Full text: Hessenland (4.1890)

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Georg Adolf Schwarzenberg. Der Ver 
blichene entstammte einer in Kassel hochangesehenen 
Familie. Sein Vater war der bekannte Oberge 
richtsanwalt Ludwig Schwarzenberg (gestorben am 
26. Oktober 1851), der einstmalige Präsident der 
kurhessischen Ständekammer, der Freiheitsheld, der von 
1809—1814 mit seltener Tapferkeit gegen Napoleon 
gekämpft, der »Mann ohne Furcht und Tadel", wie 
ihn seine Mitbürger nannten. Sein älterer Bruder 
Philipp war Mitglied des deutschen Parlamentes in 
Frankfurt a. M. und des s. g. Rumpfparlamentes 
in Stuttgart von (1848—1849), dann von 
1878— 1884 fortschrittlicher Reichstagsabgeordneter 
für Kassel (gestorben 1885). Georg Schwarzenberg 
studirte in Marburg, Göttingen und Paris Medizin, 
wanderte dann nach Nordamerika aus und lebte eme 
lange Reihe von Jahren als praktischer Arzt in 
Brooklyn. In sein Heimathland Hessen zurückge 
kehrt, errichtete er mit Dr. Stilling, dem jetzigen 
Profesfvr der Medizin in Straßburg, eine Augen 
klinik, und ließ sich dauernd in seiner Vaterstadt als 
praktischer Arzt nieder. Ein langjähriges schweres 
Leiden hinderte ihn in den letzten Jahren seines 
Lebens an der vollen Ausübung seines Berufes. Er 
war ein beliebter Arzt, wohlwollend und uneigen 
nützig, und gern gesehen in dem Kreise seiner Be 
kannten, die ihm ein treues ehrenvolles Andenken 
bewahren werden. 
In der Blüthe des Mannesalters, im dreißigsten 
Lebensjahr, verschied am Freitag den 22. August im 
elterlichen Hause zu Fulda der Lehrer des Real 
gymnasiums zu Kassel Dr. Nikolaus Münz in 
Folge eines typhösen Fiebers. Der leider so früh 
Verstorbene war ebenso angesehen und beliebt bei 
seinen Kollegen und seinen Schülern, wie bei seinen 
Freunden und Bekannten. Das »Kasseler Tageblatt" 
widmet dem Dahingeschiedenen einen warmen Nachruf, 
dem wir folgende Angaben entnehmen: Nikolaus 
Mänz wurde am 9 September 1860 als Sohn 
des verstorbenen Musikers Johann Mänz zu Fulda 
geboren, besuchte zunächst das Realprogymnasium seiner 
Vaterstadt, dann das Realgymnasium zu Kassel und 
widmete sich dem Studium der Mathematik und der 
Naturwissenschaften. Nachdem er von Ostern 1886 
bis Ostern 1887 am Realprogymnasium zu Marburg 
sein Probejahr abgeleistet hatte, fungirte er eine Zeit 
lang als Hauslehrer des Grafen Schaumburg, 
Sohn des Prinzen Philipp von Hanau, in Oberurff. 
Von dann an war Mänz als Hülfslehrer am Real 
gymnasium in Kassel thätig. Bei hervorragenden 
wissenschaftlichen Kenntnissen zeichnete ihn in seinem 
Beruf vornehmlich Pflichttreue, Gewissenhaftigkeit und 
besondere Herzensgüte aus. Sein Andenken wird 
bei Allen in Ehren bleiben. 
Hessische Sücherscha». 
C. Haußknecht, Kleinere botanische Mittheilungen. 
— Mittheilungen der geogr. Ges. für Thüringen 
zu Jena, ;ugl. Organ des botan. Vereins für 
Gesammtthüringen Bd.. VIII., S. 29—38, 
Jena 1890. 
Den Jüngern der scientia amabilis werden gerade 
jetzt einige unser Hessen betreffende Notizen aus dem 
erwähnten Aufsatze willkommen sein. Verfasser fand 
im Juli v. I. in Niederhessen eine Anzahl Pflanzen, 
welche von den betr. Standorten noch nicht nach 
gewiesen waren, nämlich: 1. Mentha nemorosa Willd. 
Am Bache oberhalb des Frau-Holle-Teiches am 
Meißner. — 2. Bastard von Mentha aquatica X 
süvestris (M. nepetoides Lej.) am Bache zwischen 
Witzenhausen und Unterrieden. Ebenda auch M. 
silv. var. incana Sm. — 3. Valeriana sambuci- 
folia Mik. Am Bache bei der Höllenthalmühle 
unter'm Bilstein. — 4. Lathyrus süvestris var. 
ensifolius Bad. Am Bilstein im Höllenthal in 
Gesellschaft Von Ceterach, Allium strictum, Lactuca 
virosa und dem dort völlig einheimischen Semper- 
vivum tectorum. — 5. Lactuca virosa L. Buschige 
Abhänge oberhalb Sooden bei Allendorf. — 6. Chaero- 
phyllum aureum L. Oberhalb Sooden im Gebüsch 
in Menge — 7. Orobanche Bartlingii Griseb. 
und 0. apiculata Wallr., beide schmarotzend ans 
Libanotis montana, an der Hörnerkuppe bei Allendorf. 
— 8. Senecio vulgaris var. concolor (Kelch- und 
Hüllenschuppen nicht schwarzspitzig, sondern gleich 
mäßig grün). Zwischen Albungen und dem Bilstein. — 
9. Viola collina Bess. Unterhalb der Hörnerkuppe. 
Für das ganze hessische Gebiet neu. — 10. Ononis 
repens X spinosa. Zwischen Albungen und Bilstein 
unter den Eltern. — 11. Bumex aquaticus X 
crispus. In Sümpfen bei Allendorf.— 12. Ulmus 
montana Sm. In den Wäldern des Meißner und 
auf Basalt des Bilsteins bei Großalmerode. (Pfeiffer & 
Wenderoth erwähnen nichts davon). Mit Hessen 
beschäftigt sich p. 34—36 der Verfasser weiter 
gelegentlich Untersuchungen über verschiedene Betula- 
Formen, wobei vielfach auf frühere Arbeiten unserer 
Botaniker Philippi, Hentze, Wenderoth & 
Pfeiffer Bezug genommen wird. A. 
1. Wh. Die Sammlungen plastischer Kunstwerke 
mittlerer und neuerer Zeit zu Kassel. — In 
„der Sammler" illustr. Fachzeitschrift re. re., 
Bd. XII., Nr. 1 ff., Berlin 1890. 
2. Dürre, C. F., Ausflug in's Rhöngebirge. Mit 
13 Skizzen von Georg Macco. — Westermanns 
illustr. deutsche Monatshefte 34. Jahrgang, 
Heft 405, Juni 1890, S. 321—333. 
3. Die Steinwand und das Rhöngebirge. Mit 
Abbildungen von Rob. Geißler. — Buch für 
Alle, 1890, Heft 23, S. 564.
	        

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