Volltext: Hessenland (4.1890)

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am 13. kam Hölke mit seiner Kompagnie wieder 
ins Gefecht, als er eine Porzellanfabrik besetzt 
hielt. Es gelang ihm den Angriff der Franzosen 
abzuschlagen, er mußte aber zurückgehen, als diese 
durch 3 Kompagnien, 50 Reiter mit 2 Geschützen 
verstärkt, den Angriff erneuerten. Nachdem ihm 
aber Major Boedicker den Hauptmann von Barde 
leben mit 40 Mann zur Hülfe gesandt hatte, 
gelang es den vereinten Kräften mit einem Verlust 
von 2 Todten und 15 Verwundeten die Franzoosen 
zurückzuschlagen. Unter den Verwundeten befand 
sich Hauptmann Hölke, welcher aber, weil er der 
einzige Offizier seiner Kompagnie war, bis zum 
Ende des Gefechts bei der Mannschaft geblieben 
war. An demselben Tage wurde das 1. Bataillon 
Kurprinz bei Weimerskirch von einer großen 
Uebermacht angegriffen und mußte sich nach 
tapferem Widerstand, weil ihm die Munition 
ausgegangen war, mit einem Verlust von 3 Todten 
16 Verwundeten und 24 Vermißten zurückziehen. 
Unter den Verwundeten befanden sich Hauptmann 
Hennenhofer und die Lieutenants Weil und 
Kirschner, welche sich nebst dem Lieutenant Lu- 
dovici besonders hervor gethan hatten. General 
. Dörnberg belobte die braven Füsiliere und 
agte ihnen in einer Ansprache, daß sie die ersten 
tseien, welche den ruhmvollen Namen der Hessen 
wieder erneuert hätten. 
Am 16. Februar wurde das Füsilierbataillon 
Kurfürst von dem Regiment Landgraf Karl vor 
Luxemburg abgelöst und marschierte zur Blokade 
von Thionville ab. Seit dem 22. Februar be 
stand das Blokadekorps von Luxemburg aus den 
Regimentern Landgraf Karl und Prinz Solms, 
200 Husaren, */* Bakterie, einer Abtheilung 
Mineurs und 2 Kompagnieen freiwilliger Jäger 
zu Fuß, sowie 2 Kompagieen gelernter Jäger, zu 
sammen 4876 Mann unter dem Kommando des 
General-Majors Prinzen von Solms-Braunfels. 
Die jungen Soldaten, welche so bald den Ernst 
des Krieges kennen lernten, hatten einen schweren 
Dienst, da sie die Nächte abwechselnd auf Vor 
posten oder in Alarmhäusern zubringen mußten 
und jede freie Stunde zu ihrer theoretischen und 
praktischen Ausbildung verwendet wurde. 
Die Truppen der zweiten Marschkolonne, welche 
zum Theil zur Blokade von Thionville bestimmt 
waren, trafen bis zum 13. Februar in Trier ein, 
ihr Weitermarsch verzögerte sich aber durch den 
Mangel an Patronen um einige Tage. Der 
feldtüchtige Zustand dieser Truppen war nicht 
viel besser, als der der ersten Marschkolonne. 
Sallmanu schreibt: „Heute am 13. Februar 
sind wir in Trier angekommen. Kanonendonner 
und Festgeläute kündeten ein großes Fest an, 
welches wegen eines glänzenden Sieges derPreußen 
bei Chalons gefeiert wurde. 
Am 14. marschirten wir nach Grevenmachern 
ab, und wurde uns vorher angekündigt, daß wir 
unsere Gewehre in guten Stand setzen und alles 
dazu Nöthige anschaffen möchten. Viele von uns 
hatten eigene Büchsen, andere ihnen gelieferte 
englische Karabiner. Wir erhielten Pulver und 
Blei, für das Gießen der Kugeln und Anfertigen 
der Patronen mußte jeder selbst sorgen. 
15. Febr. Bei dem Abmarsch von Greven 
machern wurden die Gewehre geladen. Da fragte 
mich mein Hintermann, wie das gemacht würde. 
Es gab damals noch öiele" unter uns, 
die noch nie ein Gewehr abgefeuert hatten, aber 
das that nichts, fröhlich gings in drückender 
Sonnenhitze weiter. Auf dem Marsche stießen 
wir zum Regiment Prinz Solms, welches auch 
nach Luxemburg marschierte. In Sandweiler er 
hielt unsere 2. Kompagnie die Ordre, zur Blokade 
von Thionville abzurücken. 
22. Febr. Wir liegen dicht vor der Festung, 
und verstreichen die Tage unter unserer gewöhn 
lichen Beschäftigung auf den Piquets. Die bei 
uns liegenden Soldaten vom Grenadierbataillon 
v. Haller haben pr. Mann nur 2 Patronen und 
die meisten von ihnen tragen noch Hüte oder 
Mützen und unter ihren Kapots noch ihre Bauern 
tracht. Sie sind aber guter Dinge und singen 
fast den ganzen Tag. Daran erkennt man den 
hessischen Soldaten." 
Den am 20. und 30. Januar ausgerückten 
ersten beiden Marschkolonnen folgten noch 4 
weitere, so daß am 12. April 17219 Mann mit 
411 Offizieren und 2303 Pferden im Felde standen, 
eine in Betracht der Umstände staunenswerthe 
Leistung. 
Lag es nun auch in der Natur der Sache, daß 
so mangelhaft ausgerüstete und zum großen Theil 
aus gänzlich ungeübter Mannschaft bestehende 
Truppen nicht geeignet waren, in offener Feld 
schlacht zur Entscheidung des Krieges mitzuwirken, 
so haben sie doch dadurch zur siegreichen Beendigung 
des Kampfes nicht unerheblich mitbeigetragen, daß 
sie so schnell und in so großer Anzahl auf dem 
Kriegsschauplätze erschienen und die Ablösung der 
den Streitkräften Blüchers so nöthigen die 
Festungen blokirenden Heerestheile ermöglichten. 
Bei 18 in der Zeit vom 13. Febr. bis 8. April aus 
den Festungen gemachten Ausfällen und Gefechten, 
in welchen sie einen Verlust von 48 Todten und 
310 Verwundeten hatten, haben sie sich dem Kriegs 
ruhm ihrer Väter würdig gezeigt, und die Ver 
leihung von mehr als 70 Orden vom eisernen Helm 
an Offiziere und Mannschaften giebt davon Zeug 
niß, daß es Vielen von ihnen auch vergönnt war, 
sich durch besondere Thaten in dem kurzen Feld 
zug hervorzuthun.
        

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