Full text: Hessenland (4.1890)

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1851 an bis zu seiner Dispositionsstellung im Jahre 
1879 Aktuar resp. seit der neuen Gerichtsorganisation 
im Jahre 1879 Sekretär beim Stadtgericht, später 
Amtsgericht I Kassel. Nach Rücktritt in den wohl 
verdienten Ruhestand hatte er im vorgerückten Alter 
den Verlust eines Beines durch Amputation zu 
erleiden und war seit dieser Zeit an das Haus 
gefesselt, welches Leiden ihm durch die liebevolle und 
aufopfernde Pflege seiner Töchter in aller erdenklicher 
Weise gemildert wurde. Der Verstorbene erfreute 
sich während seiner langjährigen anstrengenden Thätig 
keit in der freiwilligen Gerichtsbarkeit der allgemeinsten 
Hochachtung und Werthschätzung der Kasseler Bürger, 
welche bei seinem Scheiden aus dem Dienste durch 
ein mit vielen hundert Unterschriften versehenes, 
ihm feierlich überreichtes Anerkennungsdiplom eine 
Würdigung fanden. Mit reichen Geistesgaben aus 
gestattet, genoß er den Ruf eines ausgezeichneten 
und praktischen Juristen. Zahllos und unausgesetzt 
sind die Rathschläge an Tausende und Abertausende 
gewesen, welche sich an ihn wandten. Sein jederzeit 
gezeigtes leutseliges und entgegenkommendes Wesen 
gegen Jedermann ohne Unterschied des Standes 
und Ranges sichern ihm ein bleibendes und ehrendes 
Andenken bei der Bürgerschaft der Stadt Kassel. 
Hessische Kücherschau. 
Führer durch die Rhön. Von Dr. Justus 
Schneider, Präsident des Rhönklubs. 4. Auflage, 
Würz bürg, Verlag der Stahel'schen Uni- 
versitäts-Buchhaudlung 1890. 
Herrn Dr. Justus Schneider liegt die Zuneigung 
für die Rhön im Blute. Er hat sie von seinem 
Vater, dem Geheimen Medizinalrathe Dr. Joseph 
Schneider, der sich selbst mit Vorliebe den „ alten 
Rhönpapa- nannte, ererbt. Gleich diesem, dessen 
„Manen- er auch sein Buch gewidmet hat, ist er von 
Jugend auf mit hingebendem Eifer bestrebt gewesen, 
die Rhön zu erforschen und die Resultate seiner 
Studien dem Publikum bekannt zu geben. Seit 
dem 6. August 1876, dem Stiftungstage des Rhön- 
klubs, ist er Präsident desselben und hat sich als 
solcher wesentliche Verdienste um das Gebirge erworben 
Als ein recht dankenswerthes Verdienst sehen wir 
auch die Herausgabe des „Rhönsührers- an, über 
den sich die Kritik einstimmig.sehr günstig aus 
gesprochen hat. Innerhalb 12 Jahren 4 Auflagen 
zu erleben, das will für ein Buch, welchen Inhalts 
es auch sei, schon etwas heißen. Eine solche That 
sache liefert den sichersten Beweis, daß die Schrift 
ihrem Zwecke entspricht. Bei aller Anerkennung der 
Trefflichkeit und Reichhaltigkeit des Schneider'schen 
„Rhönführers-, der sich ganz besonders durch vor 
zügliche Anordnung des Stoffes auszeichnet, dürfen 
wir es doch nicht verschweigen, daß sich hie und da 
Ungenauigkeiten, namentlich in den geschichtlichen 
Angaben, vorfinden, die aber wohl auf Druckfehler 
und auf die Flüchtigkeit der Durchsicht zurückzuführen 
sind. Letztere ist bei einem so viel beschäftigten 
Manne, wie Dr. Schneider es ist, gewiß zu ent 
schuldigen, wir sind auch überzeugt, daß diese Fehler 
in der nächsten Auflage vermieden werden, zumal sie 
sich der Kenntniß des Verfassers, der in der Fuldaer 
Geschichte und Landeskunde wohl bewandert ist, durch 
aus nicht entziehen. Wir wollen sie hier auch 
weiter nicht urgiren, doch auf einen Passus in der 
Schrift glauben wir aufmerksam machen zu sollen, 
da er zweifellos vielen mit uns befremdlich erscheinen 
wird. Er betrifft den vielberufenen „Schimmel von 
Bronzell-. Seite 106 heißt es u. a.: „Auf 
preußischer Seite wurde ein Schimmel getödtet, 
welchen ein Kavallerie-Trompeter bei den Vor 
posten ritt. Auf dem Rölingsberge, wo der Schim 
mel von Bronzell getödtet wurde, hat der Rhön 
klub an einem Baum eine Gedenktafel errichtet.^ 
Das Letztere ist uns neu, die erstere Angabe ist nicht 
zutreffend. Dem „Schimmel von Bronzell- war es 
nicht beschieden, auf dem Schlachtfelde zu sterben, sein 
Ende sollte ein mehr prosaisches sein. Der Schimmel 
hatte eine Schußwunde in die linke Hüfte erhalten, 
er wurde nach dem Zusammenstoße bei Bronzell 
durch Fulda geführt, wie noch viele Augenzeugen 
erhärten können — dann mitgenommen die Etappen 
straße entlang bis nach Erfurt. Dort soll er — ge 
schlachtet worden sein. Profiziat. — Der Schnei 
detische „Rhönsührer- ist vom Verleger elegant aus 
gestattet worden. Auch das wollen wir zu seiner 
Empfehlung nicht unerwähnt lassen. 
Ein zweites Buch von Dr. Justus Schneider 
das eben in neuer Auflage die Presse verlassen hat 
und in geschmackvoller Ausstattung in dem Verlage 
von A. Maier in Fulda erschienen ist, der 
„Führer durch Fulda und Umgebung 
werden wir in einer späteren Nummer unserer Zeit 
schrift besprechen und dabei noch einmal auf den 
„Rhönführer- zurückkommen. A. Z. 
Briefkasten. 
J. R. und J. S. Kastei. Besten Dank für Zusendungen. 
Werden benutzt werden. Freundlichsten Gruß. 
L. M. Eschwege. Warum so schweigsam? Erfreuen 
Sie uns recht bald wieder mit einem Beitrage. 
W. K. Wetzlar. Nicht zu verwenden. 
Wegen Mangels an Raum mußten mehrere für die 
heutige Nummer unserer Zeitschrift bestimmten Artikel 
zurückgestellt werden. Wir bringen dies zur Kenntniß 
der geehrten Herrn Einsender mit der Bitte um Ent 
schuldigung. 
Herausgeber und verantwortlicher Redakteur: F. Zwengerin Fulda, Druck und Verlag von Friedr. Scheel in Kassel.
	        

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