Full text: Hessenland (4.1890)

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Das „HeAkttlüNd", Zeitschrift für hessische Geschichte und Literatur, erscheint zweimal monatlich, 
zu Anfang und tn der Mitte jeden Monats, in dem Umfange von 172—2 Bogen Quartformat. Der Abonnementspreis 
betrügt vierteljährlich 1 Mark 50 Pfg. Einzelne Nummern kosten je 30 Pfg. Anzeigen werden mit 20 Pfg. 
für die gespaltene Petitzeile berechnet. Auswärts kann unsere Zeitschrift durch direkte Bestellung bei der Post, oder 
durch den Buchhandel, auf Wunsch auch unter Streifband bezogen werden; hier in Kassel nimmt die Buchdruckerei 
von Friede. Scheel, Schloßplatz 4, Bestellungen, ebenso Anzeigen an. Zn der Post-Zeitungsliste für das Zahr 1890 
findet sich das „Hessenland" eingetragen unter Nr. 2772. 
Herkules. < 
(1812.) 
him fürstlichen Schlosse zu Gis erstarrt 
"1 Liegt stille der glitzernde Weiher, 
Es schlafen dieWinde.kein Tannzweig Knarrt, 
Der Mond webt silberne Schleier. 
t och über dem Walde auf steinernem Feld 
agt Herkules finster, der wachende Held, 
Und es murmeln die ehernen Lippen: 
Sie kmxen und neigen und nicken sich zu 
In Pelzen und goldigem Glanze 
Und flüstern und Kichern und kosen dazu 
Herüber, hinüber im Kranze. 
Und der König, der führt sie so lustig und kühn, 
And schmieget den Arm in lüsternem Glühn 
Am die schönste der adligen Dirnen — 
„Hier, wo ich ins Felsgrsb Gnzeladus schloß, 
Weil Sucht er und Ehre vergessen, 
Uicht langer verprasse der fränkische Troß 
Das Glück der geknechteten Hessen! 
Ihr Räuber, und hört! Dumpf heult es herbei 
Wie sterbender Krieger Verzweiflungsfchrei 
Aus Rußlands eisigen Feldern!" 
Still wieder. — Da dringt es und klingt es herauf 
Su Herkules auf von dem Schlosse, 
Da fliegt nach dem Weiher ein festlicher Häuf, 
Hell klingen die Schlitten, die Rosse. 
Auf dem Gis beides Mondes vertraulichem Schein 
Schlingt Herrlein unöFräuleinden üppigenReihn 
Su weichen, schmeichelnden Weisen. 
Da plötzlich erschallt, wie wenn Donner erbracht, 
„Ich will euch!" über den Weiher, 
And sieh! am Äser schwingt Herkules'Macht 
Die Keule zur nächtlichen Feier. 
Die Herrlein unöFräulein, die packet ein Graus, 
Mit Sittern und Sagen, hinweg und hinaus! 
Serfloben ist Alles zur Stunde. 
Im fürstlichen Park liegt stille das Schloß, 
Die Schwelger flohen von dannen. 
Des Mondes wallender Schleier zerfloß. 
Die dunkelen Nebel zerrannen. 
And über dem Walde auf steinernem Feld 
Ragt Herkules leuchtend, der eherne Held, 
Im Frührot der siegenden Sonne. 
Hustav Ksküche.
	        

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