Full text: Hessenland (4.1890)

von Gustav Fritzsche. Druck von L. Döll in 
Kassel. 80 XII und 68 Seiten. Preis 1 Mark. 
Mil inniger Freude verweisen wir heute die 
Leser des Hessenlandes auf das soeben erschienene 
I. Heft einer Veröffentlichung, die überall die weiteste 
Verbreitung verdient, zumal es von der Aufnahme 
beim Publikum abhängen wird, ob der fleißige Herr 
Herausgeber aus seinen Schützen noch weitere Hefte 
folgen lassen wird und zwar, wie ich hoffe und 
wünsche, noch recht viele. 
Denn das hier Gebotene ist in vieler Hinsicht 
vortrefflich. Den Lesern dieser Zeitschrift ist der 
Tondichter I. Lewalter schon lange auf das Vortheil 
hafteste bekannt und einer so bewährten Kraft allein 
konnte der gesangliche Theil der Sammlung anvertraut 
werden. Hier vereinigt sich technisches Können und 
pädagogisches Geschick mit inniger Liebe zu den 
Weisen des Volkes und Achtung vor der Ueber 
lieferung. 
Es ist geradezu eine rettende That für die Ge 
schichte des Volksliedes, daß endlich einmal von 
einem Berufenen in Niederhessen, der Heimat der' 
Kinder- und Hausmärchen, die Volksmelodieen, wie 
sie noch 1890 erklingen, durch den Notendruck fest 
gehalten werden; denn in unserer schnelllebigen Zeit 
verfliegt die Melodie noch rascher, als das Wort. 
Ueber die mühesame Feststellung der Texte und die 
Achtung vor der Art des Volkes spricht der Heraus 
geber in dem sehr lesenswerthen Vorworte sich selbst 
genügend aus und könnte man nur wünschen, daß 
eine solche Gesinnung bei allen herrschte, die sich 
mit Geschichte, Ueberlieferung und Sage unser engeren 
Heimath beschäftigten oder auf diesen Gebieten zur 
Feder greifen. Jede auch noch so gut gemeinte 
Zuthat eines Herausgebers zu dem geistigen Eigenthum 
des Volkes ist eine literarische Fälschung, welche 
später immerfort neues Unheil wirkt und das Urtheil 
Anderer irre führt. 
Von den 35 Liedern sind die meisten zur Zeit 
noch gesungen beim 3. hessischen Infanterie-Regiment 
(v. Wittich) No. 83, das freilich etwas durch 
thüringischen Ersatz beeinflußt wird; andere sind 
über ganz Deutschland verbreitet und ist es interessant, 
gerade die niederhessische Fassung am Ende des 
19. Jahrhunderts kennen zu lernen. Dazu kommen 
noch acht eingestreute, reizende Kinderliedchen, welche 
unbewußt an alter Art festhaltend, die graue Urzeit 
mit der Gegenwart verbinden. Unter dem Text 
findet sich eine Beigabe, die den Kennern und 
Freunden des Volksliedes hoch willkommen sein 
wird. Die bisherige Literatur ist nämlich kritisch 
verwerthet und Lesarten sind beigefügt, sodaß ein 
eigenes Weiterforschen und näheres Vergleichen trefflich 
erleichtert wird. Aus der reichen Fülle des in den 
Amerkungen angehäuften Stoffes verweise ich besonders 
auf das (S. 43) zum ersten Male hier im Text 
und mit Melodie gedruckte, altbekannte, kurhessische 
Soldatenlied: 
«Der Kurfürst von Hessen 
Ist ein kreuzbraver Mann, 
Denn er kleidet seine Solidaten 
Noch viel besser als er kann-. 
Nur vermisse ich im letzten Verse die gebräuchliche 
- Lesart «Freundschaft- anstatt Verwandtschaft. Aber 
ich müßte den ganzen reichen Inhalt aus» und um 
schreiben, wollte ich diesem frischen Strauße echten, 
alt- und doch neuhessischen Volksliedes gerecht 
werden. Ich wünsche zum Schluffe dieser trefflichen 
Sammlung in und außerhalb Hessens recht viele 
Käufer und dem I., bisher erschienenen Hefte noch 
viele Nachfolger. 
Niemand wird unbefriedigt dies schöne Büchlein 
aus der Hand legen. 
Kassel, den 25. September 1890. 
Dr. A. Seetig. 
Die Quartalblätter des historischen Vereins 
für das Großherzogthum Hessen, Redakteur 
Ernst Wörner, Jahrgang 1890, enthalten: 
Nr. 1(S. 1—23). Historische und archäologische 
Mittheilungen: Friedrich Ko fl er: Die Stein 
straße, eine Römerstraße in der Wetterau. — 
Eduard Otto: Mittheilungen aus dem städtischen 
Archiv zu Butzbach. — Glocken-Jnschriften aus der 
Provinz Starkenburg. — A. Decker: Eine räthsel- 
hafte Bau-Einrichtung in den Burgen Münzenberg 
in der Wetterau und Botenlauben bei Kissingen. — 
Dr. August Roeschen: Notizen zur Kriegsge 
schichte Oberhessens. — Derselbe, Zitin, Zugk- 
mantel. — Versammlung des Oberhessischen Ge 
schichtsvereins vom 7. Februar. — Litteratur: 
Dr. August von Essenwein: Handbuch der 
Architektur. — Dr. Rudolf Adamy: Architektonik 
auf historischer und ästhetischer Grundlage. — 
K. Bissinger: Funde römischer Münzen im Groß 
herzogthum Baden. — Die Inschrift in der Kirche 
zu Beerfelden. 
Nr. 2 (S. 24—64). Vereinsnachrichten: Haupt 
versammlungen vom 10. März, Versammlungen 
vom 25. März und 21. April. — Historische 
und archäologische Mittheilungen: G. S. z. S.: 
Ueber die Identität des Namens der Chatten 
und Hessen. — v. Pfister: Germanikus vor 
Mattium. — v. Hallerstein und v. Haxt 
hausen: Germanische Hügelgräber bei Röllbach- 
Spessart in Franken. — Sanitätsrath Lotz: Ger 
manisches und Römisches vom Ewwel bei Frankfurt. 
— Eduard Otto: Mittheilungen aus dem 
städtischen Archiv zu Butzbach. — G. S. z. S.: Der 
erste evangelische Stadtpfarrer zu Darmstadt. — 
Ernst Wörner: Zur Geschichte der Kriegsver
	        

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