Full text: Hessenland (4.1890)

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nicht näher ouf den hochinteressanten Inhalt dieser 
Fortsetzung eingehen zu können, wir werden das 
aber bei anderer Gelegenheit nachholen. Zunächst 
war es uns darum zu thun, die Leser unserer Zeit 
schrift auf diese Fortsetzung aufmerksam zu machen. 
Wie wir hören, wird Rodenbergs Essay noch zwei 
Fortsetzungen in Anspruch nehmen, dann aber wird 
derselbe zweifelsohne in Buchform erscheinen, und 
darf auch solcher der freundlichsten Aufnahme und 
des sichersten Erfolges gewiß sein. 
Die Rede, welche der Vorsitzende des Marburger 
Zweigvereins des Vereins für hessische Geschichte 
und Landeskunde, Archivrath Dr. Könnecke, bei Er 
öffnung der Ausstellung hessischer Drucke im Ritter 
saale des Schlosses zu Marburg am 29. Juni ge 
halten hat, ist im Drucke erschienen, ebenso auch ein 
^Führer durch die Ausstellung“. Wir werden 
auf beide sehr beachtenswerthe Schriftstücke zurück 
kommen. 
Es liegen uns zwei Bücher vor, deren Kenntniß 
nahme von Interesse für einen großen Theil der Leser 
unserer Zeitschrift sein wird. Das eine ist die eben 
erschienene 4. Auflage von Dr. Iustus Schnei 
ders (Präsident des Rhönktubs) „Rhön führ er“, 
Würzburg bei Stahel, das andere: „Fürstabt 
Balthasar von Dernbach und die katholische 
Restauration im Hochstiste Fulda 1570—1606“, 
von Hermann Freih err von Egloffstein, 
München, bei M. Rieger 1890. Eine Besprechung 
dieser beiden Schriften folgt in nächster Nummer. 
Todesfälle. Am 20. Mai verschied zu 
Treysa der Rechtsanwalt Justizrath Wilhelm 
Jffland, ein auch in weiteren Kreisen bekannter 
und wegen feiner Kenntnisse, seiner trefflichen 
Charaktereigenschaften und seiner persönlichen Liebens 
würdigkeit allgemein hochgeschätzter Jurist. Heinrich 
Wilhelm Gotthard Friedrich Jffland war am 14. 
November 1821 zu Rommershausen bei Treysa als 
Sohn des dortigen Advokaten und Amtsschultheißen 
Jffland geboren. Er besuchte von 1835 bis Ostern 
1842 das Gymnasium zu Kassel, widmete sich dann 
auf der Landesuniversität Marburg der Rechtswissen 
schaft. Nachdem er seine Studien beendet und die 
vorgeschriebenen Examina wohlbestanden hatte, trat 
er 1846 bei dem Obergericht zu Marburg als Re 
ferendar in den juristischen Vorbereitungsdienst. Im 
Jahre 1850 wurde er zum Rechtsanwalt ernannt 
und ließ sich als solcher zunächst in seinem Geburts 
orte Rommershausen nieder, verlegte aber 1867 
seinen Wohnsitz nach Treysa. Im Jahre 1884 
wurde ihm der Titel „Justizrath“ verliehen. Der 
Verblichene war ein tüchtiger, nichts weniger als 
einseitiger Jurist, er war bewandert in der Literatur 
und erfreute sich eines schönen poetischen Talentes. 
Seine zahlreichen Freunde werden sein Andenken 
stets in Ehren halten. — Am 5. Juni starb zu 
Fulda nach längerem Leiden der Obergerichtsrath 
z. D. Gustav Adolf du Fais. Geboren am 
13. Januar 1818 zu Fulda als Sohn des kur 
fürstlich hessischen Nechnungsprobators G. F. du Fais, 
besuchte er das Gymnasium zu Hanau, wohin sein 
Vater versetzt worden war, studierte sodann in Mar 
burg und Heidelberg Rechtswissenschaft und prak- 
tizirte von 1640 an bei den Justizämtern zu Roten 
burg und Hofgeismar. Im Jahre 1847 wurde er 
zum Amtsassessor in Gelnhausen ernannt und 1850 
zum Obergerichtsassessor in Fulda befördert. 1852 
wurde er an das Obergericht in Kassel versetzt und 
1859 zum Obergerichtsrathe daselbst ernannt. 1864 
wurde er wieder an das Obergericht zu Fulda ver 
setzt und verblieb in dieser Stellung bis zur Auf 
hebung dieses höheren Gerichtes im Jahre 1867. 
du Fais, welcher einer jener Refugie Familien ent 
stammte, die nach Aufhebung des Ediktes von Nantes 
1685 in Hessen unter Landgraf Karl eine Zufluchts 
stätte gefunden hatten, war ein tüchtiger Richter und 
ein allzeit treuer Hesse. 
Am 19. Juni starb auf seiner Besitzung Erling 
am Ammersee der Generallieutnant z. D. Rudolf 
Freiherr von der Tann-Rathsamhausen im 
Alter von 70 Jahren. Getreu den Traditionen 
seines Geschlechtes widmete er sich, nachdem er ein 
Handwerk erlernt und die Pagerie in München be 
sucht hatte, dem Militärdienste. Zuerst Lieutenant 
im 1. bayerischen Artillericregimente, durchlief er 
rasch die Ofsiziersgrade bis zum Kommandeur dieses 
Regiments. Zeitweilig war er Militärattache in 
Paris und kämpfte als Volontär gegen die Kabylen 
in Afrika. Im deutsch-französischen Kriege von 
1870 und 1871 führte er die vierte bayerische Jn- 
fanteriebrigade und kämpfte mit rühmenswerther 
Tapferkeit in den Schlachten von Bazeilles und 
Orleans. Nach Beendigung des Krieges befehligte 
er die bayerischen Okkupationstruppen in Frankreich 
und wurde bei seiner Rückkehr in sein Vaterland 
zum Divisionsgeneral ernannt. Am 1. Mai 1873 
trat er in den Dispositionsstand. Er gehörte der 
Tann'schen Linie zum gelben Schlosse an. Seine 
Leiche wnrde nach der Stadt Tann an der Rhön 
verbracht und dort in der Familiengruft unter großer 
Betheiligung von Leidtragenden beigesetzt. 
Am 23. Juni verschied zu Rodenberg infolge 
eines Schlaganfalls der Superintendent der Grafschaft 
Schaumburg Friedrich Julius Schmeißer, 
Ortspfarrer in Rodenberg. Er war ein Mann von 
seltener Herzensbildung, tiefem Gemüth und lau 
terstem Charakter. An allen geistigen Bewegungen 
der Nation, wie am Politischen Leben hat Schmeißer 
bis zu seinen letzten Lebensjahren stets regen Antheil 
genommen. Mit ihm ist wieder einer der wenigen 
noch lebenden Schaumburger dahingegangen, welche
	        

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