Full text: Hessenland (4.1890)

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Gelegenheit eines jener durch alle guten Gaben der 
Küche, des Kellers, der Kunst und Poesie geschmückten 
Symposien stattfand, wie sie Franz Liszt auf seiner 
Altenburg mit vornehmster Gastfreiheit zu veranstalten 
pflegte. Auch damals hatte Dingelstedt noch nicht 
den Wunsch aufgegeben, in sein Heimathland Hessen 
zurückkehren zu können, um in Kassel die Stelle als 
Theaterintendant zu übernehmen. Ein Brief an 
Friedrich Oetker vom 26. August 1866 gibt uns 
darüber Auskunft. Die Sache zerschlug sich und 
Franz Dingelstedt wurde im September des folgenden 
Jahres als Intendant an das Hofburgtheater in 
Wien berufen. 
Das Grimm-Denkmal in Hanau. Nach 
langem Schweigen driygt, wie die „Allgemeine 
Zeitung" berichtet, endlich einmal wieder etwas 
Authentisches in der vielerörterten Grimm-Denkmal- 
Angelegenheit in die Oeffentlichkeit. Das Präsidium giebt 
nämlich durch ein Rundschreiben den Mitgliedern des 
Grimm-Denkmal-Komilos bekannt, daß der Minister 
der geistlichen Unterrichts- und Medizinal-Angelegen- 
heiren laut einer neuerdings eingetroffenen Verfügung 
die Absicht hegt, die Mitglieder der Lan des-Ku nst- 
kommission nunmehr Ende September dieses 
Jahres einzuberufen. Die Landeskunstkommission soll 
auf Antrag des Ministers über den in Aussicht 
gestellten Zuschuß von 25,000 Mark zu den 
Kosten des Grimm-Denkmals definitiv entscheiden. 
Ein Beschluß des Ministers wird also vor Oktober 
nicht erfolgen können. Uebrigens steht derselbe der 
Sache günstig gegenüber und hat dies ausdrücklich in 
einer mündlichen Aeußerung zu einem Komite- 
mitgliede betont, sowie, daß er nicht beabsichtige, 
der vom großen Konnte getroffenen Modellauswahl 
entgegenzutreten. Auch wünscht er persönlich, daß 
der erwähnte Zuschuß des Staates von 25,000 Mark 
bewilligt werden möge 
Das Altstädter Schloß nebst Park in 
Hanau, welches auf Grund des sog. Agnaten 
vertrages dem Landgrafen Ernst von Hessen- 
Philippsthal gehört, geht für den - Preis von 
320,000 Mark in den Besitz der Stadt Hanau 
über. Der Vertrag ist bereits von sämmtlichen 
Agnaten genehmigt und vom Oberbürgermeister 
Westerburg im Namen der Stadt unterzeichnet. 
Nekrolog: Dr. med. Wilhelm Brandt, 
praktischer Arzt, Amtswundarzt und Physikatsassistent 
zu Oberkaufungen in der Provinz Hessen-Nassau 
geboren am 9. November 1822 zu Felsberg, gestorben 
am 20. Januar 1890 zu Oberkaufungen, war der 
Sohn des Amtswundarztes Brandt zu Felsberg, 
dann zu Allendorf a. d. Werra. Er besuchte das 
Gymnasium zu Hersfeld vom Herbst 1837 bis 
Ostern 1844. Sodann widmete er sich von da an 
bis Ostern 1847 zu Göttingen, darauf bis 1848 
zu Marburg dem Studium der Medizin und bestand 
daselbst die vorgeschriebenen Staatsprüfungen mit 
dem besten Erfolge. In den nächsten Jahren nahm 
er als freiwilliger Arzt an zwei Feldzügen theil. 
Vom 31. Mai bis zum 8. August 1849 stand er 
in dem schleswig-holsteinischen Kriege als Assistenzarzt 
im Fürstlich Waldcckschcn Bataillon. Das Lazareth, 
in dem er beschäftigt war, befand sich in Gravenstein. 
Hierauf besuchte er im Oktober 1849 das damals 
unter Professor Dr. Bock stehende Jakobs-Hospital 
zu Leipzig, während die Cholera daselbst ausgebrochen 
war. Vom August 1850 bis Februar 1851 stand 
Dr. Brandt als provisorischer Assistenzarzt 2. Klasse 
im Dienste der schleswig-holsteinischen Armee. Im 
Jahre 1853 wnkte er als Gehilfsarzt an der 
Entbindungsanstalt zu Marburg. Zu Ende desselben 
Jahres jedoch ward er als praktischer Arzt und 
Amtswundarzt in Oberkaufungen angestellt und seit 
April 1858 als Physikatsassistent auch mit den 
Geschäften eines Physikus betraut. — Sein Charakter 
war, wie der seiner Eltern, durchaus bieder, ohne 
Falsch. Er besaß einen scharfen Verstand. Sein 
ganzes Wesen war von Jugend an ernst, sein Geist 
eifrig bemüht, alles Wissenswerthe soviel als möglich 
zu erfassen. Vor allem war er von Eifer für die 
von ihm erwählte Wissenschaft erfüllt. Schon als 
Schüler der Prima beschäftigte er sich neben den 
Schulstudien eifrigst mit den Vorstudien der Anatomie. 
Ueberhaupt aber hatte er während seines ganzen 
Lebens nicht blos für seine Wissenschaft, sondern 
auch für alles in dem Bereiche des Wissenswerthen 
Liegende ein hohes Interesse. So liebte er seinen 
Homer, seinen Anakreon, dessen köstliche Lieder er 
nicht minder als die Werke unserer großen Dichter 
noch in den späteren Jahren las. So war er auch 
in der heiligen Schrift, insbesondere im alten 
Testamente höchst bewandert. Geschichte war von 
Jugend an ein Lieblingsstudium von ihm. Kein 
Wunder also, daß er an der Politik unserer Tage, 
an der so mächtigen Entwickelung unseres deutschen 
Reiches den innigsten und wärmsten Antheil nahm. 
Er liebte sein hessisches Vaterland, aber nicht minder 
das neu erstandene deutsche Reich. In seinem 
ärztlichen, fast 40jährigen Wirken war er, von der 
größten Gewissenhaftigkeit geleitet, nicht blos ein 
Arzt der wohlhabenden Leute, er widmete seine treuen 
Dienste ebensogern den Armen! Er war durch und 
durch ein Ehrenmann. Er verabscheute allen Schein 
und alle Heuchelei. Sein Leben war in Amt und 
Haus ein tadelloses! 
Dlaeideque quiescas! 
Terraque securo sit super ossa levis! 
Z. N. 
Am 13. August verschied zu Kassel im 61. Lebens 
jahre nach langem Leiden der praktische Arzt Dr. med.
	        

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