Full text: Hessenland (4.1890)

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lbrechl KhrLstian Uuöwig von Karöeleüen. 
Kurfürstlich Hessischer Generallieutenant. 
1777-1856. 
Ein Erinnerungsblslk von E- v- Lkamsorö. 
(Fortsetzung.) 
IX. Unter Kurfürst Wilhelm II. 
1821-1830.*) 
Der Held unserer Erzählung erhielt unvor 
bereitet durch eine Staffelte die Botschaft des 
Hinscheidens seines alten Landesfürsten, zugleich 
die Weisung, sich dem nun regierenden Herrn 
vorzustellen. In den ersten Tagen des März 
1821 begab er sich nach Kassel und wurde von 
Kurfürst Wilhelm II. ernst, aber sehr gnädig 
empfangen. Ausführlich ließ Wilhelm sich über 
seine Absichten in Bezug des Militärs aus und 
daß er nach dem Muster Preußens vorgehen 
wolle. Als Bardeleben seine bereits aus Berlin 
berichtete Ansicht über die Unzweckmäßigkeit der 
Bekleidung des preußischen Soldaten aussprach, 
ging der Fürst nicht hierauf ein. Noch weniger 
sagte letzterem die Meinung zu, welche Barde 
*) Zu dem Artikel dieses Aufsatzes in Nr. 10 des 
„Hessenlandes" S. 134 ist unter **) eine Bemerkung ge 
macht worden, welche zu Zweifeln Anlaß gegeben hat. 
Sie rührt nicht von mir her, wie durch nähere Prüfung 
Jedem klar werden muß. Die Redaktion des tzessenlandes 
hat dieselbe zugesetzt, ohne dieses Umstandes zu erwähnen. 
Ob die in dem Fulda des I. 1816 durch Herrn von 
Bardeleben gemachte Beobachtung durch die erwähnte Be 
merkung „sachlich richtig gestellt ist" , möge der Leser ent 
scheiden, welcher Herrn von Bardeleben höchstwahrscheinlich 
unter die in der Bemerkung zugegebenen „rühmlichen 
Ausnahmen" von den kurhesstzchen Beamten und Offizieren 
rechnen wird. Der Verfasser. 
Vorstehende Erklärung des Herrn Verfassers ist, soweit 
sie in den Grenzen der Berichtigung bleibt, vollständig zu 
treffend. Die angezogene Anmerkung in Nr. 10 des 
„Hessenlandes" war lediglich eine redaktionelle. Leider ist 
es, wohl in Folge eines Versehens des Setzers, unter 
blieben, derselben die Unterschrift „Die Redaktion" hinzu 
zufügen. Wir selbst hielten es für überflüssig, eine Be 
richtigung in der daraus folgenden Nummer vorzunehmen, 
da es aus der Form sowohl wie aus dem Inhalte deut 
lich ersichtbar war, daß die fragliche Anmerkung nicht von 
dem hochgeschätzten Herrn Verfasser des Aussatzes herrühren, 
sondern nur von der Redaktion ausgehen konnte. Im 
Uebrigen halten wir unsere dort gegebene sachliche Er 
klärung selbstverständlich nach jeder Richtung hin aufrecht. 
Die Redaktion. 
leben betreffs der Truppenstärke seinen Berichten 
gemäß wiederholte; er hatte vorgeschlagen, ent 
sprechend dem Verhältnisse in Preußen, wo auf 
100,000 Bewohner damals 1 Bataillon, sodann 
angemessene Reiterei, Geschütz u. A. gerechnet 
wurden, für Kurhessen mit 600,000 Bewohnern 
5'/r Bataillone und die weiter zugehörigen 
Truppen mit preußischer höherer Dienststärke 
aufzustellen. Jetzt ging er bis zu 8 y a Bataillonen 
als dem alleräußersten „wenn Kurhessen etwas 
mehr als eine bloße Miliz halten wolle"- Diese 
Aeußerung wurde noch weniger gnädig aufge 
nommen, als 1818 in den Berichten, und der 
Kurfürst fragte, was denn Hessen in der poli 
tischen Wagschale mit 8 l / 2 Bataillonen gelten 
würde? Der Gefragte konnte hierbei ein Lächeln 
nicht unterdrücken und wurde entlassen. Doch 
kam schon am folgenden Tage seine Ernennung 
zum Mitgliede einer Reglements-Kommission, 
sowie der Examinations-Kommission; auf die 
Organisation des Korps erhielt er keinen Einfluß. 
Und dennoch scheint die Auseinandersetzung 
Eindruck gemacht zu haben. Kurfürst Wilhelm 
hatte die Absicht geäußert, 3 Bataillone Garde, 
12 Bataillone Linieninfanterie und 13 Schwa 
dronen Reiterei zu organisiren, was kaum eine 
Verminderung von den seitherigen 17 Bataillonen 
und 10 Schwadronen bedeutete und von Barde 
leben als eine für Hessen ganz unverhältniß- 
mäßige Kriegsmacht bezeichnet wurde. In der 
Folge wurden dann 12 Bataillone und 9 Schwa 
dronen gebildet. 
Das Regiment Landgraf Karl erhielt die Be 
zeichnung 3. Linieninfanterie-Regiment, der Kur 
fürst ernannte Bardeleben zum Oberstlieutenant 
in diesem seinem alten Regimente und er erhielt 
das aus einigen Trnppentheilen neu zu bildende 
Füsilierbataillon. Am 30. April begab er sich 
nach Hersfeld, wo das Bataillon zusammen 
treten und künftig stehen sollte. Die Neubildung 
des kurhessischen Korps trat am 1. Mai ins Leben.
	        

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