Full text: Hessenland (4.1890)

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listarum venerabilia corpora requies- 
cunt. 
Libri druo Synonymorum 8. Isidori. 
Varia nomina in forma diptichi von anderer 
^Hand Memoria Bagyndrudis in oratione 
facienda bis verbis in fine codicis com- 
mendatur: 
„In honorem Domini nostri Jesu Christi 
Ego Ragyndrudis ordinavi librum istum 
quicumque legerit, conjuro per Deum 
vivum, ut pro me orare dignimini.“ — 
Der dritte Codex Bonifatianus enthält die 
vier Evangelien in angelsächsischer Kursivschrift, 
doch fehlen darin hier und da einige Verse, 
oder zeigen eine weniger korrekte Handschrift, 
Der jedesmalige Anfang eines Evangeliums ist 
mit einem umkränzten verschiedenfarbigen (gelb, 
roth, grün und veilchenblau) Viereck umflossen. 
Die erste Zeile mit der Initiale ist bedeutend 
größer als die übrige Schrift und wie diese in 
schwarzer Farbe ausgeführt, doch finden sich 
zwischen den erwähnten größeren Buchstaben Stellen, 
welche in jenen Farben abwechseln. Auf der 
gegenüberstehenden Seite sehen wir, in einem 
ähnlich ausgeführten Vierecke, den jedesmaligen 
Evangelisten, doch immer in derselben Gestalt, 
nur durch die Beifügung des Namens unter 
schieden, mit gelbem Haar, veilchenblauem Ge 
wände, im Pupurmantel mit gelben Streifen, 
den Schreisignffel in der Rechten und die damals 
übliche Wachstafel in der Linken. 
Die Evangelien folgen in der gewöhnlichen 
Ordnung ohne jegliche Abtheilung in den einzelnen: 
Evangelium S. Matthei. Es umfaßt mit 
der oben beschriebenen bildlichen Dar 
stellung 18 Seiten. 
Evangelium 8. Marci auf 14 Seiten. 
Evangelium 8. Lucae auf 18 Seiten. 
Evangelium 8. Johannis auf 15 Seiten. 
Dieser, Codex besteht sonach aus 65 Seiten. 
Er ist in klein Octav, beinahe in der Form eines 
Quadrats 12,7 Cent, hoch und 10 Cent, breit, 
auf geringes aber starkes Pergament geschrieben, 
noch vollständig und gut erhalten und soll vom 
hl. Bonifatius selbst geschrieben sein, was 
folgende Erklärung in lateinischer Goldschrift 
auf dem letzten Blatte bestätigen will: 
Hoc evangelium 8. Bonifatius martyr 
domini gloriosus ut nobis seniorum rela- 
tione compertum est propriis conscripsit 
manibus; quod etiam venerabilis abbas 
Huoggi obnixis precibus a rege piissimo 
Arnolfo impetravit et sanctae Fuldensis 
ecclesiae restituit. 
allein die Schrift zeigt doch so bedeutende Ab 
weichungen, daß wenigstens nicht anzunehmen 
ist, sie sei von einer Hand geschrieben, wie denn 
auch die Schlußschrift auf dem vorletzten Blatte 
unwiderleglich darthut: „amen deo gracias ago 
uidrug seribsit*. Es kaun sonach nur ein 
Theil dieses Codex vom heiligen Bonifatius 
selbst geschrieben sein. 
Diese drei Codices Bonifatiani bilden den 
größten Schatz der Fuldaer Landesbibliothek. 
Kein Fremder besuckit dieselbe, ohne zuerst nach 
ihnen zu fragen. Auf ihren Besitz kann- Fulda 
stolz sein. 
Le sechsunöfünfzigste Jahresversammlung öe§ Vereins 
für hessische Geschichte und Hanöeskunöe Ln Uulöa. 
Dreizehn Jahre sind verflossen , seit der hessische 
Geschichtsverein znm letzten Mal in der alten Boni- 
fatiusstadt Fulda tagte. Das damalige Fest hatte 
einen glänzenden Verlauf genommen und steht heute 
noch im besten Andenken bei allen Theilnehmern. 
So konnten sich denn auch die erfreulichsten Hoff 
nungen an die diesjährige Hauptversammlung 
knüpfen und. sie sollten nicht getäuscht werden. Nur 
die Betheiligung war in diesem Jahre eine geringere 
als im Jahre 1877, daran mag aber die dem Feste 
vorausgegangene unfreundliche Witterung, dann aber 
auch der Umstand die Schuld tragen , daß die für 
dasselbe bestimmten Tage, 14.—16. Juli, nicht 
glücklich gewählt waren. Erst am 15. Juli begin 
nen bekanntlich die Gerichtsferien, den weiter von 
Fulda wohnenden Gerichtsbeamten war es daher be 
nommen, sich an dem Fest zu betheiligeu. Gerade 
von ihnen wäre aber eine recht zahlreiche Theilnahme 
zu erwarten gewesen. Haben doch alle jene Herren, 
die in den SOer und zu Anfang der 60er Jahre an 
dem hiesigen großen Obcrgerichte, zu dessen Sprengel 
damals nicht allein die Provinz Fulda, sondern auch 
die Provinz Hanau gehörten, als Referendare ihren 
Vorbereitungsdienst durchmachten, der . Stadt Fulda 
eine treue Anhänglichkeit bewahrt und würde doch 
ein großer Theil derselben mit Freuden die Gelegen 
heit wahrgenommen haben, wieder einmal in der 
ihnen lieb gewordenen Stadt zu wellen und alte
	        

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