Full text: Hessenland (4.1890)

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die vormärzliche Zeit bereits in voller Manneskraft 
durchlebt hatten. Superintendent Schweißer hinter 
läßt keinen Feind. (O. Z.) 
Am 30. Juni verschied zu Kassel der Gymnasial- 
Oberlehrer Adolf Heermann im 81. Lebensjahre. 
Fast 40 Jahre hat derselbe mit nur geringen Unter 
brechungen am Gymnasium zu H ers feld als Lehrer der 
Mathematik und Naturwissenschaften gewirkt und sich in 
seltenem Grade nicht nur die Liebe seiner Kollegen 
und Schüler, sondern auch die Hochschätzung seiner 
Mitbürger erworben. Heermann hatte sich nach be 
standenem Maturitätsexamen zuerst der Landwirth 
schaft gewidmet und wandte sich erst im reiferen 
Mannesalter dem Studium der Mathematik und 
Naturwissenschaften zu. Vor wenigen Jahren trat 
er in den Ruhestand und lebte von da in Kassel, 
auch hier geehrt und geliebt von Allen, die ihm näher 
standen. 
Am 1. Juli starb zu Leipzig der Professor 
der romanischen Philologie Dr. Adolf Ebert. 
Geboren war derselbe am 1. Juni 1820 zu 
Kassel, bis Ostern 1840 war er Schüler des 
Gymnasiums seiner Vaterstadt und studierte nach be 
standenem Maturitätsexamen zu Marburg, Leipzig, 
Göttingen und Berlin. Im Jahre 1851 habilitirte 
er sich an der Universität Marburg als Docent für 
romanische Philologie und Literatur, wurde 1857 
zum außerordentlichen Professor ernannt und 1863 
als Ordinarius auf den neu errichteten Lehrstuhl für 
romanische Sprachwissenschaft an die Universität 
Leipzig berufen. Von seinen Schriften sind hervor 
zuheben: „Quellenforschungen aus der Geschichte 
Spaniens" (Kassel 1849), „Handbuch der italienischen 
Nationalliteratur" (Marburg 1850), „Entwickelungs 
geschichte der französischen Tragödie, vornehmlich im 
16. Jahrhundert" (Gotha 1856), „Terlullians Ver 
hältniß zu Minucius Felix" (Leipzig 1868), „All 
gemeine Geschichte des Mittelalters im Abendland" 
(Leipzig 1874, 2 Bände). Mit Ferdinand Wolf 
gab er das „Jahrbuch für romanische und englische 
Literatur" (Berlin, später Leipzig, 5 Bände, fort 
gesetzt von Lemcke bis 1875) heraus, worin von ihm 
u. a. erschienen: „Die englischen Mysterien (Bd. 1) 
und die ältesten italienischen Mysterien" (Bd. 5). — 
Zs. Z. 
Musikalisches. 
Im Verlage von Chr. Lorch in Marburg 
erschienen soeben ,Sechs Lieder für Sopran oder 
Tenor" von Otto Kaletsch op. 6, von welchen 
uns zwei vorliegen. Die Gedichte, welche von dem 
unsern Lesern bekannten und von Tondichtern sehr 
gesuchten Edgar Kramer-Bangert sind, hat 
Kaletsch trefflich in Musik zu setzen verstanden. 
Vor allem gefüllt uns Nr. 1. „Von dir, mein 
süßes Kind", worin Kaletsch das Märchenhafte, 
den Dust des Flieders in einer träumerisch dahin 
gleitenden Weise, welche von vollen Accorden in 
Triolen begleitet wird, vorzüglich wiedergicbt. Auch 
das zweite Lied ,Maiglöckchen läuten so hell und so 
rein" (vergl. .Hesscnland" d. I. Nr. 9), welches 
den Hörer in die rechte FrUhlingsstimmung versetzt, 
können wir ebenso warm wie Nr. 1 unsern Lesern 
empfehlen. Wir sind auf die weiteren Nummern 
gespannt. 
Von den Verlegern eines anderen hessischen Ton 
dichters, Hans H. Ruhl, gingen uns vor Kurzem 
zu: Konzert für Violine mit Klavier- oder 
Orchesterbegleitung op. 12 (erschienen in Kassel bei 
Hermann Nuhl), Minnesang, Ballade und Romanze 
für Klavier, op. 20 (erschienen in Kassel bei 
Hermann Ruhl) und Augusta-Viktoria-Walzer 
op. 80 (erschienen in Leipzig bei Karl Rühle, vorm. 
P. I. Tonger). Freunde guter Musik machen wir 
auf die Werke Ruhls aufmerksam. Besonders an 
ziehend ist das Violinkonzert, welches auch anderen 
Orts viel Anerkennung gefunden hat. Die Klavier 
stücke sind nicht zu schwer und eignen sich ebenso 
gut zum Vortrage im Konzert als im Hause. Der 
zuletzt erschienene Walzer hat eine ansprechende 
Melodie und ist durchweg edel gehalten. Wir sind 
überzeugt, daß die Anschaffung der Werke Niemanden 
gereuen wird. K. 
Briefkasten. 
Dr. G. E. Kassel. Wir werden Ihrem Wunsche in 
nächster. Nummer unserer Zeitschrift Folge leisten. 
8. 0. Menglers. Zhr interessanter Aussatz, für den 
wir Ihnen sehr verbunden sind, wird, sobald es nur irgend 
der Raum gestattet, Ausnahme finden. 
V. Tr. Rauschenberg. Sendung erhalten. Besten Dank. 
Würden Sie die Korrektur übernehmen? 
E. Br. Berlin. Wir werden Ihre Anfrage in einer 
der nächsten Nummern beantworten. 
Dr. A. R. Laubach. Empfangen Sie unseren verbind 
lichsten Dank für die Zusendung Ihrer Schrift mit der 
Bitte, dieselbe benutzen zu dürfen. 
Dr. A. D. Elberfeld. Sie haben uns durch Ihren 
Brief recht erfreut. Antwort erhalten Sie brieflich. Freund 
lichsten Gruß. 
G. Th. D. Marburg. Wird benutzt. Wir hoffen unserem 
alten verehrten Lehrer und Ordinarius in der Kürze per 
sönlich begrüßen und ihm unseren Dank abstatten zu können. 
Abonnements auf die Zeitschrift „Hessenland" werden fortwährend angenommen in 
der Buchdruckerei von Frie-r. Scheel, Kassel, Schloßplatz 4, bei allen Buchhandlungen 
und Postanstalten. 
Herausgeber und verantwortlicher Redakteur: F. Zwengerin Fulda, Druck und Verlag von Friedr. Scheel in Kassel.
	        

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