Full text: Hessenland (4.1890)

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wohl/ daß bereits schon in meiner Jugend von der 
Hessischen Aufrichtigkeit reden hören/ nun aber habe 
es in der That erfahren/ da ich die getreuen Landes- 
Kinder des Durchlauchtigsten Earls kennen lernen/ 
mit denen ich die Vollkommenheit dieses Weltbe 
rühmten FUrstens/ in Allerunterthänigkeit veverire/ 
und mich als einen treuergebensten Knechte gehorsamest 
angebe. Der Himmel schenke Ihm/ nebst dessen 
gantzen hohen Haus/ ein spates Alter/ und lasse 
dessen Baum/ gleich den Cedern/ biß an die Wolken 
wachsen/ damit Europa noch mehr solche Fürsten 
besitzet/ durch welche die allgemeine Ruhe gegründet 
werden kann. Sie aber laßen Ihre schätzbare Ge 
wogenheit niemahlen gegen mich fallen/ und geben 
mir nur so viele Gelegenheit an die Hand/ auf was 
Weis ich ein stetes Andencken auswürken/ und Lebens- 
lang nicht anderst/ als aus aufrichtigem Hertzen 
heissen darf 
Dero 
Ganz-ergebenster 
Diener 
MELETAON. 
Ex Museo 
Jena, den 8. September 1711. 
--H-ch-S— 
Im Hesse«lartb. 
Stolz sind die Schlösser am grünen Rhein, 
Hell leuchten sie lustig im Sonnenschein, 
Fest stehn sie in Stürmen und Brausen; 
Auch lieblich grüßet den Wanderer ihr, 
Der Saale Burgen, daß immer er hier 
Bei euch möcht' weilen und hausen. 
Doch euch auch droben im Buchenwald 
Zerfallene Mauern so öde und kalt, 
Euch kann ich doch nimmer vergessen, 
Nie eure Zinnen so luftig und kahl 
Am Edderflusse, im Werrathal — 
Ihr Burgen im Lande zu Hessen! 
Biel Ritter stiegen hinab zum Rhein, 
Tournierten und schnappten und zechten den Wein 
Und führten gewaltige Fehden, 
Und jeglicher raubte und raufte und trank, 
Manch wackerer Herr vom Rösselein sank, 
Hel's Haus mußte mancher betreten. 
Auch unserer Burgen Rittersleut, 
Sie haben am Kampf und am Wein sich gefreut, 
Wer mochte mit ihnen sich messen? 
Denn grimmig fochten im Eisenkleid — 
Man sagte, sie seien gar blind im Streit — 
Die Kämpen im Lande zu Hessen. 
Die Burgen zerfielen, die Ritter sie ruhn 
Bon trotzigen Kämpfen und rühmlichem Thun, 
Lang sind ihre Fehden vergessen. 
Der Bürger baut Städte, das Handwerk blüht, 
Manch wohnliches Häuschen, manch Städtchen 
man sieht 
Erstehn auch im Lande zu Hessen. 
Manch munteres Mühlrad das dreht sich im 
Thal, 
Und grau quillet wider der Sonne Strahl 
Der Dampf, aus den rußigen Essen, 
Und Wissen und Kunst blühen hier und dort 
Und Weisheit zu pflegen ein würdiger Ort 
Fehlt nimmer im Lande zu Hessen. 
Dort schafft der Philister, dort singt der Student; 
Und wer am Sang seine Freude nicht fänd', 
Bei uns hätt' er nimmer gesessen, 
Hätt' nie in unserer Mitte gezecht, 
Wär nicht wie die Burschen so fröhlich und echt, 
Die Burschen im Lande zu Hessen. 
Wer wehrt es uns lustige Brüder zu sein, 
Ein Mägdlein zu lieben so sauber und fein? 
Bei'm Henker, es wäre vermessen! 
Der weiß, der ihnen in's Auge geschaut: 
Gar lieblich sind sie und treu und traut 
Die Mädchen im Lande zu Hessen. 
Drum fröhlicher Wandrer besteige die Höh'n 
Wo jene zerklüfteten Mauern steh'n, 
Wo wackere Ritter gesessen! 
Drum grüß' mir im Städtchen die Burschen so frei, 
Hoch leben die Mädchen so schmuck und so treu 
All' Zeiten im Lande zu Hessen. Pelchmann. 
Aalt'fest! 
Es weht der Wind das Blatt vom Baum 
Im Spiel, dann läßt er's liegen — 
Es ist sein Recht von Alters her — 
Was leicht ist, macht er fliegen. 
Was keinen eig'nen Willen hat, 
Das treibt er in's Verderben — 
Von tollem Leben spricht er ihm 
Und treibt's in bitt'res Sterben. 
Was siehst Du mich so fragend an? 
Du bist am Baum das Blättchen — 
Der Wind ist schnelle Leidenschaft — 
Halt' fest am Stengel, Mädchen. 
H. Kelter.
	        

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