Full text: Hessenland (4.1890)

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endlich sich auch noch das Hauptkorps formiren konnte. 
Hierauf gingen General Grey und Oberst Agnero 
der englischen Garde mit der Reserve rechts und 
links um Germantown sich herumziehend, ihrerseits 
zum Angriffe vor, faßten den Feind in die linke 
Flanke und zwangen ihn dadurch um so mehr mit 
großem Verlust sich eiligst wieder zurückzuziehen, 
da mittlerweile durch die fortgesetzte hartnäckige Ver 
theidigung des Obersten Musgrave in Tews-Plantage 
verschiedene Abtheilungen der amerikanischen Milizen 
in der Dunkelheit aus Mißverständniß sich unter ein 
ander selber zu beschießen angefangen hatten, wodurch 
eine große Verwirrung unter denselben eingerissen 
war. Jndeffen hatte das englisch-hessische Korps in 
Folge jenes überraschenden Angriffes einen Verlust 
von mehr als 300 Getödteten und Verwundeten er 
litten, und zwar an Getödteten die Brigadiers Lord 
Agnero und Oberst Bird, an Verwundeten den hessischen 
General von Stirn und Oberst von Wurmb, ein 
Verlust, der sehr leicht hätte vermieden werden können, 
wenn General Howe nicht aus allzu großer Gering 
schätzung des Feindes alle ihm zeitig von dessen 
beabsichtigten Angriffe von verschiedenen Seiten her 
zugegangenen Nachrichten verächtlich gänzlich unbe 
rücksichtigt gelassen hätte. 
XVI. Auf Vorposten bei Piskataway 1777. 
Während der Winterpostirung des Korps des Generals 
Cornwallis in der Gegend von Neu-Braunschweig im 
Winter 1777/78 hatten die Amerikaner schon an 
zwei Morgen hintereinander, die bei Piskataway und 
Powentowe postirten hessischen Jäger-Pikets alarmirt, 
weshalb man sehr auf seiner Hut war. Dessen 
ungeachtet trug sich am Morgen des dritten Tages 
doch folgender Vorfall zu. Obgleich die vor Tages 
anbruch über die Postenkette hinaus vorgesendeten 
Kundschaftspatrouillen die Gegend auf das sorgfältigste 
abgesucht hatten, war es einer amerikanischen Abthei 
lung gelungen, unentdeckt zu bleiben, und als jene 
Patrouillen Kehrt machten, denselben unter Be 
günstigung eines allmählich immer dichter werdenden 
Nebels, ebenso unbemerkt von Weitem nachzufolgen. 
Obgleich daher jene rückkehrenden Patrouillen meldeten, 
daß Nichts vom Feinde wahrzunehmen gewesen sei, 
veranlaßte der immer noch mehr zunehmende Nebel 
den Hauptmann Ewald doch, nochmals mehrere kleinere 
Patrouillen über die Postenlinie hinaus vorgehen zu 
lassen, während dessen die Feldwachten und Pikets 
unter dem Gewehr stehen blieben. 
So geschah es denn. daß diese Patrouillen bereits 
schon wenige hundert Schritte jenseits der Postenkette 
auf den herannahenden Feind stießen, welcher durch 
diese ihm unerwartete Bewegung nun, statt zu über 
raschen, seinerseits überrascht wurde, in Verwirrung 
gerieth, in dem dichten Nebel sich verirrte und einer 
auf den ersten Lärm unter dem Hauptmann v. Wreden 
zur weiteren Kundschaftung vorgeschickten Jägerab 
theilung gerade in die Hände lief und Übel zugerichtet 
in völlige Flucht geschlagen wurde. 
Giovanni Francesco Guernieri, der 
geniale römische Architekt, welcher von dem Land 
grafen Karl auf dessen italienischer Reise (vom 
Dezember 1699 bis März 1700) für die Weiter 
führung der 1696 begonnenen, aber bis dahin nur 
wenig geförderten Wasserwerke und Bauten auf dem 
Karlsberge bei Kassel gewonnen war und diese bis 
zum Jahre 1714 (freilich mit Ausschluß der erst 
1717 aufgesetzten Herkulesstatue) vollendete, erhielt, 
wie in dem Werke „Das Kurfürstenthum Hessen in 
malerischen Original-Ansichten", Darmstadt 1850 
Seite 68 mitgetheilt wird, für die Leitung deS Baues 
(seit dem Jahre 1701) jährlich 1006% Thaler. 
Dies steht aber im Widerspruch mit einer dem 
„Italiänischen Arcbiteoto Guerniero“ ausgestellten 
und von dem Landgrafen Karl eigenhändig unter 
zeichneten Original-Urkunde, welche ich vor einiger 
Zeit in Privatbesitz auffand und welche folgender 
maßen lautet: 
„Nachdem Wir dem Italiänischen Architecto 
Guerniero vermöge des mit demselben de novo 
gemachten accords die fortführung des ange 
fangenen Bauwesens ausini Winterkasten betreffend, 
vor seine mühe und übernommene entreprise 
dieser arbeit jährlich drei Tausend Rthlr vom 
isten Oetobris nächstvorigen Jahres angerechnet, 
dergestalt gndist verordnet daß Ihme die vorhero 
Jährlich aus Unserer Cammerschreiberey zu seinem 
gehalt vermachte und gezahlte Zwey Hundert stück 
Ducaten in Specie, oder Fünfhundert dreyßig 
drey '/z Rthlr ferner gereichet, die zu com- 
pletirung obiger 3000 Rth annoch ermanglende 
Summa aber aus Unsern Cabinet« intraden 
mit Zweitausend Vier Hundert Sechszig Sechs 
Rthlr bezahlet werden sollen; 
Alß hatt sich Unser Gabinets Secretarius 
Lindern darnach zu achten und demselben obige 
Summa ans denen dazu destinirten geldern von 
gemeltem dato angerechnet jährlich bis uff Unsere 
anderwärtts gndiste Verordnung gegen deßen quitung 
zu bezahlen und vermittelst derselben gehörigen 
orths in ausgäbe zu berechnen; Gasfeil den 17 ten 
Juny 1705. 
Carl mpr. 
Befehl wegen des dem Italiänischen Arcbitecto 
Guerniero Jährlich Verordneten tractaments“. 
Aus dieser Urkunde geht mit zweifelloser Gewißheit 
hervor einmal, daß dem Architekten Guernieri vom 
1. Oktober 1704 an gerechnet, bis auf Weiteres ein 
jährlicher Gehalt von 3000 Reichsthalern ausgezahlt 
werden sollte und selbstverständlich auch ausgezahlt 
wurde, zweitens, daß er bis zu diesem Zeitpunkte 
nur 200 Speziesdukaten oder 533% Rthlr. jährlich 
erhielt. Hierin liegt der sonderbare Widerspruch mit
	        

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