Full text: Hessenland (4.1890)

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Flanke zu umgehen. Da — wie erwähnt — kein 
Rückhalt gebildet worden war, so nahm die Sache 
hierdurch eine sehr übele Wendung, und drohte der 
Rückzug in ein förmliches Ueberstürzen ausarten zu 
wollen. Glücklicher Weise gelang es aber Ewald 
bei der Tüchtigkeit der Truppen, sich doch noch in 
anderer Weise zu helfen. Als nämlich die 
Linie — immer mehr und immer näher vom Feinde 
bedrängt — eben den Kamm einer waldbewachsenen 
Anhöhe erreicht hatte und es immer augenscheinlicher 
wurde, daß es so nicht mehr lange fortgehen dürfe, 
ließ Ewald, rasch entschlossen, Plötzlich das Signal 
Halt und Attacke geben. 
Dieses Signal mit lautem Jubel befolgend, machte 
die ganze Linie sofort Front und stürzte sich mit 
Ungestüm auf den sorglos und in blinder Hast ver 
folgenden Feind los, griff ihn an und warf ihn in 
einem wüthenden Handgemenge, in welchem demselben 
viele Leute getödtet wurden, wieder über die Höhe 
hinab. Da die amerikanischen Riflemen es 
ohnehin nie gern zu einem Handgemenge kommen 
ließen, so wurden sie hierdurch vollends aufs 
höchste überrascht, und um so mehr angeregt, aufs 
eiligste nach allen Seiten hin die Flucht zu ergreifen. 
Diese Gelegenheit rasch benutzend, stellte Ewald die 
Verfolgung ein und setzte eiligst seinen Rückzug fort. 
Der englische General Leslie, der Augenzeuge 
dieses Vorfalls gewesen, machte dem kommandirenden 
General Lord Cornwallis eine so rühmende Meldung 
hiervon, daß dieser nicht nur dem Hauptmann Ewald 
und seiner Truppe in einer General-Ordre eine 
öffentliche Belobung ertheilte, sondern einem jeden 
Mann ein Geldgeschenk von einem Dollar bewilligte. 
XIV. 
Falscher Allarm am Schuilkyll 1 777. 
Als der englische General Lord Howe im Feldzüge 
von 1777 bei Verfolgung der am Brandewyn ge 
schlagenen amerikanischen Armee den Schuilkyll-Fluß 
passirte, wurden mehrere Kompagnien hessischer 
Jäger bestimmt, die Nachhut zu bilden, indem man 
nicht ohne Grund befürchtete, daß die der Armee 
folgende sehr zahlreiche Bagage, bei dem weiteren 
Marsche durch die vorliegenden dichten Waldungen, 
durch einige in den vorhergegangenen Treffen in 
jene Waldungen versprengte und sich noch immer 
darin umhertreibende Abtheilungen amerikanischer 
Milizen angegriffeu werden könnte. 
Da diese Jäger die Nacht über auf Vorposten 
gestanden hatten und durch vieles Patroulliren sehr 
ermüdet worden waren, die Bagage aber der Armee, 
welche bereits schon vor Tag aufgebrochen war, erst 
nach einigen Stunden nachfolgen sollte, so ward 
ihnen gestattet, bis dahin, jedoch mit dem Gewehr 
in der Hand und völlig kampffertig, sich erst noch 
der Ruhe und dem Schlafe überlassen zu dürfen. 
Hierdurch veranlaßt mochten mehrere Leute im 
Halbschlummer, durch angsthafte Träume von Indianern 
und Skalpiren heimgesucht worden sein. Als daher 
zwischen den Bewohnern einer benachbarten Plantage 
und einigen Trainsoldaten eine laute Zänkerei 
entstand, mochten solche, hierdurch aufgeschreckt, alsbald 
Feuer gegeben haben. Denn plötzlich fielen ohne 
sonstige wahrnehmbare Veranlassung einige Schüsse 
und erschallte der Ruf: «Auf! Auf! Rette sich 
wer kann, wir sind überfallen. Die 
Indianer sind da, die Indianer sind da! 
Von äußerster Schlaftrunkenheit befallen und ihrer 
Sinne nicht mächtig, stob der größte Theil der 
Mannschaft auseinander und es dauerte lange Zeit 
bis sie wieder gesammelt und überzeugt werden 
konnte, daß es nur blinder Lärm gewesen. 
Eigenhändig unterschriebener Brief 
des Landgrafen Ludwig III. (auch IV 
genannt) Testator zu Marburg (regierte 
1567--1604) an seinen Rentmeister Heinrich 
Marckolf in Rauschenberg, betreffend die 
Bestrafung des Bürgers und Metzgers Hans Schrott 
zu Rauschenberg wegen Widersetzlichkeit gegen die 
Amtsgewalt. — In Folioformat auf l l / 2 Folioseiten. 
Der Brief gelangte vor ungefähr 20 Jahren aus 
einem Metzgerladen in Marburg, wo er zum Ein 
wickeln der Fleischwaaren benutzt werden sollte, in die 
Hände eines Alterthumsfreundes und so im Jahre 
1887 in den Besitz des Schreibers dieses Artikels, 
F. G h. 
(Aeußere Adresse): 
Vnserm Renthmeister Zn Rauschenbergk, vndt 
Lieben Getrewen, Henrich Marckolfen. 
(Der Brief selbst) : 
Ludtwig der Elter Von Gottes gnaden Landtgraue 
zu Heßen, Graue zu Katzenelnpogen. 
Lieber Getrewer, Wir haben deinen berücht, vnsern 
Burger vndt Metzger Zu Rauschenbergk, Hanß 
Schrotten betresfendt, endtPfangen, 
Das dan derselbie, deinem berückst nach, nicht 
allein vnser Kantzler vndt Räthe beuelch, wie auch 
dein daruf ervolgtes gebott, verächtlich gehalten, 
sondern vber das süch so muttwillig vndt halstarrig 
dir Widdersetzt gehaPt; von deßwegen wirdet er 
Pillich gestraffett. Ist demnach vnser beuelch, das 
du Ihnen In Zwantzig gülden straf nehmest, Auch 
solche Zwantzig gülden dennechsten vndt also von 
Ihm einPringest, damit du vnß dieselbe In Itzt 
vorstehender deiner AmPtsrechnung, gewiß verrechnen 
mugest, In Verweigerung aber deßelben Soltu Ihnen 
dennechsten beim koPf nehmen, gefenglich eintziehen, 
vndt der hassten eher nicht erlaßen, er habe dan 
Zuuor solche 20 fl. straf erlegt, 
Versehen wir vnß Also, vndt seindt dir mit 
gnaden geneigt, Datum MarPurgk Am 13t Decembris 
Anno 1600. 
Ludwig L. zu Hessen Npr.
	        

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