Full text: Hessenland (4.1890)

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Die Franzose,» in Aachen. 
„Frei liegt die Bahn, der Kaiser ist verblichen, 
Ein schwacher Jüngling nur regiert das Reich. 
Wohlauf zu Roß, laßt Aachen uns gewinnen, 
Pflanzt Frankreich's Banner auf des Schlosses 
Zinnen!" 
Der König spricht's und seine Mannen eilen, 
Schon thront im alten Kaisersaal Lothar 
Man lagert jubelnd sich zum reichen Mahle, 
Der Rheinwein perlt im goldenen Pokale. 
In deutschem Wein trinkt Hohn dem deutschen 
Reiche 
Und Frankreich Heil die sinnberauschte Schaar, 
Zu Frankreich's Ruhme klingen rings die Becher 
Und immer toller schallt der Lärm der Zecher. 
Uud taumelnd hebt vom Sitze sich der König: 
„Ich biete Dir, Du Kaiserknabe, Hohn, 
So wie den schnellen Sieg wir jetzo preisen, 
So will ganz Lothringen ich Dir entreißen." 
Von Karls des Großen Sitz soll Frankreich's 
König 
Jetzt herrschen über Lotharingen's Land; 
Drum auf und laßt sogleich mit schnellen Händen 
Des Schlosses Adler uns nach Westen wenden!" 
Und jubelnd fällt ihm zu die trunk'ne Runde, 
Erstiegen wird der Thurm der alten Pfalz; 
Erfüllt schon ist des König's frech' Begehren, 
Nach Frankreich hin den deutschen Aar sie kehren. 
Doch weh. die Strafe folgt Euch auf dem Fuße 
Ihr Frevler frech am heil'gen deutschen Reich, 
„Der Kaiser kommt", es ruft's entsetzt die Wache, 
Der Kaiser kommt und mit ihm kommt die 
Rache. 
Ja, Otto kommt, um freche Schmach zu sühnen, 
Ihr Thoren blind, die Ihr ihn wähntet fern; 
Der Kaiserknabe will Euch Franken lehren, 
Das heil'ge Reich und ihn den Kaiser ehren. 
Und in die Winde ist sie schnell zerstoben 
Die Räuberschaar, gepackt von wildem Graus, 
Es hält der Kaiser hoch auf stolzem Roße 
Mit seinen Deutschen vor dem Kaiserschlosse. 
Und frei nach Osten schaut der Adler wieder 
Nach Deutschland hin, zuck rebengrünen Rhein, 
Der Kaiser aber lachte mit Behagen: 
„Jetzt laßt den Fuchs im eig'nen Bau uns 
jagen!" 
Und lüstet's wieder Euch, Ihr Herrn Franzosen, 
Nach deutschem Lande und nach deutschem Wein, 
Seid Ihr auch schnell den Frieden uns zu 
brechen, 
Noch schneller ist der Kaiser ihn zu rächen. 
• It. Itttter. 
Wie die Sknme möcht' ich kellen. 
Wie die Blume möcht' ich leben, 
Die der holde Lenz gebracht, 
Wie die Blume möcht' ich sterben 
In der lauen Frühlingsnacht, 
Wenn von lieben, zarten Händen 
In der Abendsonne Glüh'n 
Sie gebrochen, um am Herzen 
Der Geliebten zu verblüh'n. 
Gart Wever. 
Aus alter und neuer Zeit. 
Skizzen aus der hessischen Kriegsgeschichte. 
Von Freiherrn Maximilian von Ditfurth, 
weiland kurfürstlich hessischem Hauptmann. 
XIII. 
Nachhut-Gefecht bei Quibeltown 1 777. 
Bei einer im Juni 1777 in der Gegend von 
Quibeltown in Neu-Braunschweig vorgenommenen 
Fouragirung war dem hessischen Hauptmann Ewald 
der Auftrag zu Theil geworden, mit einer Kompagnie 
hessischer Jäger und einer Kompagnie englischer 
leichter Infanterie die Nachhut der Fourage-Wagen 
zu bilden. 
Da die Gegend — ein wellenförmiges, wald 
bewachsenes Hügelland — nirgends eine freie und 
weite Aussicht gestattete, so hatte Ewald seine Truppe 
ganz einfach zu beiden Seiten des Rückzugs-Weges 
— die englische leichte Infanterie in der Mitte, die 
Jäger auf den Flügeln — in eine Schützenlinie 
aufgelöst, eine möglichst vortheilhafte Stellung ein 
nehmen lassen; dabei aber keinen geschlossenen Unter 
stützungs-Trupp zurückbehalten,, da damals die Noth 
wendigkeit dieses unter allen Umständen zu beobachten, 
noch nicht so allgemein anerkannt war, wie es 
dermalen der Fall ist. Als er glaubte, daß die 
Wagen-Kolonne einen hinlänglichen Vorsprung ge 
wonnen haben möchte, trat er den Rückmarsch an. 
Bis dahin war weit und breit nichts vom Feinde 
wahrzunehmen gewesen. Aber kaum daß die Schützen 
linie ihre bisherige — eine sehr gute Deckung ge 
währende Stellung verlassen hatte, erschienen plötzlich 
von allen Seiten her dichte Schwärme amerikanischer 
Riflemen (Büchsenschützen) und eröffneten auf 
die sich Zurückziehenden ein mörderisches Feuer, 
drängten heftig auf und begannen sogar die rechte
	        

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