Full text: Hessenland (4.1890)

273 
Euler der Aufstieg auf den Schöneberg angetreten, 
welcher etwa 1 Stunde in Anspruch nahm. Oben 
auf dem höchsten Punkte angekommen entschädigte 
der weit nach Nord und Süd sich ausdehnende Blick 
auf die im hellsten Sonnenschein liegende Gegend 
reichlich für die bei der Hitze des Tages etwas 
beschwerliche Ersteigung des Berges. Namentlich 
entzückte Alle der wundervolle Blick nach Norden in 
das Esse- und das Diemelthal und auf die über 
denselben thronende Trendelburg. In höchst an 
zuerkennender Weise hatten die Hofgeismarer Herrn 
für Herbeischaffung vortrefflichen Bieres und kalter 
Speisen und namentlich für hier sonst fehlende gute 
Sitzgelegenheit gesorgt. Unter solchen Umständen 
wurden hier ein paar Stunden sehr vergnügt zu 
gebracht, dabei aber auch der eigentliche Zweck des 
Vereinsausflugs nicht außer Acht gelassen. Nachdem 
Herr Bürgermeister Schirmer die Anwesenden mit 
warmen Worten an dieser Stelle willkommen geheißen 
und ein den lautesten Anklang findendes Hoch auf den 
Verein ausgebracht hatte, ergriff der Vorsitzende des 
Vereins, Herr Major von Stamford, das Wort und 
schilderte in kurzer treffender Weise die wichtigsten ge 
schichtlichen Ereignisse von der Sachsenzeit an bis zum 
Ende des 7jährigen Krieges, deren Schauplatz die 
von hier aus sichtbare Gegend gewesen ist, und 
namentlich die Schicksale der Burg Schöneberg bis 
zu ihrer gänzlichen Zerstörung. 
Herr Bibliothekar Dr. Brunner sprach dem Redner 
dafür den Dank der Anwesenden aus, welchem diese 
lebhaft zustimmten. 
Die Besichtigung der Ueberreste der einst so stolzen 
und mächtigen Burg nahm wenig Zeit in Anspruch, 
da Landgraf Wilhelm IV. sie in den Jahren 1589 
bis 1591 vollständig abbrechen ließ und die Steine 
zur Erbauung der 14 Fuß hohen Mauer des 
Sababurger Thiergartens verwendete. 
Unter Führung des Herrn Oberförster Euler wurde 
der Rückweg auf einem Umweg durch eine herrliche 
Buchenwaldung nach dem Brunnen, wo sich noch 
eine größere Anzahl Hofgeismarer Freunde zur 
gemeinschaftlichen Einnahme des Kaffees eingefunden 
hatten, angetreten, und sich dann um 3 Uhr auf 
dem Bahnhof von den Herrn aus Hofgeismar unter 
Danksagung für ihr freundliches Entgegenkommen 
verabschiedet. K. £. 
Das Septemberheft der „Deutschen Rundschau" 
enthält den Schluß von JuliusRodenberg's 
„Franz Dingelstedt. Blätter aus seinem 
Nachlaß". In demselben beschäftigt sich der Ver 
fasser mit der Zeit von 1867 bis 1881, dem an 
glänzenden Erfolgen reichen Wirken Franz Dingelstedt's 
in Wien als Direktors des Hofoperntheaters und 
des Hofburgtheaters bis zu dessen am 15. Mai 1881 
erfolgten Tode. Wegen Mangels an Raum müssen 
wir leider ein näheres Eingehen auf diesen hoch 
interessanten Schlußartikel, sowie die Wiedergabe des 
darin enthaltenen prächtigen Gedichtes Franz Dingel 
stedt's an Anastasius Grün zu dem 70. Geburtstag 
des letzteren für eine spätere Nummer verschieben. 
Von unserem hessischen Landsmann Adam Trabert 
in Wien ist soeben ein größeres Werk: Franz 
Grillparzer, ein Bild seines Lebens und Dichtens, 
mit Illustrationen, Wien, Verlag Austria, erschienen, 
über das sich die Kritik sehr günstig ausspricht. 
Wir bescheiden uns für heute, nur das Erscheinen 
dieses Werkes anzuzeigen, behalten uns aber vor, in 
einer der nächsten Nummern unserer Zeitschrift ein 
gehender darauf zurückzukommen. 
Am Freitag, den 26. September, feierte der Real 
progymnasiallehrer Leimbach, einer der verdientesten 
und beliebtesten Lehrer der Stadt Marburg, sein 
50 jähriges Dienstjubiläum. Von dieser langen Reihe 
von Jahren hat der Jubilar 35 allein dem Unter 
richte der Marburger Jugend gewidmet und nach 
Tausenden zählen seine Schüler der dortigen Stadt. 
Der „Oberhessischen Zeitung" entnehmen wir folgenden 
Bericht über die Feier selbst: An dem zu Ehren des 
Jubilars im Hotel Pfeiffer veranstalteten Festmahle 
betheiligten sich über 100 Personen. Die Reihe der 
Toaste eröffnete Direktor Dr. Hempfing mit einem 
Hoch auf Se. Majestät den Kaiser. Oberlehrer Dr. 
Dute feierte hiernach in sinnigen und warmempfundenen 
Worten den Jubilar, worauf letzterer seinen Dank 
für die schöne Festveranstaltung zunächst an den 
Rektor und das Lehrerkollegium seiner Lehranstalt 
richtete. In weiteren Trinksprüchen feierte Dr. Schäfer 
die Familie des Jubilars, Namens welcher der älteste 
Sohn desselben, Gymnasialdirektor Leimb ach-Goslar, 
dankte, wobei derselbe der überaus glücklichen Ver 
hältnisse gedachte, die der Jubilar in der Stadt 
Marburg gefunden habe und mit einem Hoch auf 
Marburg schloß. Auch am späteren Abend noch 
wurde im Anschluß an den Gesangesvortrag eines 
alten Schülers, des Schlossermeisters Grimmel, von 
Ausschußvorsteher Siebert der Jubilar als ein Kind 
des alten Hessen stamm es gefeiert und der 
Hessentreue ein Hoch gebracht. 
Universitäts-Nachrichten. An Stelle des 
nach Königsberg übersiedelnden Professors Dr. Braun 
ist der Geheime Sanitätsrath Professor Dr. Eduard 
Küster, der langjährige Leiter der chirurgischen Ab 
theilung im Augusta-Hospilale zu Berlin, zum ordent 
lichen Professor der Chirurgie und Direktor der 
chirurgischen Klinik in Marburg berufen worden. 
Professor Dr. Küster, geboren am 2. November 1839 
zu Kalkofen (bei Wollin), ein Schüler von Wilms, 
zählte zu den beliebtesten Operateuren Berlins und 
hat sich in der Gelehrtenwelt durch seine zahlreichen 
Aufsätze und Monographieen in Fachzeitschriften, durch
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.