Full text: Hessenland (4.1890)

Das „Hesfenlimd", Zeitschrift für hessische Geschichte und Literatur, erscheint zweimal monatlich 
zu Anfang und in der Mitte jeden Monats, in dem Umfange von ll/2—2 Bogen Quartformat. Der Abonnementspreis 
beträgt vierteljährlich 1 Mark 50 Pfg. Einzelne Nummern kosten je 30 Pfg. Anzeigen werden mit 20 Pfg. 
für die gespaltene Petitzeile berechnet. Auswärts kann unsere Zeitschrift durch direkte Bestellung bei der Post, oder 
durch den B u ch h a n d e l, auf Wunsch auch unter Streifband bezogen werden; hier in Kassel nimmt die Buchdruckerei 
von Friedr. Scheel, Schloßplatz 4, Bestellungen, ebenso Anzeigen an. In der Dost-Zeitungsliste für das Jahr 1890 
findet sich das „Hessenland" eingetragen unter Nr. 2772. 
--Ich löse- Landgraf- Eure Banden- 
Wenn Ihr bei Fürstenwort versprecht- 
Daß Ihr in Euern Hessenlanden 
Die Festen bis auf eine brecht." 
So sprach zu Philipp- dem Gefangnen- 
Der Kaiser Karl- und der schlug ein; 
Sollt^ er zum Leide- dem vergangnen- 
Roch neue Leidensjahre reihen? 
--Rur Ziegenhain fei mir erhalten 
Und meines Volkes treuer Sinn; 
Das Andre mag der Herrgott walten- 
Dem ich allzeit befohlen bin!" 
Der Landgraf fprichts- doch Karl entsandte 
Die Botschaft: --Alle Festen brecht 
In Landgraf Philipps ganzem Lande. 
Der Fürst gebeuth nach seinem Recht." 
So zogen flugs des Kaisers Ritter 
Auch nach der Feste Ziegenhain- 
Rnd reichten durch des Thores Gitter 
Des Kaisers argen Brief hinein. 
Den las der wackre Heinz von Lüder 
Rnd sprach: --Der freie Landgraf gab 
Mir feine Burg; ich geb^ ste wieder- 
Wenn ich ihn frei gesehen habN" 
--Du Treuester 
Die güldne Kette 
Rnd ewig bleib^ 1 
Mein Volk ist fe| 
Der Kaiser zürnt- und sein Verlangen 
Gab er dem Landgraf finster kund: 
--Der Lüder werde aufgehangen 
Im Festungsthor gleich einem Hund! 
Sobald ich Freiheit Euch gegeben- 
Muß es geschehn aus Ritterwort!" 
Dem Landgraf half kein Widerstreben- 
Rnd schweren Herzens zog er fort. 
Doch als er ritt zum Heflenlande- 
Erhellt ein Lächeln fein Gesicht; 
--Ich häng' ihn", denkt der Vielgewandte- 
--Doch sterben soll der Heinz mir nicht!" 
Zu Aachen in des Goldschmieds Bude 
Kauft eine güldne Kett' er ein 
Rnd wendet sich mit frohem Muthe 
Rach seiner Feste Ziegenhain. 
Dort läßt er Heinz zum Thore führen 
Rnd mit der güldnen Kette dann 
Fest unter beiden Armen schnüren 
Den treu erprobten Rittersmann. 
So ward er in die Höh' gewunden 
Bei Zinkenklang und Paukenschlag- 
Dann klirrt die Kette rasch nach unten, 
Wo er in Philipps Armen lag. 
bn treuen Hejsen- 
sie fei dein- 
s unvergessen: 
t wie Ziegenhain!" 
ISeimar. 
Dr. Kart Kuhn.
	        

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