Full text: Hessenland (4.1890)

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der Apotheke an der neuen Fuldabrücke noch viel 
schlechter geworden sei. Die Ehefrau Hüpeden 
hatte die auf dem Hause ruhenden Hypotheken 
mit übernehmen müssen und danach jährlich 
109 Thlr. Zinsen zu bezahlen, so daß ihre Ein 
nahme von der Apotheke sich jährlich auf 151 
Thlr. beschränkte. Dazu kamen aber noch in 
westphälischer Zeit die Kosten der Einquartierung, 
welche ihrer Angabe nach seit dem Einzug der 
Russen täglich 12 Thlr. betrugen. Diese Um 
stände veranlaßten sie zu einer Eingabe an die 
Wohlthätigkeitskommission der Stadt Kassel, in 
welcher sie sich bereit erklärt, um zugleich den 
Armen ihrer Vaterstadt eine Wohlthat zu er 
zeigen, Haus und Apotheke für die Armen zu 
bestimmen und sie der Stadt gegen Uebernahme 
der darauf ruhenden Hypothek schenkweise zu 
überlassen. 
Nach ertheilter Genehnngung des Kurfürsten 
wird die Stadt durch gerichtlichen Vertrag vom 
29. März 1815 Eigenthümerin des Hauses und 
der Apotheke. Flügger bzw. dessen Wittwe setzten 
die Pacht bis zum Jahre 1823 fort. Dann 
folgen als Pächter: Köhler bis 1834, Glaeßner 
bis 1856 und Sander bis 1884. Dieser ver 
legte die Apotheke am 1. Mai 1866 mit Ge 
nehmigung der Regierung in das Haus Nr. 73 
der unteren Königsstraße. Am Schlüsse seiner 
Pachtzeit 1884 hat die Stadt Haus und 
Apotheke dem Apotheker Dr. Haverbeck für 
184 500 Mark verkauft, von dem sie dann der 
jetzige Eigenthümer für eine höhere Summe durch 
Kauf erworben hat. 
Das gelöste Kapital wird von der Stadt als 
„Hüpedensche Stiftung" verwaltet. 
Zu diesen am Ende des 17. Jahrhunderts 
bestehenden sieben Apotheken kam noch eine achte 
hinzu. In der Kasseler Polizeh- und Kommerzien- 
zeitung vom 10. Februar 1776 erschien folgende 
Aufforderung: „Wenn sich ein Apotheker im 
Stande findet, eine Apotheke in der Unterneu 
stadt anzulegen, dabei einen Materialienhandel 
anzufangen gesonnen wäre, der kann sich bei dem 
Herrn Hofrath Ferrh melden." Es meldete sich 
dazu der Konduktor der Schwanenapotheke 
Hundertmark, welcher 1776 in der jetzigen alten 
Leipzigerstraße, nahe der alten Fuldabrücke eine 
neue Apotheke „die Adlerapotheke" errichtete. 
Im Jahre 1792 ging sie auf den Apotheker 
Delkeskamp über und von ihm erkaufte sie 1802 
der Professor Dr. Schaub, welcher sie unter dem 
Namen Hygieaapotheke in das Haus an der 
neuen Fuldabrücke verlegte, in dem sie sich noch 
befindet. 1803 wurde Martin Joachim Lippe 
ihr Eigenthümer, dann dessen Sohn Karl. Der 
jetzige Besitzer hat ihr den alten Namen „Adler 
apotheke" wieder gegeben. Von diesen acht Apo 
theken ging, wie erwähnt, 1806 die Hofapotheke 
und im Jahre 1819 die Löwenapotheke auf dem 
Marktplatz ein. An der letzteren Stelle trat in 
demselben Jahre die noch bestehende Sternapo 
theke in der obersten Gasse. Ihr erster Eigen 
thümer war Apotheker Krüger, Ehegatte der 
Wittwe des letzten Hofapothekers Hartung, dann 
seit 1838 viele Jahre hindurch dessen Stiefsohn 
Dr. Hartung-Schwarzkopf. 
Im Jahre 1823 eröffnete alsdann der Apo 
theker H. A. Braun die Löwenapotheke in der 
Frankfurter Straße und ließ dafür die von ihm 
von der Wittwe Backhaus erkaufte Schwanen 
apotheke in der Karlsstraße eingehen. Es be 
standen daher in Kassel im Jahre 1823 sieben 
Apotheken, zu welchen im Jahre 1843 noch als 
achte die Sievers'sche in der oberen Königsstraße 
hinzukam. 
Da seit der Zeit keine weitere Apotheke 
hier errichtet wurde, so ist ihre Zahl die 
selbe, wie vor 100 Jahren, obwohl die Zahl der 
Einwohner sich seitdem mehr, als verdreifacht 
und me der Aerzte nahezu vervierfacht hat. 
Früher kam eine Apotheke auf 2 500, jetzt auf 
beinahe 9 000 Einwohner, wobei noch zu berück 
sichtigen ist, daß jetzt in Folge der Krankenkassen 
und Wohlthätigkeitsanstalten ärztliche Hülfe und 
Arzneimittel den Unbemittelten bei weitem häufiger 
und leichter zu Theil werden, als es früher der 
Fall war. Nach den bei dem Ankauf von Apo 
theken in der letzteren Zeit gezahlten Kaufpreisen 
scheint das Geschäft auch jetzt noch kein ganz 
schlechtes zu sein, wenn auch die Annahme 
begründet ist, daß von den Aerzten jetzt nicht 
mehr so viele und so lange Rezepte verschrieben 
werden und auch an den srüheren einfacheren 
Arzneimitteln mehr verdient wurde, als es jetzt 
der Fall ist. 
nieöerhesstsche Wanösmannschaft in 
_.>ma r. 
Mitgetheilt von Dr. Hugo Drunner in Rassel. 
Das Bestehen und die Mitglieder einer nieder- akademischen Romans, betitelt: 
hessischen Landsmannschaft auf der Universität 
Jena erfahren wir aus der Vorrede eines 
i mi 
, Schauplatz der 
galanten und gelährten Welt von Meletaon. 
Nürnberg 1711. Der Verfasser dieses kultur-
	        

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