Full text: Hessenland (4.1890)

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wurde sein weiteres Vergehen aufgedeckt, in Rinteln 
bürgerliche Kleidung getragen zu haben und er 
infolge dessen von dem Kurprinzen mit acht 
Tagen Hausarrestes belegt, welchen er in der 
Wohnung seines Sohnes Albrecht, Majors und 
Kommandeurs der Garde-du-Korps, zu verbüßen 
hatte. Zahlreicher und beständiger Besuch nahm 
dieser Demüthigung etwas von ihrer Schärfe, 
sodaß Bardelebens erste Worte beim Wieder 
sehen der Seinigen in Rinteln waren: „Ach! 
das waren vierzehn köstliche Tage!*) 
*) Das Tragikomische der Sache zu erhöhen, forderte 
der Kurprinz Bardeleben nach der Rückkehr auf seinen 
(Schluß 
Der alte Soldat harrte pflichtmäßig noch 
einige Zeit auf dem Posten aus, welcher höchstens 
in den Augen des Kurprinzen eine Bedeutung 
hatte, dann bat er im Mai 1844 um seinen 
Abschied, weil er sich nicht mehr dienstfähig 
fühle; er wurde ihm baldig gewährt. 
Posten zum Berichte darüber auf, ob auch der Platzmajor 
zu Rinleln bürgerliche Kleidung getragen habe und wenn 
dieses der Fall gewesen sei , wie der Kommandant dieses 
bestraft habe. Der General berichtete, „er habe höherer 
Entscheidung nicht vorgreifen wollen, nun aber den straf 
baren Offizier, welcher jedenfalls durch das üble Beispiel 
seines Kommandanten verleitet worden fei, mit vier Tagen 
Hausarrest belegt", 
folgt.) 
hön und Mpessarl, die kleine 
1796. 
enöee. 
Von F. Awenger. 
(Schluß.) 
Es war ein erschütternder Anblick, die Ueber- 
reste des völlig gesprengten französischen Korps 
unter Bernadotte am 7. September in Frankfurt 
ankommen zu sehen. Auf jedes Gesicht hatte 
das Entsetzen seine starren Züge eingegraben. 
Und die Verfolgung der Landleute hörte nicht 
auf. Ueberall waren sie da, auf den Feind zu 
schlagen. Durch diese bewaffneten Bauern ver 
loren die Franzosen den größten Theil ihres 
Raubes wieder, den sie in den eroberten Ländern 
zusammengebracht hatten. Noch in der Gegend 
von Rüdesheim erbeuteten die Bauern 50 Wagen 
mit Tuch, Kattun und dergl. Effekten, nachdem 
sie die Eskorte in die Flucht gejagt hatten. 
Und jenseits der Lahn griffen die Naffau- 
Siegen'schen Landlente neun Geldwagen, von 
Chasseurs begleitet, an und machten eine an 
sehnliche Beute. 
Wenden wir uns jetzt wieder dem Hauptkorps 
der Sambre- und Maas-Armee unter dem Ober 
general Jourdan zu, welche wir bei Schlüchtern 
verlassen haben. Als Jourdan unterrichtet wurde, 
daß sich der Feind auf der Seite von Orb und 
Aufenau gezeigt habe, zog er am 7. September 
über Ulmbach, Birstein, Nidda, Butzbach nach 
Wetzlar, wo er am 11. September anlangte. 
Bei Gießen kam es am 16. September zu einem 
Treffen zwischen den Oesterreichern und den 
Franzosen, das zu Ungunsten der letzteren ausfiel. 
Unter anhaltenden Gefechten zogen sich die 
Franzosen, zu denen jetzt auch die Division 
Marceau von Mainz aus gestoßen war, nach 
dem Rhein zurück. Bei Altenkirchen wurde an 
t9. September General Marceau tödtlich ver 
wundet. 
„Da nichts rührender", heißt es in Posselt't 
Europäischen Annalen, „als der Tod einet 
heldenkühnen Jünglings und dem Menschenfreund 
nichts erfreulicher ist, als Züge von Edelmuth 
mitten in der Wuth des Krieges, so verdient 
Marceau's Tod hier etwas näher beschrieben zu 
werden .. Ein Trupp französischer berittener 
Jäger plänkelte mit einigen österreichischen Husaren. 
Marceau ritt hin. um das Terrain zu rekognos- 
ziren: ein Tyroler Scharfschütze, hinter einem 
Baum verborgen, erkennt ihn an den Aus 
zeichnungen seines Grades, zielt, und jagt ihm 
eine Kugel durch den Leib; man trägt ihn nach 
Altenkirchen. Da am folgenden Tage der 
österreichische Vortrab diesen Ort besetzte, so 
begab Feldmarschalllieutenant Kray sich sogleich 
selbst zu Marceau; die Augen des grauen 
Kriegers feuchteten sich: Er war's, der seit zwei 
Jahren fast immer Marceau gegenüber gefochten 
hatte. Noch war einige Hoffnung für dessen 
Erhaltung übrig; Erzherzog Karl ließ ihn 
durch seinen eigenen Wundarzt besorgen, aber 
in der Nacht auf den 21. September wurden 
die Symptome drohender und um 6 Uhr starb 
er. Die französischen Offiziere, die bei ihm 
geblieben waren, erbaten sich vom Erzherzog, 
daß der Leichnam auf das jenseitige Rheinufer 
geführt werden dürfte. Er bewilligte es, indem 
er sich nach der Zeit der Leichenfeier erkundigte;
	        

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