, und 
das in vier Lieferungen, wie diese, vollendet werden 
wird, erscheint als höchst werthvoller Beitrag zur 
deutschen Sprachwissenschaft und Lexikographie. Einen 
besonderen Vorzug des Werkes möchten wir darin 
erblicken, daß dasselbe durch die methodische Behand 
lung des Sprachmaterials nicht nur dem Germanisten, 
sondern auch dem Laien einen lehrreichen und an 
ziehenden Stoff bietet, wenn auch der eine oder andere 
Sprachgelehrte die Anwendung der neueren Phonetischen 
Schreibung vermissen sollte. 
Laubach, 22. September 1890. 
Dr. August Roeschen. 
Verlag von Mlekw. Achtel, Buchdruckers!, 
Kassel, Schloßplatz 4 
Historisch-genealogisches Handbuch 
Über alle Linien des 
ausgearbeitet von 
Kacoö ß. tz. Koffrneister. 
(1861.) 
Di« DichswchM. 
Im Auftrag des landwirthschaftl. Centralvereins 
für den Regierungs-Bezirk Kassel 
populär dargestellt von 
D. scilmekz, 
Königl. Departements-Thierarzt unv Veterinär-Assessor. 
(1878.) 
Inhalt der Nummer 20 des „Hessenland": „Heinz 
voll Lüder", Gedicht von Dr. Karl Kuhn; „Zur Geschichte 
des Renthofs in Kassel", von K. Reuber (Schluß); „Aus 
dem alten Kassel: das Kleingewerbe vor 60 Jahren im 
Vergleiche zur Jetztzeit", von W. Rogge-Ludwig; „Eigen", 
Gedicht von Karl Preser; „Arme Kinder", Gedicht von 
Th. Keiler; Aus alter und neuer Zeit; Aus Heimath und 
Fremde; Hessische Bücherschau; Anzeigen. 
Herausgeber und verantwortlicher Redakteur: F. Zw eng er in Fulda, Druck und Verlag von Fried r. Scheel in Kassel.
	        

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