Full text: Hessenland (4.1890)

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Anerkennung aller gefunden hat, die es gelesen. 
Was nun die Komposition des reichbegabten Ton 
künstlers Johann Lewalter anbelangt, so geben 
wir hier das Urtheil wieder, welches der Kunst 
kritiker der Kasseler Allgemeinen Zeitung über 
dasselbe gefällt hat re. Er schreibt: „Herr Lewalter 
hat mit seiner Komposition einen sehr glücklichen 
Griff gethan. Schon frühere Lieder haben gezeigt, 
daß seine Begabung wesentlich auf dem Gebiet des 
Volksmäßigen liegt, wir erinnern nur an seine 
meisterlich gelungene Weise zu Goethes „Ufem 
Bergli bin i gefäffe. “ Auch hier hat er die Stimmung 
durchaus getroffen, die Mischung aus Wehmuth und 
Sehnsucht, welche den Grundton des Gedichtes bildet, 
spiegelt sich in der einfachen getragenen, nur von 
einzelnen vollen Akkorden gedeckten Weise klar und 
schön wieder. Diese Töne sprechen ergreifend zum 
Herzen^'— das Beste, was man von volkstümlicher 
Dichtung sagen kann-. 
Am 20. Juli feierte das Zwillingspaar, Aktuar 
K. Chr. Friedrich Soldan uud Pfarrer 
F r i e d r. Ludwig S o l d a n zu Großenwieden 
in der Grafschaft Schäumburg das Fest seines 9 0. 
Geburtstages. Aktuar Soldan war von Mar 
burg, seinem Wohnorte, zu seinem Bruder, dem ehe 
maligen Pfarrer von Wittelsberg, nach Großenwieden 
geeilt, wo letzterer jetzt bei seinem Sohne, dem dortigen 
Pfarrer, lebt, um gemeinschaftlich das seltene Fest in 
der Familie begehen zn können. Beide Greise er 
freuen sich noch vollkommener Frische des Geistes 
und Rüstigkeit des Körpers. Noch vor wenigen 
Jahren unternahmen sie gemeinschaftlich Fußtouren 
von mehreren Stunden und konnten damit selbst 
junge Männer beschämen. Aktuar Soldan, der früher 
häufiger und auf längere Zeit in Kassel zn verweilen 
pflegte, war wegen seiner Uuterhaltungsgabe, seiner 
Schlagfertigkeit, seines treffenden Urtheils und seines 
nimmer versagenden Gedächtnisses bei allen, die ihn 
kannten, sehr beliebt und hochangesehen. Das ist ein 
gesegnetes Alter, dessen sich diese beiden Zwillings- 
brüder erfreuen, möge es denselben noch recht lauge 
blühen! Beiden hochgeehrten Herren bringen wir 
unsere herzlichsten Glückwünsche dar. 
Universitätsnachrichten. Der Professor 
der Augenheilkunde und Direktor der Augenklinik, 
Geheimer Medizinalrath Dr. Schmidt - Rimple r 
in Marburg, hat einen Ruf an die Universität 
Göttingen erhalten und angenommen. . Seit Ende 
der 70er Jahre ist er in Marburg thätig und zählt 
zu den ersten Autoritäten in seinem Specialfache. 
Auch in städtischen Angelegenheiten hat er schon seit 
Jahren eine sehr eifrige und erfolgreiche Thätigkeit 
entfaltet. Gegenwärtig bekleidet er das Amt des 
Vicebürgermeisters. Am 1. Oktober siedelt er nach 
Göttingen über. Man sieht ihn nur ungern von 
Marburg scheiden. — Der Professor der Botanik 
Dr. Karl Göbel in Marburg tritt demnächst eine 
längere Forschungsreise nach den Anden und Britisch- 
Guyana an. — Vom 15.—18. Juli feierte die 
Burschenschaft A r m i n i a in Marburg ihr 
30jähriges Stiftungsfest, an dem sich eine größere 
Anzahl älterer Herren betheiligte. Die Aufnahme 
seitens der Marburger Bürgerschaft war, wie stets 
bei ähnlichen Gelegenheiten, eine überaus freundliche 
und der Verlauf des Festes nach jeder Richtung ein 
sehr zufriedenstellender. — Gegenwärtig feiert das 
altrenommirte Marburger Corps Teutonia 
sein 65jähriges Stiftungsfest Wir hoffen in der 
Lage zu sein, in einer der nächsten Nummern unserer 
Zeitschrift einen eingehenderen Bericht über diese 
Feier, die eine sehr glänzende zu werden verspricht, 
liefern zu können. 
— An Stelle des an die Universität Breslau be 
rufenen Professors Dr. Goswin Freiherr von 
der R o p p ist der Stadtarchivar Professor Dr. 
Höhlbaum in Köln an die Universität Gießen 
als ordentlicher Professor für mittelalterliche Geschichte 
berufen worden und hat den Ruf angenommen. — 
Am 28. Juli, Vormittags 10 Uhr, wurden die 
neuen Kliniken der Universität Gießen 
in Gegenwart des Großherzogs von Hessen-Darmstadt 
und des gesummten hessischen Staatsministeriums 
eröffnet. Zuerst hielt Herr Minister Finger eine 
Ansprache, die Entstehung der Bauten darlegend. 
Dann folgte eine Ansprache des Universitäts-Rektors 
Philippi und die Festrede des Professors Riegel. 
Um 12 Uhr wurde das L i e b ig - D en k m a l ent 
hüllt, ebenfalls in Gegenwart des Großherzogs. Nach 
meinem Vortrage des Gesangvereins siel die Hülle des 
Monuments, von Schaper's Meisterhand. Die 
Festrede des Professors A. W. Hofmann von 
Berlin (bekanntlich ein geborener Gießener und 
berühmter Schüler von Liebig) schilderte Liebig's 
Thätigkeit, wissenschaftliche Bedeutung und Charakter. 
Darauf erfolgte die Uebernahme des Denkmals durch 
den Bürgermeister Namens der Stadt Gießen, Schluß 
gesang und Gang um das Denkmal. Um 2 Uhr 
Mittags fand das von der Stadt den Ehrengästen 
gegebene Festmahl statt. (Franks. Ztg.) 
Todesfälle. Am 8. Juni starb zu Ob er 
lahn st ein der Nealgymnasiallehrer Georg Zülch, 
der Vorstand des dort gegründeten Vereins für 
Alterthümer und eine Zeit lang Leiter der von 
diesem herausgegebenen Zeitschrift „Rhenus-. 
Das letzte Schulprogramm des dortigen Realgym 
nasiums enthält von ihm noch^ werthvolle Beiträge 
zur Geschichte Oberlahnsteins. Georg Zülch war 
am 7. März 1851 zu Melsungen als jüngster 
Sohn des Rektors und Pfarrers Karl Zülch ge 
boren, und zeigte sich schon früh ungemein begabt, 
so daß er, erst 13 Jahre alt, 1864 in die Ober-
	        

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